Archive for December, 2007

Altschulden (IV) - noch ein Pommern-(Excelsior-) Springer

Monday, December 31st, 2007

Eigentlich sollte ich diese Aufgabe ja noch etwas weiterlaufen lassen, auf ein oder zwei Jahre mehr kommt es doch auch nicht mehr an…immerhin hat sie seit ihrer Erstveröffentlichung als OMF-Sommerlochaufgabe schon 2,5 Jahre auf dem Buckel (und an die ersten Züge vom Silvester vorigen Jahres hat leider niemand angeknüpft).

Andererseits passt die Lösung heute ganz gut als kleiner Silvesterspaß. Uns sind ja in diesem Jahr schon einige humorvolle Pommernspringer über den Weg gehüpft - aber den Excelsior-Springer, als der sich der c-Bauer nach seinem unaufhaltsamen Aufstieg entpuppt, mag ich besonders gerne. Allerdings bin ich da natürlich voreingenommen.

Hier nur die Hauptvariante mit einigen Verzweigungen; das ausführliche Variantengeflecht gibt es unter diesem Link zum Nachspielen.

Alle Leser mögen mindestens ebenso gut ins Jahr 2008 rutschen wie der Bauer von c2 nach d8!








1.Kd4! Txd3+ 1…Lxd3 2.Tc8+ Sg8 3.Lxd2 Txc2 4.Txc2 Lxc2 5.a6 +-; 1…Sxd5 2.Tc8+ Kg7 3.Lxd2 Lxd3 4.Lxc1 +- 1…Lxd5 2.Tc8+ Lg8 3.Lxd2 Ta1 4.exf6+-; 1…Tc(oder d)xc2 2.Lxd2 Lxd3 3.Txc2 Lxc2 4.a6 +- 2.cxd3 Txc4+ 2…Sxa5 3.exf6! Txc4+ 4.dxc4 s. Hauptvariante.; 2…Sxd5 3.Txc1 Lf3 4.Tf1 Lg2 5.Tf2 Lh1 6.Th2; 2…Lxd5 3.Txc1 Sxa5 4.exf6; 2…Lf3 3.Txc1 Sxd5 4.Tf1 Lg2 5.Tf2 Lh1 6.Th2 3.dxc4








c2 windet sich nach vorne… 3…Lxd5 3…Sxa5 4.exf6 Lxd5 führt wieder zur Hauptvariante, andere Läuferzüge verlieren nach Se7 wegen des eingeschlossenen Königs. 4.cxd5 Sxa5 4…Se8 5.a6 Sd8 6.e6 mit dekorativ hilflosen Springern d8/e8. 5.exf6








Leider geht es ohne den “Einbau” dieses Zuges nicht, insofern kein ganz sauberes Excelsior-Thema… 5…Kg8 Der sK nimmt den Wettlauf mit dem Bauern auf. 5…Sb7 6.Ke5 Kg8 7.Ke6 Kf8 8.Lb6 reicht mit einem Tempo für Weiß. 6.d6 Kf7 7.d7 Ke6








Angesichts der Gabel hat es der König doch noch rechtzeitig geschafft, oder? 8.d8S+! Der C.-P(awn) wird nach seinem unaufhaltsamen Aufstieg mit breitem Grinsen zum S(pringer), und Weiß zeigt, dass er trotz minimalem Material dem Gegner überlegen ist. 8…Kxf6 9.Kc3 Der Sa5 ist gefangen, und im Wettlauf gegen die g- und h-Bauern reicht es ebenfalls knapp, um diese aufzuhalten. Passt! 9…g4 10.Lb6 g3 11.Lxa5 Kf5 12.Kd3 Kg4 13.Sf7 h5 14.Ke3 Kh3 15.Sg5+ Kg2 16.Lc7 h4 17.Sf3 Kf1 18.Le5! g2 Schwarz im Zugzwang. 18…Kg2 19.Sxh4+ 19.Lh2 1-0

Gottfried August Bürger 360

Monday, December 31st, 2007

Der Bauer

An seinen Durchlauchtigten Tyrannen

Wer bist du, Fürst, daß ohne Scheu
Zerrollen mich dein Wagenrad,
Zerschlagen darf dein Roß?

Wer bist du, Fürst, daß in mein Fleisch
Dein Freund, dein Jagdhund, ungebläut
Darf Klau’ und Rachen hau’n?

Wer bist du, daß, durch Saat und und Forst,
Das Hurra deiner Jagd mich treibt,
Entatmet, wie das Wild? —
Die Saat, so deine Jagd zertritt,
Was Roß, und Hund, und Du verschlingst,
Das Brot, du Fürst, ist mein.

Du Fürst hast nicht, bei Egg’ und Pflug,
Hast nicht den Erntetag durchschwitzt.
Mein, mein ist Fleiß und Brot! —

Ha! du wärst Obrigkeit vor Gott?
Gott spendet Segen aus; du raubst!
Du nicht von Gott, Tyrann!

Zugegeben, nur mit einem sehr entfernten Schachbezug - aber ich konnte ihn natürlich nicht ungewürdigt lassen.

Gravity’s Rainbow (XXIII) - Again, Some Ill-Planned Rescue (II)

Sunday, December 30th, 2007

Immer noch im Jahreswechselurlaub, schaffen wir es in diesem Jahr sicher nicht mehr, unsere literarische Odyssey durch Vorpommern abzuschließen - aber immerhin wollen wir wohl noch kurz den “Springer” aus Peenemünde befreien:

They push through pine branches and down again, into the Egg, sacked of its German hardware, long converted to a Russian motor pool. The corner of the huge Assembly Building, as they come down, rises to face them across a hundred yards of jeeps and lorries. Down to the right is a three - or four-level test frame with a round, kind of quonset top, and underneath the frame is a long pit shaped like a shallow V.

`Cooling duct,’ according to Närrisch. `They’re probably under there. We have to go in through there.’

Nach dem längeren Marsch durch die Ruinen erweist es sich schließlich doch als praktisch, zwischendurch nicht den ganzen Wodka aus den falschen Mollies getrunken zu haben:

Sighing, Närrisch rises his bottle aloft, brings it down, or up, thunk on the sentry’s nape, dislodging the man’s helmet liner, is what happens.

`Naughty,’ the Russian, somewhat nettled, stoops to retrieve his head-gear, `Really I ought to put you both under apprehension.’

`Enough chit-chat,’ snarls Slothrop, brandishing his glowing cigar and `Molotov cocktail.’ `Hand over that gun there, Ivan, or I turn you into a human flare!’

Die erbeutete Waffe leistet einige Dienste. Tatsächlich findet man den (dank des im Verhör eingestzten Natrium-Amytals leicht benommenen) Springer - wieder einmal ein Beweis, wie man auch mit völlig unzureichenden Mitteln zum Erfolg kommt:

`Try to walk,’ Slothrop scared shit, `come on, man it’s our ass!’ Smashing echoes after them down the tunnel. A muffled burst of automatic fire. And another. All at once, two faint pools of light ahead, Zhdaev materializes, on the way back to his office. He has a friend with him, who smiles when he sees Slothrop 40 yards away, a big steel smile. Slothrop lets go of Springer and runs up into the next light, piece at the ready. The Russians are blinking him in a puzzled way.

`Tchitcherine! Hey.’

They stand facing, each at his lit circle. Slothrop recalls that he has drop on them. He smiles in half-apology, tips the muzzle at them, moves closer. Zhdaev and Tchitcherine, after a discussion which seems unnecessarily long, decide they will raise their hands.

Und so gelingt tatsächlich auch die Flucht aus dem Gelände - unter Opferung Närrischs, der seinem Namen Ehre macht und zur Deckung des Rückzugs zwischendurch zurückgelassen wird (was nach menschlichen Ermessen mit einer kugeldurchsiebten Leiche, aber mit einigem Glück - immerhin ist er ja Raketenspezialist - im Koroljowschen Team endet)..

Altschulden (III): Wie ist das nun mit der Wirtschaftsdienst GmbH?

Saturday, December 29th, 2007

Wir hatten schon vor einiger Zeit versprochen, die diversen Aussagen Beteiligter im Zusammenhang mit den Themenkreisen SchachShop/Wirtschaftsdienst GmbH uns noch etwas näher anzuschauen.

Es gab da im April/Mai, angestoßen von schauerschach.de (damals noch, und inzwischen wieder, unter kisch), mal eine große Diskussion (noch gibt es z.B. - trotz des quasi-DC!!!-Endes - einen schwachen Widerschein im dortigen Forum).

Mit einiger Verzögerung kam im Vorfeld des DSB-Kongresses eine Reaktion der Landesverbände, auf dem Kongreß selbst dann eine gewisse Erörterung im Arbeitskreis der Landesverbände - die prallgefüllte Tagesordnung des Kongresses sorgte später von selbst dafür, dass das Thema nicht detailliert diskutiert wurde.

Dafür gab es dann immerhin viele Monate später etwas überraschend eine Offensive mit einem Interview mit André van de Velde - dem Geschäftsführer der Wirtschaftsdienst GmbH, dito der gemeinsam mit Dr. Jordan betriebenen Schachshop-Beteiligung, der gleichzeitig auch Chef des Hamburger Schachverbandes ist (weitere, etwas abgelegenere Aktivitäten sind hier kein Thema, man sollte ja nicht alles blind glauben, was im Netz oder der c’t 6/2006 steht - man darf von den Hamburger Schachspielern, die ihn gewählt haben, erwarten, dass sie darüber im Bilde sind; wenn sie ihm trotzdem das Vertrauen schenken, spricht dies doch erstmal für ihn).

Leider vermisst man durchgehend im Interview eine für den Leser doch nicht unwichtige Information - nämlich in welchem Vertragsverhältnis die Interviewpartner zueinander stehen. Es gibt begründeten Anlass zur Vermutung, dass die Hamburger Firma, deren Reporter hier die Fragen stellen, Hauptvertragspartner der Wirtschaftsdienst GmbH ist. Unter dieser Voraussetzung klingen einige Fragen zumindest kurios, da man erwarten darf, dass hier die Antwort sehr detaillierter als ausgeführt schon bekannt ist. Hätte man doch ruhig mal klarstellen können.

Immerhin, es gibt eine Menge (vielleicht nicht in letzter Konsequenz kritische) Fragen und einige Antworten, die sich zwar im Rahmen der Statements in der AG der DSB-Landesverbände bewegen, aber doch etwas präziser sind. Leider müssen wir aber gerade in diesem Zusammenhang eine Aussage stark in Frage stellen. Ein konkretes Kernargument gegen den Vorwurf mangelnder Transparenz lautet nämlich:

Dem Arbeitskreis der Mitgliedsorganisationen gegenüber haben die Gesellschafter der DSB Wirtschaftsdienst GmbH im Rahmen des letzten Bundeskongresses vollumfänglich Rechenschaft abgelegt.

Mit Verlaub, das Wort vollumfänglich schließt die Vorlage von Bilanzen ein. Diese sind aber unseren Informationen zu Folge gerade nicht dem Arbeitskreis vorgelegt worden, sondern er war darauf angewiesen, im guten Glauben die Statements hinzunehmen, die wir auch im Interview finden. Sollten sie sich als unzutreffend erweisen, drohen keinerlei Konsequenzen. Aber immerhin dürfen wir annehmen, dass dem Mitglied des AKLV van de Velde die Aktivitäten des Wirtschaftsdienst GmbH-Geschäftsführers van de Velde vollumfänglich bekannt sind (es sei denn, er handhabt die bekannt vorbildliche Ämtertrennung im Schachbund bis hin zur Persönlichkeitsspaltung). Hier müssen die Schachspieler selbst entscheiden, ob sie eine solche Kontrolle als ausreichend erachten.

Ausgesprochener Zweck der GmbH ist

Vermarktung des Deutschen Schachbundes, also vorrangig der Suche nach Sponsoren und dem Abschluss von Werbeverträgen. In Absprache mit dem Verband kümmert sich die Gesellschaft auch um die Qualitätssicherung von Schachprodukten, wie beispielsweise Lehrbücher, Bretter, Figuren, Uhren oder Softwareprodukte. Hier verleiht die Gesellschaft nach einer qualitativen Produktprüfung durch eine DSB-Kommission ein Gütesiegel.

Angeblich notwendig ist die Konstruktion

aus steuerlichen Gründen [..]. Der Deutsche Schachbund ist ein gemeinnütziger Verein. Als solcher darf er nur in einem relativ beschränkten Maße wirtschaftlich aktiv werden, ohne seine Gemeinnützigkeit zu gefährden. [..] Dieses Modell ist steuerlich unbedenklich und wird im Übrigen auch von fast allen anderen Spitzenverbänden so praktiziert.

Dies erscheint mir nicht schlüssig. Ganz klar könnte der zweite Teil des Zwecks, also “Schachprodukte etc.”, ebensogut (eigentlich: steuerlich besser) als Zweckbetrieb des DSB organisiert werden (allerdings hätte dies zur Folge, dass Bilanzen und Verträge einer Kontrolle durch die Mitglieder unterliegen würde). Ob man freilich unter diesem Dach auch gleichzeitig als “Qualitätsprüfer und Siegelvergeber” und via Schachshop als Vertreiber gewisser quasi von sich selbst zertifizierten Produkte auftreten könnte, ist zweifelhaft.
Allerdings sollte m.E. ein Verband, der auf sein Ansehen hält, dergleichen ohnehin nicht tun, egal in welcher Rechtsform. Dass es von Konkurrenten eine Reihe von Beschwerden über die Vergabepraxis der DSB-Siegel gibt, verwundert sicher nicht. Jedenfalls erschließt sich vielleicht die immer wieder behauptete “vollumfängliche Schachnützlichkeit” der GmbH nicht jedem.

Bleibt der erste Teil, die Vermarktung etc. Dazu liest man erstaunt:

Der letzte große Werbevertrag mit einem Großsponsor datiert aus dem letzten Jahrtausend. Seitdem ist ein deutlicher Trend zu verzeichnen, dass Schach zwar in der Werbung positiv besetzt ist, der Schachbund aber in den Marketingabteilungen der potenziellen Sponsoren keine Rolle spielt. In den vergangenen Jahren haben wir sowohl aus Bordmitteln heraus wie auch in Zusammenarbeit mit mehreren namhaften Agenturen Versuche unternommen, den Schachbund als attraktiven Partner für Wirtschaftsunternehmen darzustellen. Alle Versuche misslangen. Geradezu typisch sind hier die Bemühungen der MA Media Werbeagentur heraus zu stellen, die in einer Art pro-bono-Projekt zu einem sensationell günstigen Preis den Versuch unternommen hat, den Schachbund extern zu vermarkten. Die Agentur hatte sich zuvor mit ganz anderen Kalibern befasst, so unter anderem mit dem Formel-1-Team von McLaren oder der Sat.1-Bundesligashow „ran“. Am Schachbund ist sie leider gescheitert.

Man könnte also jetzt einfach feststellen, dass es das behauptete Geschäftsfeld gar nicht gibt - abgesehen von dem bekannten “Monopolsponsor” (der sich freilich dafür weitgehende Rechte im Schachbund erkauft). Nun, man kann sicher darüber streiten, ob es nicht besser ginge - es gab vom Öffentlichkeitsreferenten des DSB ja schon eine entsprechende Reaktion, auch in Bezug auf andere Stellen des Interviews - aber wir können hier festhalten, dass praktisch der Geschäftsführer die Wirtschaftsdienst GmbH seine Firma “mangels Masse” als überflüssig erklärt.

Na, da findet er unsere volle Zustimmung! Wir können nur immer wiederholen - macht das Ding dicht.

Ach ja, da war noch etwas. Etwas Geld ist ja über die Vertriebsaktivitäten und den CB-Vertrag da - wofür wird es eigentlich ausgegeben? Bona fide gehen wir mal von den behaupteten Zahlen aus - danach ist die Sache für die Gesellschafter total unattraktiv, die Rückflüsse an den Schachbund sind minimal (da eben die offiziellen Gewinne winzig sind). Bleiben also die “vollumfänglich schachnützlichen Betriebskosten”:

So schließt die Gesellschaft unter anderem Vermarktungsverträge mit den deutschen Spitzenspielern ab und trägt so einen Beitrag zur Finanzierung der deutschen Nationalmannschaft bei.

Hier muss man sich noch einmal kurz konzentrieren - nein, es geht nicht um normale Kosten (Trainer, Reisen, Aufwandsentschädigungen), die im Zusammenhang mit der Nationalmannschaft entstehen. Diese können natürlich ohne Gefährdung der Gemeinnützigkeit aus dem normalen Verbandshaushalt bezahlt werden.

Bleiben also Profigehälter/boni, die via die GmbH fließen. So erklärt sich auch der Hinweis auf “andere Spitzenverbände”, denn tatsächlich gibt die Marktlage etwa im Fussball keine anderen Konstruktionen für Prämien etc. her. Nur, wir sind eben in einem total anderen Marktumfeld als im Fussball.

Es ist hier eine Grundsatzdiskussion sinnvoll, inwieweit man sich “Verbandsprofis” leisten will. Dies führt über simple formale Transparenzfragen hinaus - hier können zweifellos eine Reihe von gut begründbaren Argumenten für alle Seiten angeführt werden. Dankenswerterweise liegt diese Debatte sowieso in der Luft - einfach aufgrund eines Anspruchsdenkens von Schachprofis in einem rapide geänderten Umfeld. Nicht umsonst hat dieses Thema die letzten Ausgaben von SCHACH geprägt.

Immerhin liefert dies einigen Anlass zum historischen Verständnis der GmbH. Sagen wir mal freundlich: Im Umfeld des bundesdeutschen Schachs der 80er Jahre mag es sogar einige Gründe für sie gegeben haben. Nur, diese Zeiten sind vorbei.

Der Schlussteil der Interviews hat lustigerweise eigentlich fast gar nichts mehr mit dem Thema zu tun, sondern beinhaltet formal Privatmeinungen über die Schachbund-Öffentlichkeitsarbeit. Natürlich ist das nicht ganz zu trennen:

Die Webseite fällt nur teilweise in die Zuständigkeit der DSB Wirtschaftsdienst GmbH, nämlich wegen der wirtschaftlichen Vermarktung. In inhaltlichen Fragen ist der Öffentlichkeitsreferent des DSB zuständig.

Die Logo-Auswirkungen besagter Vermarktung aus der Vergangenheit sind sattsam bekannt, inwieweit auch das permanente product placement Vertragsbestandteil ist, weiß ich nicht. Viele Leute haben sich an dieser empfundenen Schieflage der Seite gestört, aber nun wissen sie wenigstens, dass sie damit Naiditsch & Co. ihr Profidasein mitermöglichen.

Interessanterweise ist aber offenbar auch die Ansicht möglich, dass auf schachbund.de nicht zuviel Schleichwerbung, sondern noch zuviel Schachinformationen vorhanden sind:

Ich sehe zum Beispiel überhaupt keinen Sinn darin, dass auf www.schachbund.de so eine Art kleiner Nachrichtenserver betrieben wird. Das können professionelle Unternehmen sehr viel besser und verlässlicher gestalten.

Huch, das sagt gar nicht der Interviewer des Unternehmens (zu deren Newsseite ja gewissermaßen schachbund.de in Konkurrenz steht und bei denen man verstehen könnte, dass ihnen zuviel Information beim Schachbund nicht passen), sondern doch der Interviewte. Kann man aber auch leicht durcheinanderbringen…

Auch hierzu, und den weiteren Einlassungen zur Öffentlichkeitsarbeit, gibt es Antworten des Referenten auf schachlinks.com.

Speziell die letzte Frage zum Punkt “Pressearbeit” (die ebenso inhaltsleer gestellt wie beantwortet wird) liest sich freilich im Nachhinein nachdenklich - wenn man nämlich um die inzwischen erfolgte Installation von Dagobert K. (und Kündigung von Christian Greiser) weiß. Mit dem unerzwungenen, ausdrücklichen Hinweis, dass dies natürlich nur Sache des Präsidiums ist, hat man der guten Dinge hier vielleicht vorauseilend doch etwas zuviel getan.

Rank Zero Endgame Academy: Randmehrfreibauernturmendspiele, Praxisübung

Friday, December 28th, 2007

Die beste Theorie nutzt nichts ohne entsprechende praktische Tests - wenden wir also unsere letzten Überlegungen noch einmal auf unser Startbeispiel Yermolinsky-Seirawan an, schon um die umfangreiche Debatte in den Kommentaren dort abzuschließen.
Yermolinsky,A (2650) - Seirawan,Y (2630) [C10]
Merrillville, 1997








Schwarz am Zug stellte bekanntlich die Partie mit 36….g6? ein - aber war noch etwas zu retten? Nun, Schwarz kann offenbar nur den Turm bewegen, daher verliert er sicher zunächst den d-Bauern: 36…Ta1+ Dass man sich auch in der Analyse gründlich verschätzen kann, zeigt der Kommentar Hechts:

Es liegt anscheinend Zugzwang vor, denn Schwarz wird den d-Bauern verlieren. Doch er darf ihn fröhlich aufgeben, und die Schwäche f5 wirkt wegen der günstigen Stellung des Kf7 nicht entscheidend.

37.Kd2 Ta3 38.Ke3 Ta1 39.Kxd3 Ta2 40.Kd4 Ta5 41.Kc4 Ta1 42.Kd5 Ta2 43.Kc6! Tc2+ 44.Kd6 Der entscheidende Zug ist 43. Kc6, da er nebenbei auch 44. Tc8 nebst Tc7+ droht - der Zwischenzug 44….Ta6+ scheitert ja an 45. Kb7 Daher musste das Schach von hinten gegeben werden, aber…








44…Ta2 …auch entscheidet der Übergang ins Bauernendspiel, da 44…Td2+ 45.Ke5 Ta2 46.Kxf5 zu den Mustern des 6. Teils führt. 45.Tc8! Ta6+ 46.Tc6 Txa7 47.Tc7+ Txc7 48.Kxc7 Ke6 49.Kc6 1-0
Also, um die Kommentarfragen zu beantworten:

1. Ja, die Stellung ist für Weiß gewonnen.

2. Ja, Weiß kann d- und f-Bauern abholen.

3. Nach Abholung beider Bauern ist es beliebig, ob man lieber mit g4-g5-g6+ oder mit “Durchbruch” f4-f5,g5,h6 gewinnt.

4. Und wie sicher schon anhand der 4. Folge gesehen hat: Ohne den weißen Bauern f4 ist es nicht gewonnen, da Weiß zwar auch f5 erobert und g4-g5 spielen kann, aber auf …hxg5 h6 einfach Kg6 folgt - hier fehlt beim Durchbruch nämlich der weiße Bauer f5, um dem sK das Feld g6 zu nehmen.

Alles in allem ein schönes Beispiel gerade wegen der Menge höchst lehrreicher Fehleinschätzungen (hoffen wir mal, dass mir nicht selbst welche unterlaufen sind :-D ).

Sebastian Haffner 100

Thursday, December 27th, 2007

Lassen Sie es mich so sagen: Die Äußerung »Laßt uns Schach spielen« ist kein Zug im Schachspiel selbst. Sie entstammt vielmehr einer erheblich abstrakteren Sprache als derjenigen, die Schachspieler benutzen. Die Äußerung »Schließen wir Frieden, und zwar unter den und den Bedingungen« ist nicht in dasselbe ethische System eingelagert wie die Betrügereien und Tricks des eigentlichen Kampfes. Man sagt, daß in der Liebe und im Krieg alles erlaubt sei, und das mag ja innerhalb der Liebe und des Krieges seine Richtigkeit haben; doch außerhalb und im Diskurs über Liebe und Krieg werden andere ethische Maßstäbe gesetzt. Seit Jahrhunderten gilt es als viel abscheulicher, während einer Waffenruhe oder beim Aushandeln des Friedens Verrat zu begehen, als den Feind in der Schlacht zu überlisten.

(Aus: Der Vertrag von Versailles.)

Henry Miller 116

Wednesday, December 26th, 2007

It was here in the void of hernia that I did all my quiet thinking via the penis. There was first of all the binomial theorem, a phrase which had always puzzled me; I put it under the magnifying glass and studied it from X to Z, There was Logos, which somehow I had always identified with breath; I found that on the contrary it was a sort of obsessional stasis, a machine which went on grinding corn long after the granaries had been filled and the Jews driven out of Egypt. There was Bucephalus, more fascinating to me perhaps than any word in my whole vocabulary: I would trot it out whenever I was in a quandary, and with it of course Alexander and his entire purple retinue. What a horse! Sired in the Indian Ocean, the last of the line, and never once mated, except to the Queen of the Amazons during the Mesopotamian adventure. There was the Scotch Gambit! An amazing expression which had nothing to do with chess. It came to me always in the shape of a man on stilts, page 2498 of Punk and Wagnall’s Unabridged Dictionary. A gambit was a sort of leap in the dark with mechanical legs. A leap for no purpose - hence gambit! Clear as a bell and perfectly simple, once you grasped it.

(Aus: Tropic of Capricorn)

William Shinkman 160

Tuesday, December 25th, 2007

Das bekannteste Problem des Jubilars ist zweifellos sein a-Bauern-Baum - siehe dazu etwa den schönen Artikel von TK “The Kuwait Immortal.” (Ich habe daran freilich schlechte Erinnerungen - als ich es als Kind das erste Mal sah, zerbrach ich mir viele Stunden lang den Kopf darüber, warum 1. Kd2 NICHT zum Matt führen sollte - dass ein Meister einen solchen Fehler machen sollte, war jenseits meiner naven Vorstellung.)

Daher heute lieber ein verwandter (mit immerhin einem Tripel-a-Bauern) und ebenfalls berühmter Dreizüger - der hffentlich noch nicht allen Lesern bekannt ist. Im Nachhinein zumindest erscheint die äußerst klare Idee zwingend, aber manch einer hat schon ganz schön daran geknabbert. Wie immer die Lösung bitte als Kommentar!








Alfred Kerr 140

Tuesday, December 25th, 2007

Bald wirst du ein Mythus sein. Aus der Vorzeit verschlugen dich unbekannte Mächte hierher. Mit siebzig Jahren ist man ein alter Mann. Mit siebzig Jahren sitzt ein vorgeschichtlicher Held im Kaffeehaus und spielt Schach.

Harfenengel für Eliten

Tuesday, December 25th, 2007

Tief in der weihnachtlichen Stimmungslage nun auch auch an dieser Stelle eine Adventsgeschichte, die einer meiner Studentinnen vor etlichen Jahren begegnete.

Die tägliche Mühsal im schweren politischen Ringen um die Sicherung des Standortes D nimmt nicht einmal auf die Feiertagsruhe Rücksicht. So wurde im weit fortgeschrittenen Advent ein Arbeitstreffen ausgewählter Mitglieder und Spezialisten einer (inzwischen verflossenen) Regierung mit führenden Vertretern der deutschen Wirtschaft in einem märkischen Schloss anberaumt. Um wenigstens für ein bißchen weihnachtliche Stimmung zu sorgen und den überarbeiteten Nerven etwas Entspannung zu gönnen, fragte man an einer führenden Berliner Musikschule wegen der Möglichkeit einer musikalischer Untermalung durch sanfte Harfenklänge nach.

Auch wenn es damals noch nicht die “Du bist Deutschland”-Kampagne gab, fragte man dort nicht lange, was das Land für die Schule tun könne, sondern was die Schule für das Land tun kann, und schickte zur zwei Tage zuvor anberaumten Probe den besten - Harfenisten der Schule samt Soloprogramm.

Die bestürzten Organisatoren konnten nur den Kopf schütteln ob solch eines Missverständnisses der Bedürfnisse von schwer arbeitenden Eliten, und mussten für die vernagelte und unpatriotische Musikschulleitung die Anforderungen etwas präzisieren:

1. Es sollte natürlich eine weibliche Person die Harfe spielen.

2. Vorzugsweise sollte sie blond, gutaussehend und so im Alter zwischen 15 und 19 Jahren sein.

3. Das Kleid (das im Zweifel dem Anlass angemessen gestellt würde) müsste zumindest die Knie freilassen.

Zwar war man der Schule ob solcher genauer Vorstellungen ziemlich sprachlos, stellte es jedoch den Schülerinnen anheim, diesen Ansprüchen zu genügen. Eine vierstellige (damals noch DM-)Summe ist für einen jungen Menschen immerhin einiges Geld, so dass sich tatsächlich nach einigem Widerstreben der gesuchte blonde Harfenengel fand.

Als untergründige Rache für die gewisse Zumutung beschränkte sie sich allerdings darauf, während der gesamten Zeit lediglich Tonleitern auf der Harfe herauf- und herunterzuspielen. Die Darbietung verlief zur vollkommenen Zufriedenheit, das Publikum war begeistert.