Archive for the 'From Tasmania with love' Category

Endstand deutsche Deutsche Bundesliga (III)

Monday, March 30th, 2009

1. TV Tegernsee 45 (76)

2. SC Kreuzberg 42,5 (85)

3. Hamburger SK  42 (97)

4. Schachfreunde Berlin 38 (98)

5. OSG Baden-Baden 31,5 (41)

6. Bayern München 33,5 (90)

7. SV Wattenscheid 30 (64)

8. SG Aljechin Solingen 26 (58)

9.-10.  SF Katernberg 24,5 (53), USV TU Dresden 24,5 (109)

11. SV Mülheim-Nord  23 (31)

12. SC Remagen 17,5 (33)

13.-14. Werder Bremen  16 (27), SK Turm Emsdetten 16 (43)

15. SC Eppingen 13,5 (38)

16. SG Trier 7,5 (25)Zum dritten Mal die Statistik der eingesetzten deutschen Spieler mit ihren Ergebnissen. Im Vergleich zum Vorjahr  fallen insgesamt erhöhte Einsatzzahlen auf, was auch Mannschaften wie München und Dresden zu verdanken ist. Baden hat dagegen die Einsätze wieder zurückgefahren und kann seinen 1. Platz vom Vorjahr nicht behaupten.

Tegernsee mit einer glänzenden Abschlusssaison und verdientem Sieg in dieser Wertung. Wie Bayern und Dresden werden sie im nächsten Jahr nicht dabei sein.

Unabsteigbar (II)

Sunday, March 29th, 2009

Vielleicht aus gutem Grund hält die Schachbundesliga kein Archiv ihres Livetickers vor. So kann ich leider nicht darauf verweisen und muss mich darauf verlassen, dass sich genug Leute daran erinnern, dass schon im Liveticker am Samstag der Ticker der Schachfreunde Berlin ihrer 2. Mannschaft zum Aufstieg gratulierte. Offenbar wusste man schon vor der letzten Runde, dass man in der Liga bleibt.

Trier muss ebenfalls gewusst haben, was los ist - ansonsten ist die unglaublich schwache Aufstellung in einem entscheidenden Kampf kaum zu erklären.

Unabsteigbar

Thursday, March 19th, 2009

Der Mannschaftsführer des TV Tegernsee Horst Leckner hatte vor der Saison den Rücktritt seines Teams aus der Schachbundesliga angekündigt. Nach der für seinen Verein sporltich hervorragend verlaufenen Saison wurde aus dem Umfeld des Vereins aber der Wunsch geäußert diesen Rücktritt zu überdenken. Bei einem Rückzug vom Rückzug, wie die Schachbundesliga berichtete, hätte sich die Situation im Abstiegskampf aber plötzlich zu Ungunsten einiger Vereine verändert. Herr Leckner erklärte sich deswegen vor den entscheidenden Kämpfen der letzten Runden bereit für Klarheit zu sorgen und gab nun endgültig den Rückzug des TV Tegernsee nach der Saison 2008/09 bekannt.
[..]

Die Schachbundesliga dankt Horst Leckner für diese sportlich faire Entscheidung und wünscht ihm alles Gute für die Zukunft.

Wir wissen nun, dass nach Version der Schachbundesliga sportlich fair bedeutet, dass sportlich abgestiegene Vereine nicht absteigen. Aber wäre es nicht einfacher, fest in der Satzung zu verankern, welche Vereine prinzipiell nicht absteigen dürfen? Dann müsste man zumindest nicht - wie die ominöse “Bereiterklärung” nahelegt - Druck auf eigentlich spielbereite Vereine ausüben, sich aus der  Liga zurückzuziehen.

Noch einer geht (II)

Friday, February 27th, 2009

Wir haben unsern Spaß mit Till gehabt - was wohl auch umgekehrt der Fall war. Schon deshalb ist es angebracht, seinem Abgang von der Bundesliga-Bühne ein paar Worte nachzusenden, und tatsächlich ist auch einiges Bedauern mit dabei.

Natürlich könnte man sich wünschen, es wäre früher passiert, ehe die halbgare Ausgründung der Schachbundesliga auch durch seinen Aktionismus zum mit heißer Nadel gestrickten faulen Kompromiss geriet. So wirkte es am Ende schon komisch, wenn er Veränderungen einforderte, die man - wenn überhaupt - bei der e.V.-Gründung hätte festschreiben müssen, da sie (Beispiel: Zwangsrelegation sportlich abgestiegener Mannschaften auch bei Rückzug anderer) natürlich nie die Mehrheit der abgeschottenen Oligarchie der Legionärsvereine finden würde, die sich ja gerade im Interesse zusammengefunden haben, sich in der Bundesliga möglichst komplett gegen echte sportliche Konkurrenz abzuschirmen. Was übrigens auch das Bestreben Bremens war, nur eben in einem noch kleineren Kreis (der immer wieder in die Diskussion gebrachten 10-12 Mannschaften, dann praktisch komplett mit eingeflogenen Spielern).

Die Widersprüchlichkeit zwischen dem Bremer Machtanspruch und dem Bestreben, ihm den Mantel der Sinnhaftigkeit (auch im Sinne der Schachvermarktung) umzuhängen, führte immer wieder zu höchst lustigen Verrenkungen. Das Schauspiel eines Möchtegern-Diktators, der trotzdem immer für sich die Opferrolle beansprucht, konnte sich schon fast an historischen Vorbildern messen lassen - mit einem echten Glanzpunkt am Ende, wo das tapfere Bremen im wieder modischen Antikapitalismus gegen die böse Verschwörung der British Airways kämpft. (Der Antikapitalismus unseres Altmaoisten reichte freilich nicht soweit, die dauernde Glorifizierung des Investmentzockers aus den berüchtigten Kreisen der Londonern Finanzspielerszene am 2. Brett etwas abzumildern - was die Gier des Berufsstandes auch angerichtet haben mag, der gehört zur Bremer Familie).

Wohlgemerkt, es war dasselbe Bremen, das im Rahmen der “Professionalisierung der Bundesliga” immer wieder die Vereine festlegen wollte, die Aufstellungen schon vorher verpflichtend bekanntzugeben (und zur aktuellen Runde auch damit protzt - freilich mit dem Hintertürchen, dass die Aufstellungen durch “höhere Gewalt” beinflussbar sind, m.a.W., man kann im Zweifel doch ungestraft machen, was man will). Man stelle sich einmal vor, ein anderer Verein als Bremen würde nach Einrichtung so einer Regel dann im Nachhinein anders aufstellen wollen und dies mit Überbuchungen bei BA begründen. Der hätte sich aber etwas anhören können für seine unprofessionelle Planung!

So gesehen, also ein passender Abschluss. Auch die Bilanz ist trotz eines Meistertitels 2005 höchst durchwachsen - die Substanz des Vereins Werder Bremen ist nämlich sehr geschrumpft, was sich am deutlichsten am Absturz der 2. Mannschaft (dem ewigen Zweitligisten droht momentan der Abstieg aus der Oberliga) zeigt. Dass die Abkopplung einer reinen Legionärstruppe auf Dauer einen Verein kaputt macht, hätte man aus vielen Vorbildern lernen können. Dieses Modell in Verkennung und Überschätzung des Marktpotentials der gesamten Schachbundesliga überstülpen zu wollen, begründet auch ein Stück persönliche Verantwortung nicht nur vor dem eigenen Verein.

Dennoch hat man wohl den Einfluss Schelz-Brandenburgs überschätzt. In der Gründungsphase des Schachbundesliga e.V. hörte man oft “Zickelbein ist ja lieb, aber nur eine Marionette, die auf Bremer Weisung handelt.” Dahinter stand natürlich auch die Furcht vor der berüchtigten Werder-Rechtsabteilung, die ja am liebsten die Bundesliga-Klauseln persönlich maßschneidern wollte. Viele ahnten freilich, dass Till bei größerer Macht weniger öffentliche Ratschläge gegeben hätte. Die Entwicklung nach der e.V.-Gründung glich dann dem Märchen von des Kaisers neuen Kleidern. Insofern waren manche Ängste wohl unbegründet.

Die größte Ironie des schel(z)ligen Abgangs bekommt man aber wohl mit, wenn man noch einmal sein Nachkarten im Fall Porz vor zwei Jahren liest (dies auch zur Beantwortung der Frage, ob er hier etwas mehr Schonung verdient hätte). Es schließt mit einer Breitseite gegen Schachmäzene:

Als Fazit bleibt: Vereine, deren Bundesliga-Engagement einzig von einem Geldgeber abhängig sind, leben selbst bei größten Erfolgen gefährlich. Und es ist ja gerade das zumindest mittelfristige Ziel der Umstrukturierung der Liga, diese persönlichen Abhängigkeiten mithilfe von Werbeeinnahmen zu mildern, idealiter ganz überflüssig zu machen. Dann ist auch im Bundesliga-Schach für Sonnenkönige kein Platz mehr.

Wir wollen jetzt gar nicht analysieren, wer sich mal wie als Sonnenkönig in der Liga aufgeführt hat, wohl aber, was mutmaßlich letztlich zum Rücktritt führte. Dies waren nach dem, was man liest, vor allem interne Entwicklungen im Gesamtverein Werder. Nun ist die Situation bekannt: Werder (Schach) ist total abhängig von Werder (Fußball), und letzterem geht es nicht gut, selbst wenn man mal ein Unentschieden in Mailand schafft. Finanziell ist das Modell des Vereins faktisch darauf angewiesen, regelmäßig (mindestens alle zwei Jahre) Champions League oder Vergleichbares zu schaffen. Das wird nun auf absehbare Zeit so nicht mehr funktionieren, einfach weil die Leistungsdichte bei Fußball-Bundesligavereinen der Bremer Kragenweite zu groß ist. Ironischerweise war es gerade der Mäzen-Verein Hoffenheim, der hier die Struktur endgültig aufmischte und den Sargnagel in die Bremer Ambitionen schlug.

Als Fazit bleibt: Schachvereine, die von der Gnade von Fußballern abhängen, leben selbst bei größten Erfolgen gefährlich.

Hinzu kamen auch ein paar handwerkliche Fehler wie die sinnlose Verpflichtung von Mamedscharow, die ihm früher nicht passiert wären. Teuer und dabei zu wenig, um Baden zu gefährden - für den Kampf um die Plätze aber nicht effizient genug, zumal man dadurch sehr gut scorende, ligaerprobte hintere Bretter aus der Mannschaft drängte. Zuletzt war da nicht mehr ganz die glückliche Hand, und dem Mannschaftgeist tut allzu blindes Hinterherrennen hinter dem Meistertitel wohl auch nicht gut.

Zum Schluss aber noch eine Kehrtwendung und ein positives Resümee: Wir werden TSB dennoch vermissen. Nicht nur wegen seines Unterhaltungswertes, auch als Gegengewicht. Man hat ihm etwa m.W. nie vorgeworfen, sich am Schach persönlich bereichern zu wollen - angesichts mancher Fälle im Schachbund ist es eine höchst wertvolle Qualität, sich unbestechlich und mit Herz für das Schach einzusetzen. Gegen die Schulz-Cliquen stand er auf der anderen Seite. Und letztlich öffnet er womöglich auch noch mit dem Abgang zum rechten Zeitpunkt den Porzern ein argumentatives Türchen zum Rücktritt vom Rücktritt.

Daumendrücken für Zehlendorf I

Tuesday, December 16th, 2008

Wer schon immer mal die positiven Impulse der Schachbundesliga e.V. auf die Schachvereine beobachten wollte, wurde am Sonntag fündig. Bekanntlich hat ja der e.V. sich die “Vorbildfunktion der 1. Schach-Bundesliga für das gesamte Schach in Deutschland” in die Satzung geschrieben. Wer könnte hier besser nach unten ausstrahlen als das letztjährige Mitglied SK Zehlendorf, das in den letzten drei Saisons schon zweimal  im Stahlbad der Schachbundesliga gehärtet  und als Mannschaft geformt wurde.

Das Ergebnis spricht für sich:

SC Neukloster    8 - 0 SK Zehlendorf   
1 Rasmussen,All 1 : 0 Meister,Jakob  1
2 Shvartz,Myros + : - Zezulkin,Juri  2
4 Seres,Lajos   1 : 0 Lieb,Harald    8
5 Hoi,Carsten   + : - Brodowski,Pio  9
7 Bromann,Thorb 1 : 0 Rahls,Peter   10
8 Jasnikowski,Z 1 : 0 Kalabic,Faris 12
10 Reichmann,Hen 1 : 0 Liedmann,Matt 15
16 Pachow,Jörg  1 : 0 Floeel,Helmut 16

(Ein lustiger Nebeneffekt ist, dass die beiden kampflosen Punkte ausgerechnet von zwei Legionären kamen, die im letzten Jahr noch für Neukloster spielten.)

Trotz des leichten Rückschlags  kann Zehlendorf immer noch aus eigener Kraft aufsteigen, da ja Neukloster bekanntlich schon verzichtet hat. Ich drücke jedenfalls die Daumen - der Wiederaufstieg ist der Truppe unbedingt zu wünschen. Es besteht sonst die Gefahr, dass sich die Vorbildfunktion der 1. Schachbundesliga derartig verbreitet, dass die  deutschen Amateurvereine  die postiven Effekte einfach nicht mehr aushalten können.

Dann doch lieber Vereine wie Zehlendorf schnell nach oben entsorgen. Zum Glück gibt es für solche Mannschaften immer noch den Mülleimer “1. Liga.”

Es steht ein Stand auf dem Flur (II)

Monday, November 24th, 2008

Die Quadratmeterpreise für Stände bei der Dresdner Olympia betragen offiziell 240€, was selbst bei kleineren Flächen ganz schön ins Geld gehen kann. Um so interessanter ist natürlich zu wissen, wer eigentlich was bezahlt. Leider stößt man gleich wieder auf die bekannten Probleme im Schachbund: Ist es nun ein Schachbund-, Chessbase- oder gar Schachbundesligastand?

Kurioserweise kam der erste Hinweis, den ich dazu  gelesen habe, von der Schachbundesliga:

Vom 12. bis 25. November findet die Schacholympiade in Dresden statt. 74 der 272 in der Schachbundesliga gemeldeten Spieler werden daran teilnehmen. Außerdem wird sich die Schachbundesliga mit einem Stand bei diesem Großereignis präsentieren.

wurde fett  und dreist getitelt, um dann weiter unten festzustellen, dass es ja eigentlich doch gar keinen Schachbundesligastand gäbe, sondern man sich beim Deutschen Schachbund anheftet (hier der komplette Bericht). Dessen Stand, man ahnt es schon, ja auch gar kein richtiger Schachbund-Stand ist, sondern den man sich mit Chessbase teilt (passt ja auch,ein großer Teil der Schachbund-Aktivitäten läuft ja ohnehin auf verdecktes Chessbase-Marketing hinaus).

Damit ist es vermutlich wieder mal ziemlich aussichtslos, festzustellen, wer eigentlich was wirklich bezahlt hat. Aber zumindest dass sich die Privatliga so ohne weiteres dranhängen konnte, wirft doch die einfache Frage auf:

Was für Leistungen sollen denn bitte die Beitragszahler  für die aus eigenem, freiem Willen abgespaltene Profiausgründung noch schultern? Die Schachbundesliga kann ja gerne der Meinung sein, alleine manches besser hinzubekommen. Immerhin haben ja zumindest einige Vereine auch finanzkräftige Mäzene im Rücken. Nur sollte auch klar sein, dass man als Spielwiese der Privatvereine von Millionären oder anderen Trägern, die mehrheitlich der Organisation des Spielbetriebs eingeflogener Billigausländer dient, keine öffentliche, gemeinnützige Aufgabe erfüllt. Es ist ein Unding, wenn einerseits für die Spieler zehntausende in der Saison ausgeworfen werden, aber sich bei solchen Dingen wie der Olympiadepräsentation doch wieder gerne an den Rockzipfel des Schachbunds hängt.

Ihr habt, was ihr wolltet - die erste Liga ist privatisiert und sollte ja  “professionalisiert” werden. Bitte, dann macht das mal und zeigt, was ihr könnt. Aber dann auch wirklich selbständig.

Nur mal nachgefragt…

Saturday, October 11th, 2008

…in der Satzung der Schachbundesliga e.V. steht u.a. folgende Passage:

Der Turnierleiter ist berechtigt, gegenüber den Mitgliedern folgende Geldstrafen für jeden Verstoß festzulegen: [..]
d) Sofern einzelne Spielbedingungen (einschließlich einer etwaigen Verpflichtung zur Live-Übertragung) nicht den Erfordernissen der Turnierordnung entsprechen: Geldstrafe von 50,00 € bis 500,00 € je Verstoß und Wettkampftag.

Nun war ja am Wochende an sowohl zur 1. als auch zur 2. Runde in Hamburg die Live-Übertragung zusammengebrochen und längere Zeit nicht benutzbar [dass das Marketing von einer erstmalig gelungenen ligaweiten Übertragung redet, ist freilich nicht nur deshalb eine Lachnummer - auch früher gab es doch wohl schon Wochenenden, wo alle Ausrichter die Sache in eigener Regie auf die Beine gestellt haben, und z.T. ohne solche Hänger wie in Hamburg; aber naja - Marketing ist halt Marketing].

Zum Zwecke der Transparenz wäre es doch (auch für Vereine, die das finanzielle Risiko “Privatliga” abschätzen müssen) schön zu wissen, in welcher Höhe die Hamburger Strafe für den Verstoß gegen die Erfordernisse ausgefallen ist. Eine Zusicherung, dass auch bei anderen Vereinen die gleiche Meßlatte bei einem Übertragungszusammenbruch angelegt würde, wäre natürlich noch schöner.

Sweet Defeat (I): Viel Rückenwind gegen Rüdersdorf

Tuesday, October 7th, 2008

Auch in diese Saison bin ich mit einer vermeidbaren Schwarzniederlage gegen einen nominell stärkeren Gegner gestartet. Aber im Unterschied zum letzten Jahr, wo wir gegen den späteren Zweitligaaufsteiger Oberschöneweide eine klare Niederlage einstecken mussten, gab es diesmal einen wertvollen 4,5:3,5 Auswärtssieg - so dass die Einzelnull nicht so tragisch ins Gewicht fiel.

Ein wertvoller Sieg nicht nur, weil unser Gegner die vermutlich stärkste Mannschaft war, die der Greifswalder SV bisher geschlagen hat - wertvoll auch deshalb, weil Rüdersdorf der Typ von Mannschaft ist, den man möglichst aus den Ligen entsorgen möchte. Die ersten 8 Bretter:

1 Moranda,Wojchiech POL 2533
2 Kanarek,Marcel POL 2349
3 Mickiewicz,Piotr POL 2347
4 Wlodarczyk,Oskar POL 2325
5 Maniocha,Andrzej POL 2286
6 Sroczynski,Maciej POL 2189
7 Becker,Nils GER 2120
8 Rutschke,Bernhard GER 2090

Tatsächlich konnte man in den letzten Jahren am Beispiel von Rüdersdorf geballt sehen, woran Schach hierzulande krankt. Da wurde viel öffentliches Geld für Strohfeuer verbraten, ohne dass sich nachhaltig wirksame Strukturen herausbildeten. Manches lief über die unergründlichen Wege der “Jugendförderung” von LSB oder DSJ (der Verein bekam 2001 auch das “Grüne Band” für Jörg-Schulz-Nähe “vorbildliche Talentförderung”), auch die etablierten Trainernetzwerke der Aus- und Weiterbildungsmaschine wirkten nach Kräften mit (so dass sich nebenbei auch ein paar zweifelhafte Normen f�r den Nachwuchs und gute Kontakte nach Polen ergaben). Zumindest letztere sind erhalten geblieben.

Ein für solche Vereine leider typisches Phänomen gab es dann Ende des Spieljahres 06/07: Rüdersdorf zog - offenbar nach dem Austrocknen einiger Finanzquellen, nachdem man sich rein zur Show noch einen Kortschnoi an 1 geleistet hatte - die erste Mannschaft nach Meldeschluss zurück, so dass 07/08 die 2. Bundesliga Nord mit neun Mannschaften spielen musste. Das seltsame Regelwerk des Schachbundes ahndet derlei Unsportlichkeiten freilich kaum: Normalerweise müsste ja wenigstens nach solchen Aktionen die betreffende Mannschaft komplett gestrichen werden (mir scheint sogar ein mehrjähriger Ausschluss des Vereins von überregionalen Wettbewerben angemessen), aber Rüdersdorf I wurde einfach wie ein normaler Absteiger behandelt, durfte ein Jahr lang Gelder etc. sparen, um nun wieder in der Oberliga mit obigem Stamm anzutreten.

Dass man solche kranken Mannschaften ohne lokale Anbindung aus dem normalen Spielbetrieb loswerden möchte, ist klar. Seit diesem Jahr gibt es ja die Möglichkeit, sie als Abfall auch nach oben zu entsorgen - in die privatisierte Bundesliga, die ohnehin größtenteils aus reisenden Söldnertruppen besteht. Weil im e.V. aber nur 16 solcher Vereine Platz haben, muss man bestrebt sein, den Rest anderweitig loszuwerden - am Besten eben, indem man die meist überhöhten Erwartungen an die bezahlten Legionäre dämpft, sie niederkämpft und Aufstiege verhindert - die Geldgeber wenden sich schließlich oft ab, wenn die schnellen Erfolge ausbleiben (wenn man an langsamer und nachhaltiger Entwicklung interessiert wäre, würde man ja anders vorgehen).

Ganz allein hätten wir es aber, da müssen wir realistisch bleiben, nicht geschafft. Zum Glück wurden die alteingesessenen Greifswalder Spieler von zwei schwedischen Freunden unseres Lunder Partnervereins unterstützt, und Adrian aus Swinoujscie kurz hinter Greifswald rundete die Ostsee-Connection ab. Die drei Gastspieler sind schon eine äußerste Grenze für uns, auch wenn wir ja zumindest zu den Lundern alte Partnerschaften pflegen. Die drei Gastspieler waren jedenfalls bitter nötig, um wenigstens ungefähre Chancengleichheit herzustellen - ohne sie wären wir chancenlos gewesen. Axel, Micke und Adrian holten am Ende 2,5/3 Punkte gegen nominell stärkere Gegner und machten damit auch die eher durchwachsene Leistung an den hinteren Brettern wett, wo eher mehr als lauter Remisen erwarten hätten. Tatsächlich war es wohl ganz gut, dass ich mich nach dem einzügigen Einstellen meiner Gewinnstellung als Letzter durch einen verlorenen Fünfsteiner quälte - so konnte mich weniger mit Brett 1 und insbesondere Brett 7 befassen, wo ein paar Wunder passieren mussten, damit am Ende die entscheidenden halben Punkte standen. Vermutlich wäre ich bei Live-Betrachtung Jahre gealtert…

Jedenfalls regnete hier am Ende das ausgleichende Glück förmlich herunter und spülte die fehlenden halben Punkte an. Ein erneutes Rüdersdorf in der 2. Liga dürfte damit verhindert sein. Allerdings bin ich überzeugt, dass hier nicht nur das klassische Glück der Tüchtigen wirkte, sondern vor allem die guten Wünsche, die wir am Freitagabend beim Weiße-Dame-Schnellturnier mit auf den Weg bekamen. Obwohl wir als Nicht-Berliner Gäste nicht unbedingt mit lokaler Unterstützung rechnen konnten, bekamen wir praktisch einhellig ein Daumendrücken gegen Rüdersdorf auf den Weg. Und dieser Konsens gegen eine gewisse Art von Mannschaften ist dann doch ein gutes Zeichen für das Schach.

Blick übern Ghettozaun (III): Wie war das mit der Professionalisierung?

Sunday, September 28th, 2008

“Professionalisierung” versprach der e.V. vor nunmehr zwei Jahren bei der Gründung. Manch Zyniker spottete damals schon, dass damit vor allem gemeint sei, dass in den Mannschaften nur noch Profis spielen würden. Das ist natürlich nicht ganz richtig, zumal der Profistatus gar nicht vernünftig geklärt ist. Oft genug sind die Osteuropäer (und auch Deutsche!) Halbprofis, bei denen man lieber nicht genau hinschaut, wie es um die steuerliche oder versicherungstechnische Behandlung der Partiebezahlung steht.

Professionalisierung würde wohl heißen, dass einmal der Profistatus sauber definiert wird und eine transparente Lizensierung von Mannschaften (mit Haushalt, Garantien und zumindest einer Verpflichtung auf Verzicht verdeckter Zahlungen) erfolgt.

Natürlich haben wir jetzt alle mal kräftig gelacht, wenn wir uns vorstellen, dass das im e.V. jemand umzusetzen versuchen würde.

Zentrales technisches Symbol der Professionalisierung sollte die Liveübertragung sein. Hier gab es einen beachtlich kühnen Ansatz mit einer Ausschreibung vom 21. Mai. Bald wurde freilich klar, dass man sich hier verhoben hatte. Lange war gar nichts davon zu hören, dann wurde nebenbei bekanntgegeben, dass sich fast gar nichts ändert -

Wie bisher werden einige Vereine die Liveübertragung vor Ort selber organisieren, andere Vereine werden die Hilfe externer Dienstleister in Anspruch nehmen.

war plötzlich zu lesen. Dass damit die Rechtfertigung einer zentralen Ausschreibung und einer der Hauptvorwände zur e.V.-Gründung völlig gegenstandslos wurde, überging man leicht - es sei hier aber doch noch einmal explizit auf diese Pleite hingewiesen.

Nach wie vor kommt ein Verein am kostengünstigsten weg, wenn er nicht live überträgt. Er muss jetzt freilich Strafgeld an den Vorstand abdrücken. Dies trifft nur die Amateurvereine. Natürlich sehen Satzung oder Ordnung in keiner Weise vor, dass die gemeinsame Aufgabe “Liveübertragung” solidarisch erledigt wird und hier die finanzstarken Vereine den anderen behilflich sind, im Gegenteil - es findet eine Umverteilung von unten nach oben statt (da ja die Platzhirsche voraussichtlich im Genuss der an den e.V. gezahlten Strafgelder bleiben).

Professionalisierung, wie gesagt.

Wir erlauben uns noch einen Blick auf die Ligaseite, wo ja die Übertragungen “gebündelt” werden sollen und die “zentraler Anlaufpunkt für die Vermarktung” sein soll. In der Tat ist es beachtlich gelungen, wenigstens ein Werbebanner eines Schachversands zu akquirieren (die Partnervermittlung scheint schon wieder abhanden gekommen zu sein, naja, Schachspieler sind halt auch nicht so sexy).

Ansonsten ist es freilich dürftig. Die uralten Schachbund-Seiten bieten immer noch mehr Informationen, nämlich z.B. über zurückliegende Spieljahre. Die News sind der 100-ste Aufguss der üblichen Tickermeldungen, wobei es freilich immer besonders lustig ist, wenn irgendwelche Spieler in den Ergebnissen formal Mannschaften der Liga zugeordnet werden, obwohl klar ist, dass die Identifikation meist gleich null ist. (Leider ist gerade das Archiv zusammengebrochen und reicht nur bis zum 27.7.2008, daher kann ich ein paar besonders absurde Beispiele nicht mehr verlinken).

Höher ist der Unterhaltungswert der spezifischen Berichte. Am schönsten freilich die Links - wenigstens dort ist dann doch noch etwas Historie vorhanden, etwa, wenn Bindlach, Godesberg, Erfurt und Zehlendorf noch als Bundesliga-Vereine verlinkt sind.

Professionell, wie gesagt. Immerhin hat man inzwischen den Punkt “Über die Liga” nach zwei Jahren wieder einmal aktualisiert - nachdem dort die ganze letzte Saison die SF Berlin als (angeblicher reiner Amateur- :D ) Bundesliga-Verein firmierten. Aber die sind ja nun auch wie geplant wieder drin, wenn auch der Schiedsrichter kräftig mithelfen musste. Schiedsrichter: dies übrigens auch ein Punkt, wo die Professionalisierung scheinbar auch noch nicht so recht gegriffen hat - zumindest liest man die gewohnten Namen, obwohl einige Entscheidungen der letzten Spielzeiten deutliche Kritik hervorriefen. So bleibt die Hoffnung, dass durch die (in der Tat positive) neue Bedenkzeitregelung diese weniger in Aktion treten müssen. Dass dies allerdings den Apparat der Privatisierung rechtfertigt, wird sich eher wenigen erschließen.

Blick übern Ghettozaun (II): Schachbundesliga 08/09 - Champion by calendar

Sunday, September 28th, 2008

Nachdem nun der Abstiegskampf  aus sportlicher Sicht nicht mehr existiert - bietet nun zumindest der Meisterschaftskampf eine spannende Alternative?

Ja und nein. In der Tat ist kann die Sache wieder spannend werden. Zwar ist nach Papierform Baden wieder klar favorisiert, aber eben nur, wenn man viele Spitzenbretter auffährt. Nun sind aber Top-Leute inzwischen eher ein Wettbewerbsnachteil in einer Liga, die von zweit- und drittklassigen (und daher leicht verfügbaren) Legionären dominiert wird. Der  Turnierkalender der Top 50 ist dagegen viel dichter geworden. Die Notverlegung in der letzten Saison, ohne die man kampflos Punkte hätte abgeben müssen, war ein deutliches Symptom. Zwar hat man inzwischen für die Platzhirsche ein paar Privilegien eingebaut, wie die Aufstockung der Meldepositionen und eine höchst merkwürdige Verlegungsoption von Kämpfen (mehr dazu in einem späteren Beitrag zu Satzungen und Ordnungen). Man wird damit sicher auch das offenbar beabsichtigte Ziel erreichen, dass gesunde, zusammengewachsene Mannschaften mit festem deutschem Stamm noch chancenloser sein werden als bisher - war ja schon frech genug, wie Erfurt im letzten Jahr dazwischenschoss (aber die haben sich ja freiwillig verabschiedet).

Aber trotzdem ändert dies nichts daran, dass die Meisterschaft zwischen Baden, Bremen und evtl. Mülheim vor allem von dem Kalender der großen Turniere entschieden wird. Die größte Ironie wäre es natürlich, wenn der Absteiger der vorletzten Saison Mülheim Meister würde, der nur durch das Vergraulen von Porz drin blieb und sich der Liga seither durch Radikalabschaffung des deutschen Stamms angepasst hat.
Mülheim ist tatsächlich ein für alle Vereine warnendes Beispiel, welche Eigendynamik für gewöhnlich eine Vernichtung der Vereinsanbindung einer Mannschaft hat. Im letzten Jahr war noch die Rede davon, dass man die deutlichen Verstärkungen eigentlich nur für den Wiederaufstieg geholt hätte. Nun, der Klassenerhalt wäre jetzt überhaupt kein Thema - man würde ihn problemlos mit derselben Mannschaft wie vor zwei Jahren schaffen. Hat man diese Möglichkeit genutzt und wieder einen stabilen Vereinsbezug in die erste Mannschaft eingebaut? Im Gegenteil, nach der Plazierung 07/08 ist natürlich der Ehrgeiz größer geworden, und man hat nochmals zugekauft. Wie schon so oft zuvor zu beobachten, ist die Bundesliga eine Einbahnstraße - und am Ende stand für die meisten Vereine eine dicke Mauer.