Die Rechnung, eingetroffen (II)

July 29th, 2010

Nunmehr sind beim DSB dankenswerterweise auch die fehlenden Abschlüsse der Jahre 2007 und 2008 sichtbar. Weil es in den Kommentaren zum 1. Teil zuerst angesprochen wurde, schauen wir uns zunächst den Ramada-Posten an.

Gemäß Planung Vereinbarung mit den Betreibern war dieser eigentlich nur als Durchgangsposten gedacht, für den DSB sollte die Sache plus/minus 0 ausgehen (Einnahmen - vor allem Startgelder - gehen nur formal durch den Haushalt; die Kosten für Pokale, Schiedsrichter etc. sollten durch einen Anteil abgedeckt werden).

Die entsprechende Korrespondenz der Einnahmen und Kosten wird allerdings nicht erreicht. Natürlich ist die Betrachtung im Einzeljahr schwierig, da man hier immer behaupten kann, dass durch den jahresübergreifenden Zyklus von Ramada die Deckung in einem anderen Kalenderjahrhaushalt erfolgt. Mindestens in der Jahressumme sollte aber ein Ausgleich da sein. Die Daten:

Jahr Einnahmen Ausgaben Differenz   %

2004 31.979,23 28.648,11 +3.331,12 +11,6%
2005 33.567,09 38.677,58 -5.110,59 -13,2%
2006 37.150,55 41.704,01 -4.553,46 -10,9%
2007 60.681,62  57.305,72 +3.375,9 +5,9%
2008 57.079,51  62.046,91 -4.967,4 -8,0%
2009 70.488,50  78.866,77 -8.378,27 -10,6%

Insgesamt also ein Verlust von € 16.302,07 oder knapp 6% der Gesamtbilanz (der öffentlichen, versteht sich - mögliche Hotelkommissionen tauchen hier nicht auf).  Das ist ein ganz beachtlicher Schwund von Geldern, die man immerhin einigermaßen kontrollieren kann. Auch von einer jahresübergreifenden Korrespondenz der Einnahmen und Ausgaben kann offenbar keine Rede sein.

Der größte Teil der Verlustes ist in den letzten beiden Jahren aufgetreten. Es ist auch zu beachten, dass im Laufe des Jahres 2007 das Defizit bis auf den Tisch des Präsidiums kam - beim Hauptausschuss wurde lt. Protokoll das Vorjahresdefizit als “eigentlich unglaublich” bezeichnet. Prompt (ob da jemand genauer hingesehem hat?) gab es für 2007 ein Plus - letztmalig. In den beiden folgenden Jahren konnten dann offenbar unbeeinträchtigt zunehmend größere Beträge dem DSB-Haushalt entzogen werden.

Zurück! (IX)

July 28th, 2010

Jedenfalls erst einmal, so zwischendurch.

Was passiert? Was so auffällt:

1. Illu nackt.

Vielleicht hat Illu ja früher was zu sagen gehabt (vielleicht war er schon früher nur einflußarmer Finanzier der Blase von Makro & Co.) - jetzt ist er offensichtlich nur noch Attrappe von Schukow und Dworkowitsch. Verlegung der Kandidatenmatche nach Kasan auf Weisung im gewohnten konzeptionslosen FIDE-Stil.

2. Robi nackt.

Ein Gesprächstermin mit der Nationalmannschaft kam leider nicht zu Stande, weil der Präsident frühestens im Herbst wieder einen Termin für Schach erübrigen kann - so hört man von Jan G. Zwischendurch will er ja auch nur ECU-Chef werden, offenbar auch, ohne sich darum zu kümmern.  Transparenz bringt Sponsoren, lautet das Leitbild seiner Bewerbung. Jedenfalls aber weniger als € 10.000 für das wichtigste Mannschaftsereignis im Schach - da ist wohl entweder die Gleichung noch nicht ganz vollständig, oder die Transparenz im DSB noch nicht viel wert.

3.  Ein Trainer, der nicht trainert, ist eine Träne (und keine wert).

Ungewohnt offen ist derzeit überall nachzulesen, dass der Bundestrainer seine Arbeit nicht macht (etwa auch, dass wie selbstverständlich für das Training der Nationalmannschaft schon in Dresden extra Leute angestellt wurden, und dass dieser Punkt (nämlich die Sondertrainer - dass ein sinnvolles Training mit Bönsch möglich wäre, zog offenbar keiner mehr in Betracht) eine der kritischen Fragen beim Olympia-Eklat waren. Auf weitere Verdienste, etwa im Bereich der Verwandtenbeschäftigung und der Trainerakademie, hatten wir ja schon hingewiesen.

Im übrigen vertreten wir hier seit Jahren, dass Uwe Bönsch fristlos entlassen werden sollte.

4. Kleine Lügen (I)

Doch es fehlen 20.000€, um die Teilnahme der besten Auswahl an der diesjährigen Schacholympiade zu gewährleisten.

Haben Arkadij Naiditsch, Daniel Fridman, Georg Meier und Jan Gustafsson (”unterstützt vom Präsidenten des Deutschen Schachbundes, Herrn Robert von Weizsäcker”) unterschrieben.

Jetzt liest man in SCHACH, dass eigentlich 10.000 € gereicht hätten, und die Summe im Erfolgssinne “bewusst etwas höher angesetzt wurde”. Gustafsson hat offenbar kein Problem mit solchen Statements. Bin ich der einzige?

5. Kleine Lügen (II)

Richtig ist, dass Georg Meier den über drei Jahre laufenden Sponsoring-Vertrag, der ihm Gesamt-Netto-Zuwendungen von 20.2000 € pro Jahr garantierte, nach Ablauf der Saison 2008/2009 mit der einzigen Begründung gekündigt hat, dass die vertraglich festgelegte Beschränkung auf die Teilnahme an nur einer weiteren Liga sein schachliches Fortkommen behindere und er finanziell nunmehr dank der A-Kader-Förderung durch den DSB abgesichert sei.

Das ist nur eines der erstaunlichen Statements von Werders Gegendarstellung zu Georg Meiers Abrechnung mit dem Ex-Verein. Eine finanzielle Sicherung, für die man mal eben auf 20.200 € im Jahr verzichten kann, dürfte so schlecht nicht sein. Trotzdem bedarf sie offenbar einer deutlichen Aufstockung, falls man auch mal was dafür tun soll (wie im Olympiadefall). Hallo? Freilich haben sich Punkte der Darstellung (wie die Bezahlung von Pelletier) als zweifelhaft erwiesen. Bei allen normalen unterschiedlichen Sichtweisen scheint hier doch an mehreren belastbaren Stellen des Rosenkriegs mindestens eine Seite deutliche Gedächtnislücken aufzuweisen.

6. Kleine Lügen (III)

Es gebe aber immer Menschen, die sich nicht an die Spielregeln hielten. [..] Dass “Menschen von oben herunterfallen” sei ein Fall gewesen, der überhaupt nicht in dem Sicherheitsplan vorgesehen gewesen sei, betonte Schreckenberg.

Wir hatten hier schon verschiedentlich auf Entwicklungen in verschiedenen Forschungsgebieten hingewiesen, die einen schleichenden Verlust an Wissenschaftlichkeit bedeuten - insbesondere auch bei Computermodellierern, die de facto nur noch über ihre eigenen Programme und deren In- und Output “forschen”. Die Realität hat sich gefälligst anzupassen. (Wobei sich wohl zusätzlich allmählich herausstellt, dass nicht einmal die Behauptung der “herunterfallenden Menschen”  stimmt.)

Lafcadio Hearn 160

July 27th, 2010

Then Noferkephtah rose up within the tomb, and laughed, saying:

“O Satni, If thou art not afraid, play against me a game for the possession of this book - a game of fifty-two!”

Now there was a chess-board within the tomb. Then Satni played a game of chess with Noferkephtah, while the Kas, the Shadows, the Doubles of Ahouri, and the  large-eyed boy looked on. But the eyes with which they gazed upon him, and the eyes of Noferkephtah also, strangely disturbed him, so that Satni’s brain whirled, and the web of his thought became entangled, and he lost!

Noferkephtah laughed, and uttered a magical word, and placed the chess-board upon Satni’s head, and Satni sank to his knees into the floor of the tomb.

Seltsam an dieser Stelle aus Stray Leaves from Strange Literature: The Book of Toth mag vor allem die zweiundfünfzig anmuten.

Hilaire Belloc 140

July 27th, 2010

This great orator had “castled” as they say in chess, he had put his big fortune into the hands of trustees for his sons so that there was nothing out of which to pay his fines; and as for promising good behaviour, in his letters begging for release he carefully avoided the phrase.

(Aus: Charles the First, King of England.)

André Maurois 125

July 26th, 2010

Le joueur d’échecs, le joueur de bridge ne se bat pas contre l’Univers, mais contre l’intelligence pure. D’où deux éléments de repos: il sait que la perte d’une partie est sans importance, et il sait aussi que les interventions du hasard sont limitées.

(Aus:  Un art de vivre.)

Wladimir Semjonowitsch Wyssozki † 25. Juli 1980

July 25th, 2010

II. Игра

Только прилетели - сразу сели.
Фишки все заранее стоят.
Фоторепортеры налетели -
И слепят, и с толку сбить хотят.

Но меня и дома - кто положит?
Репортерам с ног меня не сбить!..
Мне же неумение поможет:
Этот Шифер ни за что не сможет
Угадать, чем буду я ходить.

Выпало ходить ему, задире, -
Говорят, он белыми мастак! -
Сделал ход с е2 на е4…
Что-то мне знакомое… Так-так!

Ход за мной - что делать!? Надо, Сева, -
Наугад, как ночью по тайге…
Помню - всех главнее королева:
Ходит взад-вперед и вправо-влево, -
Ну а кони вроде - только буквой “Г”.

Эх, спасибо заводскому другу -
Научил, как ходят, как сдают…
Выяснилось позже - я с испугу
Разыграл классический дебют!

Все следил, чтоб не было промашки,
Вспоминал все повара в тоске.
Эх, сменить бы пешки на рюмашки -
Живо б прояснилось на доске!

Вижу, он нацеливает вилку -
Хочет съесть, - и я бы съел ферзя…
Под такой бы закусь - да бутылку!
Но во время матча пить нельзя.

Я голодный, посудите сами:
Здесь у них лишь кофе да омлет, -
Клетки - как круги перед глазами,
Королей я путаю с тузами
И с дебютом путаю дуплет.

Есть примета - вот я и рискую:
В первый раз должно мне повезти.
Да я его замучу, зашахую -
Мне бы только дамку провести!

Не мычу не телюсь, весь - как вата.
Надо что-то бить - уже пора!
Чем же бить? Ладьею - страшновато,
Справа в челюсть - вроде рановато,
Неудобно - первая игра.

…Он мою защиту разрушает -
Старую индийскую - в момент, -
Это смутно мне напоминает
Индо-пакистанский инцидент.

Только зря он шутит с нашим братом,
У меня есть мера, даже две:
Если он меня прикончит матом,
Так я его - через бедро с захватом,
Или - ход конем - по голове!

Я еще чуток добавил прыти -
Все не так уж сумрачно вблизи:
В мире шахмат пешка может выйти -
Если тренируется - в ферзи!

Шифер стал на хитрости пускаться:
Встанет, пробежится и - назад;
Предложил турами поменяться, -
Ну, еще б ему меня не опасаться -
Я же лежа жму сто пятьдесят!

Я его фигурку смерил оком,
И когда он объявил мне шах -
Обнажил я бицепс ненароком,
Даже снял для верности пиджак.

И мгновенно в зале стало тише,
Он заметил, что я привстаю…
Видно, ему стало не до фишек -
И хваленый пресловутый Фишер
Тут же согласился на ничью.

Elias Canetti 105

July 25th, 2010

Seine spielerischen Neigungen, die stark ausgebildet sind, gehen in Glücksspiele und in Schach auf. Auch die antiken Vorbilder tun ihm nicht gut. Er ist zu nackt auf Unsterblichkeit aus, nämlich ohne zu erkennen, daß man alles und alle um einen mitnehmen muss, es ist das Einzige, was diese fragwürdige Leidenschaft rechtfertigt.

(Aus: Die Provinz des Menschen.)

Robert Graves 115

July 24th, 2010

It was not merely shown in his preparations for a climb - the careful examination, foot by foot, of the alpine rope, the attention to his boot-nails and the balanced loading of his knapsack - but also in his cautiousness in the climbing itself.  Before making any move he thought it out foot by foot, as though it were a problem in chess. If the next handhold happened to be just a little out of his reach or the next foothold seemed at all unsteady he would stop and think of some way round the difficulty.

Good-Bye to All That zieht eine weniger verbreitete Parallele zwischen Schach und Bergsteigen.

Olivia Manning † 23. Juli 1980

July 23rd, 2010

Though impatient to gather this new world to him, Guy had to agree he, too, was tired.  The fact bewildered him but on reflection, he said:

“I didn’t go to bed last night. That may have something to do with it.”

“How did you spend the night?”

“David and I sat up playing chess. I wanted to sleep at the flat but David said it’dbe a damntool thing to do, so we went to his room.”

(Aus: Friends and Heroes.)

Wolf von Niebelschütz † 22. Juli 1960

July 22nd, 2010
Die Sarazenen hatten hoch im Gebirge, mitten in tellerflacher, beginsterter Ebene zu Füßen von Wäldern und weißen Schroffen, aus Zelten eine ganze Stadt errichtet, mit Mauern und Zinnen aus Leinwand, mit Palästen aus Teppichen, mit Moscheen, Badhäusern und Brunnen, auf das Kunstvollste gespeist von einem in Kaskaden fallenden Bach und seinen Ableitungen. Musik erscholl, man fand Harem und Gastgeschenke. Der Emir erstattete seinen Besuch im Zelte des Markgrafen. Eine halbe Stunde später ritt der Markgraf aus, dem Emir aufzuwarten; sie spielten eine Partie Schach.

(Aus: Die Kinder der Finsternis.)