Schachprofis, Funktionäre, Leistungssport, Nationalmannschaft (VII) - Sponsoren und Mäzene (II)
Monday, September 6th, 2010Dass die Absenkung der Gelder aus dem Sponsorenbereich vor allem dem Marktumfeld geschuldet ist, wird aus meiner Sicht auch durch die Situation an der Baustelle Schachbundesliga bestätigt. Wir erinnern uns: Vor gar nicht allzu langer Zeit war man dort angetreten, die Liga “von selbstherrlichen Mäzenen unabhängig zu machen und durch gezielte Vermarktung der stärksten Liga der Welt ein nachhaltiges Sponsoring zu generieren.”
(Ich zitiere sinngemäß und aus dem Gedächtnis, weil inzwischen die klassischen Schelz-Brandenburg-Beiträge im Zuge einer Neuorganisation klammheimlich von der Werder-Bremen-Seite verschwunden sind. Große Bitte: Hat die jemand gespeichert? Sie wären zumindest von historischem Interesse, vom Spaßfaktor ganz zu schweigen. Lieber Till, am besten mir schicken, ich leg die dann hier neu auf).
Nun hat sich die Schachbundesliga, bei aller Kritik im Detail, ja an vielen Stellen in den letzten Jahren ehrlich bemüht. Man hat einiges in den Webauftritt gesteckt und mit beachtlichem Zusatzaufwand eine Menge Liveübertragungen realisiert. Für die Interessenten ist dies zweifellos ein Gewinn, für die monetäre Bilanz nicht. Die Liga ist m.W. weit davon entfernt, auch nur die Zusatzkosten für das Marketing wieder einzuspielen, obwohl viele Leute einiges Herzblut und unentgeltliche Arbeit hineinstecken.
Auch hier: Sponsoren sind dünn gesät, weil sie eben keinen Mehrwert sehen. Schach ist, das wird von Optimisten wie Pessimisten gleichermaßen betont, ein Internetbusiness, wenn man denn überhaupt ein Business draus machen kann. Im Internet ist es aber zunehmend hart, Geld zu verdienen. Selbst ganz andere Mitspieler können das nur durch riesige Skaleneffekte erreichen. Wer heute etwa die Schachbundesliga im Netz vermarkten will, müsste in eines der wenigen Portale hineinkommen und entsprechende Zahlen vorweisen. Diese sind aber einfach zu niedrig (dass alexa hier angeblich sogar derzeit eine geringere Nutzung von schachbundesliga.de als von rankzero behauptet, zeigt zwar wieder einmal, welchen Schrott alexa misst, aber nach solchen Schrottstatistiken wird ja oft genug entschieden).
Diese Entwicklung könnte sich natürlich etwas umkehren, wenn etwa Carlsen ansatzweise Fischer-Effekte generieren könnte. Momentan scheint eher die (auch in anderen Bereichen zu beobachtende) Entwicklung typisch zu sein, dass es Sponsoren (wie bei Carlsen Jeans-Modeling) nur für die dünne Spitze gibt und im Zweifel eher in der Breite gekürzt wird. Der deutschen Nationalmannschaft gebe ich wie der deutschen Bundesliga wenig Chancen. Ein Glück für das Schach, dass es noch Mäzene gibt, die sich trotz der harschen Abschiedskundgebungen weiter engagieren.