Archive for October, 2006

Post mortem (I)

Tuesday, October 31st, 2006

Die Chronik eines angekündigten Todes hat sich einigermaßen erwartet entwickelt, getreu Murphys Gesetz. Alturo erwies sich allerdings als kreativ und schaltete das Ganze noch einen Tag zu früh, nämlich schon am 31.10., ab - und löste gleichzeitig ein Chaos beim Domainumzug aus, so dass hier für ein paar Tage nur eine Denic-Fehlermeldung stand. Währenddessen war ich hektisch bemüht, von der abgeschalteten Seite die Daten nach dem letzten Backup herunterzubekommen…
Noch ein paar Tage, dann sollte aber alles wieder drauf sein und das Ganze seinen eingespielten Gang gehen. Theoretisch sogar mit viel mehr Speicher und Volumen.

Ligasplitter

Monday, October 30th, 2006

Erstaunlich, wie wenig man letztlich nebenbei von den Runden mitbekommt, während man mit den technischen Details der Eingabe und - übertragung von 16 Partien beschäftigt ist. Ein wenig bleibt trotzdem haften:

1. “Die Großen kochen auch nur mit Wasser.” Haben wir ja schon immer gewußt, aber diesmal wieder exemplarisch gesehen, z.B.

2. Levon Aronian. An diesem Wochenende war es völlig unvorstellbar, dass er mal 4. der Weltrangliste war (und noch 6. ist). Iwantschuk überspielt ihn trotz Müdigkeit, Reise- und Turnierstress scheinbar mühelos. Ganz schräg die 2. Partie mit Weiß gegen Landsmann Waganjan. Eine positionelle Druckstellung wird mit 21. Lxc6 weggeworfen, ab der Zeitnotphase sieht dann Schwarz mit riesigen Läuferpaar (der Mehrbauer ist nicht so wichtig) wie der haushohe Sieger aus. In der technischen Phase dann Seltsames - der gerade darin normalerweise souveräne Waganjan läßt nach dem 40. lauter Züge wie 46….Lf2! 47. Lc7 f4! aus und macht schließlich Remis in immer noch besserer Stellung.

3. Kopfschütteln sieht man bei starken Spielern eher selten, aber in der Partie Stern - van Wely war der niederländische Spitzen-GM im 38. Zug mit seiner Stellung offenbar nicht zufrieden. Rene sah zwar die Körpersprache, aber nicht das zweizügige “lange” Manöver 38. La4-d1! mit 39. Lh5 und Gewinn.

4. Heute hui, morgen pfui (und umgekehrt): Völliger Umschlag der Fähigkeiten von einem Tag auf den anderen scheint kein seltenes Phänomen. Bei Thomas Luthers attraktivem, aber risikoreichen Stil ist es vielleicht nicht so überraschend. Alexander Graf ist auch für erstaunliche Fehler gut; das Bauernopfer im 22. gegen Socko ging vielleicht noch, aber dass nach 24….Lf6?? 25. Sd6+ (technisch) praktisch gewinnt, haben vermutlich alle Umstehenden sofort gesehen. Am Sonntag hatte er noch souverän gewonnen. Noch ein Beispiel ist Oleg Kornejew, der am Samstag mühelos gewann, aber am Sonntag so grottig spielte, dass er am Ende selbst mit Minusfigur und kaputter Stellung Züge machte. Einen Jugendlichen hätte ich dafür vermutlich zusammengeschissen.
Andersherum bei Kalinitschew, der am Samstag trostlos gegen Bindrich verlor, und dafür eben Kornejew so trocken ausmanövrierte, wie er es normalerweise mit 2000ern macht. Ein Remisgebot von einer 2638 in einer nicht unbedingt klar besseren Stellung als 2499 abzulehnen, ist nicht ohne.

5. ZÜ. Unglaublich viele Zeitüberschreitungen in nicht unbedingt verlorener Stellung (mindestens 2 pro Tag). Bei den Großen hätte man eine professionellere Einteilung erwartet. Für Tegel brachte es den ersten vollen Punkt - GM Mladen Muse, der am Vortag noch selbst ZÜ gegen Socko gemacht hatte, profitierte fairerweise von Degraeves Blättchenfall (in allerdings schon schwieriger Stellung für Schwarz).

6. Eli-Dödel heißen im Fachjargon die Besucher, die nur marginale Ahnung vom Schach haben und hauptsächlich aufgrund medialen Wirbels um die Ex-Juniorinnen-Weltmeisterin gekommen sind. Glücklicherweise waren es nicht so viele (abgesehen von den typischen DWZ<1600-Funktionären), die dann verwundert herumfragten, warum denn die "Weltmeisterin" so weit in der Ecke spielen würde, ob das Brett 8 das Spitzenbrett sei usw.
Als Satireseite sind wir natürlich von der unlauteren Konkurrenz der Realsatire immer hart bedrängt, aber dennoch sei die Darbietung "Schach im Unterschichtfernsehen” (aka Lüders vs. Pähtz im RBB) wegen des großen Humorgehalts hier unbedingt empfohlen.
Bemerkenswert, dass es Frank H. doch wieder schaffte, ihrem Auftritt etwas medial Positives abzugewinnen:

Elisabeth Pähtz konnte trotz eines Remis gegen GM Leonid Kritz die 3½:4½-Niederlage der Berliner (gegen Porz, O.T.) nicht verhindern.

Waren also die Anderen schuld. Freilich geht die viel wichtigere Niederlage gegen die etwas schwächer aufgestellten Remagener zum großen Teil auf ihre Kappe - immerhin eine Weißniederlage gegen einen tiefer gerankten (semi-)alten Mann. Angesichts eines begrabenen Lc8 hatte man eigentlich sogar weißen Vorteil nach der Eröffnung erwartet, bis dann a4 entkorkt wurde, was die Betrachter ziemlich ratlos ließ… Absteigen durch E.P.?

7. Absteiger. Hinten tatsächlich die drei Berliner Mannschaften und Eppingen. Hamburg mit einem wichtigem 4,5:3,5 gegen Eppingen, Mülheim mit ebenso wichtigen 2 Punkten gegen Schachfreunde.. Bann hat schon einen MP gegen etwas stärkere Wattenscheider geholt, Kreuzberg in Fast-Bestbesetzung (beide Armenier vorne, hinten ohne Volke) gegen Remagen enttäuscht. Es wird auf die direkten Kämpfe ankommen, aber Kreuzberg steht schon unter einigem Druck - es ist nicht ausgeschlossen, dass diese vier auch am Ende hinten stehen könnten.

8. Organisation. Der Aufwand für ein Heimwochenende sollte nicht unterschätzt werden. Zu Problemen der Semi-Live-Übertragung s.o. Quadratmeter hatten wir genug, allerdings nur einen abgetrennten Nebenraum, der für sehr viel herhalten musste: Verpflegungsstand, Gepäckbereich für Gastmannschaften, Technik, Toilettendurchgang (und am Sonntag spielte in einem Bereich auch noch die Oberliga). Zum Analysebereich gab es dann schon keinen Platz mehr, zum Glück konnte der störungsfrei ans andere Ende der Bambushalle verlegt werden. Die nachträgliche Partienpräsentation fiel dagegen ins Wasser - Beamer+Laptop waren zwar da, es hätte aber nur im ohnehin übernutzten Nebenraum passieren können (schwierig: Besucherlenkung!), und vor allem fand sich kein GM, der seine Partie auf die Schnelle kommentiert hätte. Merke: Sich so etwas vorher fest zusagen lassen und planen (was leider auch blöd ist, wenn der Betreffende dann seine Verlustpartie kommentieren muss oder schnell remisiert hat).

Ezra Pound 121

Monday, October 30th, 2006

THE GAME OF CHESS

Dogmatic Statement Concerning the Game of Chess: Theme for a series of pictures

Red knights, brown bishops, bright queens,
Striking the board, falling in strong “L”s of colour.
Reaching and striking in angles, holding lines in one colour.
This board is alive with light; these pieces are living in form,
Their moves break and reform the pattern: luminous green from the rooks,
Clashing with “X”s of queens, looped with the knight-leaps.

“Y” pawns, cleaving, embanking!
Whirl! Centripetal! Mate!
King down in the vortex,
Clash, leaping of bands, straight strips of hard colour,
Blocked lights working in. Escapes. Renewal of contest.

Der Vortizismus ist da mit Big Ez etwas durchgegangen. Die seinerzeit mit großem medialem Aufwand angekündigte neue revolutionäre Stilrichtung ging dummerweise im lauten Knall des 1. Weltkriegs unter.

Bundesliga in Tegel (II)

Sunday, October 29th, 2006

Die Partien gibt es (hoffentlich halbwegs aktuell) unter diesem Link.

Die Aufstellungen sind unverändert. Die Lage ist klar - Remagen will gegen Tegel nachwaschen, und auch Porz will Berlin mit vier Punkten verlassen.

12.50 Die Berichterstattung bricht aus Mangel an geeigneten Helfern und lesbarer Notation zusammen.

13:56 So, bin zurück (OT). Musste in der Oberliga leider “en passant” noch einen Sieg nach Hause bringen, der wegen der Schwäche meiner Mannschaftskameraden total überflüssig war. Danke an meine Vertretung am Computer, leider ist der Datenfluß abgerissen. Es folgt jetzt die Eingabe der beendeten Partien.

14:23 Nach der Zeitnotphase scheinen die Kämpfe entschieden zu sein. Porz führt 3:1 gegen Kreuzberg, Remagen 3,5:1,5 gegen Tegel.

14:49 Nach Remis am Spitzenbrett gewinnt Porz 4,5:3,5 gegen Kreuzberg.

15.10 An Brett 1 erreicht Robert Rabiega gegen Iwantschuk in einer sehr sicher angelegten Partie sein zweites Unentschieden an diesem Wochenende. Gegen diese Gegnerschaft ein gutes Resultat.

16.00 Uhr Auch Torsten Sarbok hat sein trostloses Endspiel verloren, wieder 2:6. Trotzdem gar kein so schlechtes Wochenende - spannende Partien, Remisen gegen Weltklasseleute und auch der erste Einzelsieg.
Bilder:

Iwantschuk - Rabiega

Fedorchuk

Degraeve - Muse

Popovic

Bindrich - Tomczak

Belkhodja - von Herman

Mainka - Sarbok

Pachow

Aronian - Waganjan

van Wely - Sargissian

Socko - Graf

Luther - Sakaev

Kalinitschew - Korneev

Hansen - Tischbierek

Chronik eines angekündigten Crashs (II)

Sunday, October 29th, 2006

Erkenntnisse vom Samstag: Der Server hat durchgehalten, trotz ca. 4 000 Besuchern. Das klare Problem bei der “Live-Handeingabe” ist der Informationsfluss - wie portiert man die Züge zum Rechner? Trotz eines Unterstützerteams von durchschnittlich vier Leuten (in der Spitze bis acht) wird es knapp, da die Formulare meist unbrauchbar sind (kyrillische oder total unleserliche Schrift, verdeckt durch Kugelschreiber etc.). Wenn die Beobachter erst einmal den Faden verloren haben, wird es schwer.

Eingeben, Konvertieren und Hochladen der Partien ist dagegen von einer Person gut zu bewältigen, manchmal kommt man sogar noch zu eiligen Kommentaren.

Heute zur 2. Runde wird es eher noch schwieriger, da einige Helfer wegen eigener Partien nicht zur Verfügung stehen - ich hoffe, der Faden reißt nicht ganz.

Bundesliga in Tegel

Saturday, October 28th, 2006

Die Partien gibt es (fast) live hier. Wir werden es versuchen, die Datei jede volle 5 Minuten (14.05, 14.10…) upzudaten. Dauerndes “Reload-Drücken” hilft aber nicht, sondern reduziert nur die Bandbreite.

Im Kampf Kreuzberg-Remagen geht es darum, sich möglichst von der Abstiegszone abzusetzen. Tegel hat eine minimale <5%-Chance als krasser Außenseiter gegen Porz (Schlachtplan: vorne 1,5/2 und hinten viele Remisen ;-) - hinterher wird man darüber wohl kräftig lachen).

13.30 Uhr: Chucky ist gesichtet worden!

13:44 Die Aufstellungen liegen vor. Porz läßt den "Schwachpunkt" Lutz an 2 raus. hinten spielt Kritz. Remagen ohne Fressinet und Bauer. Vorne kommt es zu Iwantschuk-Aronian, Kreuzberg spielt fastvoll, nur mit Pähtz an 8.

14.00 Uhr Es geht los!

1. Erkenntnis: Der Update-Rhythmus wird sich wohl eher auf alle 10 Minuten strecken

15.00 Uhr: Die Eröffnung ist geschafft. Luther hat eine optisch riesige Angriffsstellung, der Rest scheint offen.

Die Bilder:

Vaganian - Rabiega

Stern

Graf-Muse

Muse - Sakaev

Tomczak

von Herman - Hansen

van den Doel - Sarbok

Pachow-Kritz

Iwantschuk - Aronian

Sargissian- Fedorchuk

Degraeve - Socko

Popovic

Kalinitschew

Belkhodja

Mainka - Loeffler

Boidman

16.00 Uhr: Bei Tegel schon an einigen Brettern deutlicher positioneller Nachteil.

17.00 Uhr Für Tegel zeichnet sich die erwartet deutliche Niederlage ab, der andere Kampf wird wohl bis zur Zeitnotphase offen bleiben.

17:30 Die Zeitnotphase beginnt. Ca. 200 Zuschauer in der Bambushalle. Ulf von Herman hat Remis gegen Curt Hansen durch einen Dauerschachtrick. Mladen Muse macht ZÜ gegen Graf.

18.00 Uhr Das erwartete Chaos in der Zeitnotphase. Ein übermüdeter Iwantschuk, dem auf dem Flug auch noch das Gepäck abhanden kam, zeigt einen feinen technischen Sieg gegen Aronian!

Kreuzberg verliert vermutlich, sehr überraschend in Fast-Bestaufstellung gegen Remagen ohne Franzosen.

19.00 Uhr Das 4,5:3,5 für Remagen gegen Kreuzberg steht fest. Porz macht mindestens 5,5 Punkte gegen Tegel. Die Matchstrategie ist nur vorne aufgegangen - Rene Stern kämpft als Letzter um den Sieg, aber leider sind wir hinten zusammengebrochen.

19:50 Pachow verliert gegen Kritz, an Brett 2 geht es in eine hektische 2. Zeitnot.

Remis an Brett 2, Rene hat leider einen Sieg zwischendurch verpasst. Mit 2:6 gegen Porz sind wir immerhin nicht Letzter ;-)

Countdown

Saturday, October 28th, 2006

Noch eine Stunde bis zum Bundesligastart. Noch herrscht die Ruhe vor dem Sturm. Der Tegeler Mannschaftsleiter Manfred Rausch hat alles im Griff.

How was your flight?

Saturday, October 28th, 2006

In Barcelona ist gestern das Magistral Ciutat de Barcelona-Casino zu Ende gegangen - etwas überraschend gewann der Kubaner Lenier Dominguez klar mit 8/9. Ein Letztrundensieg gegen den Zweitplazierten Wassili Iwantschuk (6,5) bescherte ihm eine >2900-Performance.

Theoretisch könnten drei der Teilnehmer heute schon in Tegel zum Bundesligaauftakt einschweben - Iwantschuk am Spitzenbrett von Remagen sowie Oleg Kornejew (3. mit 5,5) und Jan Timman (9. mit 2,5) für Porz. Das wäre nach einem harten Turnier wie in Barcelona freilich sehr überraschend, aber für die Zuschauer natürlich toll (und für Tegel ein Argument, dass uns der Flughafen sponsort ;-) ).

Testbild

Friday, October 27th, 2006

Noch ist die Liveübertragung des Ligaauftakt in Tegel aktuell ;-) … am Wochenende ist mit Verzögerungen zu rechnen, die hoffentlich nicht allzugroß ausfallen.

Bundesligavorschau (X) - SC Remagen

Friday, October 27th, 2006

Remagen ist vom Eloschnitt sicher schon dem Mittelfeld deutlich näher als der direkten Abstiegszone. Das 3+3-ukrainisch/französische Oberhaus mit Topmann Iwantschuk an der Spitze ist eine starke Waffe - wenn es denn komplett zum Einsatz kommt. Aber auch “ohne zwei” steht Remagen immer noch gut da - wer sich im Haifischbecken der 2. Bundesliga West (traditionell die weitaus stärkste) durchsetzt und weiter verstärkt, der kann auch die Klasse halten. Der Sponsor hat vorerst deutlich gemacht, dass man auf jeden Fall drin bleiben will - dann sollte auch gesichert sein, dass man in den entscheidenden Kämpfen stark auffährt. Ich rechne schon am Wochenende mit Chucky, der dann sowieso gerade in Barcelona fertig ist und dann vielleicht einen Flug in die Ukraine mit einem Stopp in Berlin verbindet (vielleicht ja noch eine Weißpartie gegen Aronian mitnehmen?).

Taktisch wäre es jedenfalls für Remagen sinnvoll, aus dem ersten WE möglichst 4 Punkte mitzunehmen und die Weichen nach oben zu stellen. Aus Aufstellung und Ergebnis in der ersten Runde wird man schon entnehmen können, was der Verein sich wirklich vorgenommen hat.