Mit zwei Nullen am ersten Brett ging es für mich in die laufende Saison (kein ganz überraschendes Ergebnis), zum Glück dank einer starken Hintermannschaft weitgehend folgenlos (mit den 3:1 Punkten war gegen die nominell stärkeren Rüdersdorfer & Tegel vorher kaum zu rechnen). Für einen ausgesprochenen Mannschaftsspieler ist ein solcher Fehlstart (immerhin einmalig in den letzten zehn Jahren) trotzdem analysebedürftig, und neben konkreten Zeitnotfehlern schälen sich recht klar Umstellungsschwierigkeiten auf die verkürzte Bedenkzeit heraus. Insbesondere die zweite Partie mag ein Anhaltspunkt dafür sein, in welche Richtung das Schach durch die Reformen gedrängt wird.
Teschke, O - Breier, A; OLNO 2009/10
Hier war zuletzt auf 10. h3 (eine ziemlich normale Stellung) fast ohne Nachdenken (< 1min) Sb6? gefolgt - ein ziemlich harter Zug, der letztlich den Sieg in der Partie bedeuten sollte. Rein logisch kann man nachvollziehen, dass man zunächst den Lc4 zu einer Entscheidung zwingen will, bevor man selbst den Lg4 rückt. Dennoch geht man mit dem Zug ein höchst konkretes Verlustrisiko ein, das im Guten nicht in ein paar Sekunden abzuschätzen ist.
Weiß hat hier die Möglichkeit, dem Gegner zu glauben und den Lc4 zurückzuziehen - vielleicht die praktisch sinnvollste Lösung. Dann könnte man (nach meiner sehr privaten Schachauffassung) allerdings auch gleich mit dem Spielen aufhören.
Oder aber man nimmt sich eben die Zeit - von der man zu diesem Zeitpunkt aber nun mal fast eine halbe Stunde weniger hat (da nützt auch das Inkrement nicht). Spätestens mit weniger als 40 min auf der Uhr sah ich mich dann zu einer Entscheidung gezwungen, wenn man den Rest nicht herunterblitzen will - dabei hätte die Stellung wohl auch mehr als eine Stunde Überlegung gut vertragen.
Der gewählte Zug ist subjektiv durch den Wunsch beeinflusst, eine längere forcierte Zugfolge zu wählen (unbewusst tickt das Inkrement mit!), um nicht eine “normale” Stellung mit großer Zeitvorgabe spielen zu müssen. Die entstehende Position sieht gut aus, ist aber nur ausgeglichen. Objektiv ist es die falsche Wahl:
11.hxg4? Sxc4 12.g5 Sxe3 Erzwungen. 13.fxe3 (Tricks wie 13. Db1? müssen berechnet werden, bringen aber nichts) Sd5 (Weniger gut ist 13…Sg4 14.Dd3 g6 15.De4) 14.Dd3 g6
15.De4?! Zu sehr in Analogie zu der 14….Sg4-Variante gespielt, die einen Gutteil der Vorausberechnung ausmachte. Der Schwenk auf die h-Linie ist optisch verlockend, aber 15.Se4! mit mindestens leichtem Vorteil ist deutlich besser. 15…Sxc3 16.Dh4 h5 17.bxc3 Dd7!
Den letzten Zug hatte ich unterschätzt - Schwarz muss gar nicht weiter auf g5 drücken, Se5 ist nicht tödlich. Der Angriff läuft ins Leere 18.De4? Danach gerät Weiß schnell in Nachteil und stellt es in Zeitnot ein. Richtig wäre 18.0-0 mit ungefährem Ausgleich.
Was aber wäre richtig gewesen? Besser als der nur optisch aktive h-Linienangriff ist das ebenfalls berechnete
11.Lxf7+! Txf7 12.hxg4 Sxg4
13.Se5! Ebenfalls meine Hauptpräferenz - schließlich ist nach 13….Sxe5 14. dxe5 das mögliche Endspiel klar besser für Weiß. Aber 13….Sxe3 14.fxe3 konnte ich nicht abschließend bewerten, (natürlich nicht 14.Dh5?). Hauptvariante wohl 14…Lh4+ 15.Kd2 Tf2+ 16.Kd3
Wenn es auf dem Brett steht, sieht man wohl eher, dass hier nur der schwarze König Probleme hat - es droht Db3+. Am besten noch 16…c5 17.Db3+ c4+ 18.Sxc4 Sxc4 19.Dxc4+ Kh8 20.Db5
Ob ich es bei Normalbedenkzeit gesehen hätte? Wohl eher nicht, da bin ich doch zu schwach. Die Minuten für die Entscheidung hätte ich aber doch gerne gehabt. In Zukunft werden wohl jedenfalls häufiger die Partien so entschieden werden.
Bleibt als subjektives Gefühl: Man fährt als Amateur zwar dieselben Entfernungen und opfert den Sonntag, darf aber weniger Schach spielen (von in Zukunft vielleicht mehr kampflosen Partien durch sinnnlose Null-Toleranzregeln ganz abgesehen). Warum sollte man daran interessiert sein?