Negativdenken, die eigenen Selbstzweifel oder knappe Finanzen sind immer wieder Stolpersteine, denen man im beruflichen Alltag begegnet. [..] Mit Hilfe von so genannten Fahrleinen wird das Pferd geführt. Durch einen Engpass oder über Latten hinweg bis hin zum Ziel, das durch eine Plane symbolisiert ist. Der Co-Trainer reagiert sehr sensibel auf die Anweisungen, die durch die Haltung der Zügel bestimmt werden, und somit die Richtung weisen. Als Steigerung geht es anschließend auf dem Rücken des Pferdes weiter. Vor zwölf Jahren saß Heike Käferle das letzte Mal im Sattel. Bereits nach wenigen Stunden im Umgang mit den Pferden bekommt sie jetzt die Aufgabe, gleichzeitig ein zweites Pferd zu lenken. Nur mit viel Mut, Konzentration und Selbstvertrauen ist diese Übung zu meistern. Da vergisst man sicherlich recht schnell, welches Hindernis symbolisch für welches Problem steht. Doch das Gefühl, alle Schwierigkeiten überwinden zu können, ist eine wichtige Erfahrung, die man auch für das Berufsleben mitnehmen kann.
Was im schönsten Motivationstrainer-Jargon (”das Gefühl, alle Schwierigkeiten zu überwinden”) im Bericht über “Pferdetrainings für Manager” daherkommt, ist beilebe keine Satire auf das Tschakka!-Business - auch wenn die Schlagworte so daherkommen:
Horsedream - Horse Assisted Education: Führung erleben, Veränderungsprozesse meistern, authentisch sein und bleiben, Charisma entwickeln: es ist experimentelles, selbst bestimmtes Lernen. Es bringt Ergebnisse in ganz kurzer Zeit, und es wirkt nachhaltig.
Nein, die euphorischen Berichte liefen vor einigen Jahren im öffentlich-rechtlichen BR alpha, und müssen ja demzufolge stimmen - schließlich sind im gebührenbezahlten Fernsehen bekanntlich Schleichwerbung oder merkwürdige Nebeneinkünfte praktisch ausgeschlossen. Der Autorin des streng objektiven Jubelbeitrags High Potentials ist schon deshalb nichts vorzuwerfen, weil sie sich in guter Gesellschaft befindet - die Pferde-Manager-Trainer danken etwa explizit
Bärbel Schwertfeger (wirtschaft + weiterbildung, 1999), Harald Hamm (ZDF Hallo Deutschland, 1999), Dagmar Deckstein (Süddeutsche Zeitung, 2000), Madeleine Schulte Langforth (ZDF Mona Lisa, 2001), Peter Theisen (ZDF Drehscheibe, 2001), Katharina Rieger (VOGUE BUSINESS, 2001), Riccardo Mastrocola (Deutschlandfunk, 2001), Elke Hardegger (BR alpha, 2002), Elisabeth Hussendörfer (management & training, 2002), Gudrun Bergdolt (handwerk magazin, 2003), Christian Sauer (chrismon, 2004), Andrea Bittelmeyer (managerSeminare, 2006), Silke Gronwald (stern, 2009), Martin Pichler (wirtschaft + weiterbildung, 2009) und Bärbel Vollberg (EQUUS 2010).
für ihre ganz vom positiven Pferdedenken inspirierten Berichte. (Dass sich unter den derart Berittenen erstaunlich viel öffentlich-rechtliche Journaille mitgaloppiert, sei ebenso nur am Rande notiert wie die Tatsache, dass praktischerweise Frau Hardegger auch Mitglied der Accrediting Alliance for Training and Development ist - wo sie sogar mit ihrer BR-Adresse auftaucht, was bestimmt schon deshalb nicht zu Interessenskonflikten führt, weil Prof. Peter Hardegger als Regionaldirektor Europa über die Integrität des Vereins wacht; wer sich für dergleichen Netzwerke interessiert, mag die amici-Forschung selbst weitertreiben).
Aktuell gibt es aber ganz schlechte Nachrichten für die Anbieter des Horse Assisted Professional Development: Frau Hardegger hat ein ganz neues großes Ding entdeckt. Natürlich wieder für BR alpha, der damit weiterhin seiner offentlich-rechtlichen Bildungsfunktion gerecht wird.
Wer weiß, wie sein Gehirn funktioniert, kann es auch optimal nutzen. Egal ob Schachgroßmeister, Manager, Schüler oder Rentner: Jeder Mensch kann seine ca. 100 Milliarden Nervenzellen so in Bewegung und in Beziehung setzen, dass sie effizient arbeiten - bewusst und unbewusst. Wie aber bewältigt das Gehirn seine komplexen Aufgaben und wie trainierbar ist es? Diesen Fragen nähert sich der Film “Das Gehirn optimal nutzen - Mit Gedächtnisstrategien zum Erfolg” zum Beispiel anhand des Schachspiels.
So die vollkommen neutrale Presseerklärung des Dokumentar(?)films “Das Gehirn optimal nutzen - Mit Gedächtnisstrategien zum Erfolg” - natürlich eilfertig von den zuständigen Stellen im Schachbund überallhin verbreitet. Kein Wunder, schließlich möchte ja auch der Präsident seinen Namen jetzt anständig versilbern - der, Originalton,
Wirtschaftswissenschaftler und Fernschachgroßmeister Robert K. Frhr. von Weizsäcker
taucht prominent als Mitverdiener (in Tateinheit mit Stefan Kindermann) an den “optimalen Problemlösungsmethoden, nicht nur für Manager” mittels des “Königsplans” auf.
Kleingeister könnten jetzt natürlich wieder kritteln. Etwa bedauern, dass jemand, der u.a. auch gewählt wurde, weil er wenigstens vom Status und gesicherten Einkommen her über den üblichen Schiebereien im Deutschen Schachbund zur Nebenverdienstsicherung zu stehen schien, das Spielchen ungeniert mitmacht. Oder dass der öffentlich-rechtliche BR in Gestalt von Frau Hardegger offenbar seit fast einem Jahrzehnt nicht besseres zu tun hat, als unter dem Label des Bildungsfernsehns in immer gleichen Vokabeln vollmundige Erfolgsversprechen gewisser Seminaranbieter anzupreisen. Oder sich an nebulösen Schlagwörtern wie “Gedächtnisstrategie” stoßen, die weitgehend frei von jedem Gehalt verwendet werden, wobei auch über den simplen Bereich des Gedächtnisses hinaus beliebig unbewiesene Behauptungen über “Förderung positiver zwischenmenschlicher Fähigkeiten, Unterstützung der Lesefähigkeit” und “Verbesserung der Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern” gestreut werden. Oder sich über die Verquickung der “100 Milliardenzellen des Menschen” mit Gehirnleistungen zu ärgern (wo sich weniger als 20% davon befinden). Oder sich einfach über
Die Schachspieler müssen vorwärts und rückwärts denken, ohne den Überblick auf die Gesamtlage zu verlieren
totlachen.
Dabei gibt es doch Anlass genug zur Freude. Etwa, dass dank des von Weizsäcker-Kindermannschen Königsplans nicht nur das Gehirn, sondern die letzte Nervenzelle unter der linken Arschbacke “”bewusst und unbewusst effizient arbeitet”. Man kann sich angesichts der Statements
Man braucht dazu visuelles Vorstellungsvermögen, man braucht abstrakte Logik und ganz viel Gefühl und Intuition, das muss alles zusammenspielen, um ein guter Schachspieler zu sein, und vor allem lernen die Kinder ganz allgemein Denkstrukturen: Wie gehe ich an ein Problem ran, also wir versuchen den Kindern Denken beizubringen.
wenigstens darüber freuen, dass Kindermann nur Neuronenschach und nicht Deutsch lehrt (auch wenn leise Zweifel an der “Unterstützung der Lesefähigkeit auftreten). Man kann erfreut konstatieren, dass dank seiner fleißigen Assistenten der Wirtschaftprofessor trotz Bachelor/Master-Chaos Zeit genug hat, um nebenher erfüllenden Tätigkeiten nachzugehen - wenn schon nicht der Allgemeinheit, dann doch persönlich förderlich. Man darf befriedigt feststellen, dass Name und Beziehungen des Präsidenten zumindest beim BR und den Kollegen vom Istitut für Medizinische Psychologie funktionieren, wenigstens wenn es um eigene Geschäfte geht.
Vor muss man natürlich die Pferde bedauern, die jetzt im knallharten Trainingsbusiness hoffnungslos zurückfallen. Kein Wunder, da doch die rational-logisch-intuitiven Strategiemethodiker total ganzheitlich nicht nur Pferde, sondern auch Bauern, Läufer, Türme und Hochadel zur Stimulation der letzten Nervenzelle zum Einsatz bringen. Wenn auch der Ischiasnerv, mit neurolinguistischer Programmierung durch Kindermann nach von Weizsäckerschen Königsplan fit gemacht, sich mit höchster Effizienz “in Bewegung und in Beziehung setzt”, schreien 100 Milliarden Zellen im Chor: Schakka!