Archive for January, 2010

George Abbott † 31. Januar 1995

Sunday, January 31st, 2010

Chuck took the vacant chair and they shook hands.

The stranger said, “My name is Howie Jones.”

Chuck said, “Mine is Ben Smith.”

They played rapidly and recklessly, fun chess rather than good chess, each winning one game. Then Howie pushed the pieces to the center of the board and said, “How about we go out and have a beer?”

(Aus: Tryout.)

Walter Savage Landor 235

Saturday, January 30th, 2010

There are extremely few roots in a language; yet the language may be varied, and novel too, age after age.  Chess-boards and numerals are Ices capable of exhibiting new combinations than poetry; and prose likewise is equally capable of displaying new phases and phenomenons in images and reflections. Good prose, to say nothing of the original thoughts it conveys, may be infinitely varied in modulation.

(Aus: Andrew Marvel and Bishop Parker.)

Ernst Moritz Arndt † 29. Januar 1860

Friday, January 29th, 2010

Schipper Gau un sin Puk

Ji hewt woll oftermals hürt, wo veele Hexerei un Töwerei mit Katten, Zegenböcken, Heimken un Schorfpoggen drewen ward un wo de olde Fiend sick darachter steckt un den armen verbiesterden Minschen in de Höll herin spelt.  Äwerst dat gifft so veelerlei Töwerei, datt et nich to denken noch uttospreken is, un wer schullt’t glöwen, datt de Düwel listig nog is, in Müggen un Käwer ja in den allerminsten Worm sick herintomaken, wenn de vörblendte Minsch nah sinen Dingen lüstern is un nah dem Düstern un Vörborgnen snappt?  Denn wer hängen will, seggt dat Sprickwurt, de kan woll dör eenen Spennenfaden to Doode kamen. As ick in miner Jugend in minen Wanderjahren ut minem Vaterlande Holsteen nah Rotterdam up Arbeit kamen was, hew ick mennige snurrige Ding davon sehn un hürt; denn de Schippers hebben veelen sodhanen Awerglowen un mennigerhand heemliche Künste.  Ick mag’t äwerst nich all nahseggen; doch will ick ju eens vörtellen, wat hier bi uns eenem Mann ut Barth edder vam Dars in Prerow begegnet is un wovon alle Lüde to seggen wüßten, as ick noch een junger Gesell was.  In Barth lewde een Schipper Hinrich Gau, dat was de glücklichste un vörwegenste Schipper in der ganzen Ostsee, dem ook alles to Faden leep.  He unnerstund sick, wat keen anner Schipper dörfte, un se seden, he kunn mit allen Winden segeln, un wenn he wull, ook wedder den Strom.  Soveel was eenmal wiß, he wagde sick herut midden im Winter un in dem bösesten Unweder un kam jümmer mit ganzen Masten und heelen Segeln davon, wenn de annern Schipp terreten un terspleten in den Hawen lepen edder gar so deep vör Anker legen, datt keen Minschenoog se wedder to sehn kreeg. Mit dem Gau äwerst ging alles vörwärts, as künn he den Wind ut’m Sack schüdden, grad as he’n brukte. So was he denn jümmer de erste up dem Platz un makte de besten Frachten und ward in wenigen Jahren een riker Mann, datt se en den riken Schipper edder den riken Gau nömden.  Dat Ding hedd äwerst so sinen egnen Haken un um all dat Gausche Glück un Geld mügt ick an dem Haken nich hängen, woran Gau fast was.  Denn de Lüde munkelden so wat van eenem blanken Käwer edder eener grönen Pogg in eenem Glase; un dat was sin Puk, de em den Wind un dat Glück makte, un de Matrosen wullen dat düwelsche Ding unnerwielen sehn hebben, wenn’t stief weihde edder de Nacht gefährlich düster was, wo’t as een lütt winzig Jüngiken in eener swarten Jacke eene rode Mütz up’m Kopp up dem Schipp herümleep un alles nahsach, edder ook as een old gris Männiken mit eener kritwitten Parück up dem Kopp, dat am Stürroder satt un in den Häwen keek un dem Schipp den Weg wisde.  Un se vörtellden ook, datt de Schipper sine blanken und grönen Düwelskamraten sehr prächtig plegde in eenem aparten Schrank in siner Koje, wo keen Minsch hensnuwen dörft, un datt he en da jümmer söten Muschatwin un Rosinen un Figen hendrog.  Denn de in der bittern un suren Hölle wahnen, laten sick am lichtesten mit Zuckerbackels un Nüdlichkeiten locken un festholden, wenn man se to sinem Deenst anbinden will.  Dat Glück was up disse Wis un mennigen schönen Dag mit dem Schipper Gau up der Fahrt west, un he vörstund sine Geisterkens to regieren, un se weren em up’t Komando gehursam un willig.  Äwerst toletzt vörsach he sick eenmal, un de Düwel slippte em los, un drew sin böses Spill so schrecklich, datt jeder sehn kunn, wat et was.  Schipper Gau was mit eener riken Ladung ut England kamen un sin Schipp lag up dem Strom der Sundschen Rhede vör Anker.  He was eenen Dag in de Stadt fahren, un Gott weet, wo’t geschach–denn süs ging he den Dag weinigstens wohl dreimal an Burd–he was in een woist Gelag geraden un se hedden so deep in’t Glas keken, datt Gau Schipp un Puk un de ganze Welt vörgatt.  So hedd unser Schipper twee utgeslagene Dage in Stralsund vördrunken, un sine Dinger, de he hungern let, weren grimmig worden, hedden de Gläser terbraken, worin se seten, un blösen eenen Storm up, datt dat Schipp anfung mit allen Segeln to spelen un sick von allen Ankern losret.  De Lüde, de up der Brügg un Lastadie stunden, vorwunderden sick–denn bi de Stadt weihde kum een Lüftken–wo dat Schipp rundküselde as een Swin, dat to veelen Branwinsbarm sapen hett.  Un et wurd een grot Geschrei, un veele Schippers lepen herbi un ook Schipper Gau.  He kreeg flugs een paar von sinen Matrosen un eenige annere Waghälse tohop, löste sin Boot un leet de Remen knarren un reep: “Frisch Jongs! frisch! wenn ick an Burd kam, schälen mine Kerls voll wedder to Loch, se kennen min Komando woll.”  Un Gau kam richtig an dat Schipp, dat sick jümmer rundüm küselde, as wenn’t in eenem Strudel stack.  Alle annern Schipp rührden sick nich, as wenn för se keene Luft weihde, un was een heel moj Wäder.  Äwerst de kecke Gau hedd sick dittmal to veel vörmeten; sine Bürschchen, de weegn des langen Hungers to grimmig weren, leten sick van em weder locken noch hissen; se makten jümmer gewaltigern Storm un dullere Arbeit un küselden toletzt so arg, datt Schipp mit Mann un Mus to Grund gingen.  To der Tid ging mennig Gerede mank de Schippers hen un her, un veelen is woll bang worden; äwerst ick glöw, et gifft noch van der Art, de ehre lütten Düwelkens in Schachteln un Gläsern mit an Burd nehmen.

Für unsere Leser mit Barthhintergrund endlich wieder einmal eine Heimatgeschichte, die freilich den erwartet schlimmen Verlauf nimmt, der zu langen Stralsundaufenthalten unweigerlich innewohnt. Hoffen wir, dass den drohenden Schiffbrüchen in diesen schneereichen Tagen vorgebaut wird.

Anton Tschechow 150

Friday, January 29th, 2010

Gegen Ende des Tages hörte der Regen auf und der Wind lies merklich nach. Von Koren hatte bereits eingesehen, dass er an diesem Tag nicht mehr abreisen würde, und sich zum Schachspiel mit Samoylenko niedergelassen; ; but nach der Dämmerung berichtete die Ordonnanz, dass auf dem Meer Lichter und eine Rakete gesichtet wurden.

(Aus: Das Duell)

Eine weitere literarische Partie, die nicht zu Ende gespielt wird.

Herrmann Kesten 110

Thursday, January 28th, 2010

In Paris saß ich in vielen literarischen Cafes, deren Glanz halb oder ganz verblichen war, wie im Cafe Regence, wo einmal Alfred de Musset beim Schach saß, als sein Partner mitten in der Partie aus dem Cafe gelaufen war, weil draußen die Revolution zu schießen begonnen hatte, indes Musset ruhig mit einem neuen Partner eine andere Partie Schach begann.

Die berühmtere Stelle aus Dichter im Café

Ich habe einen guten Teil meines Lebens im Kaffeehaus verbracht und bedauere es nicht. Das Kaffeehaus ist ein Wartesaal der Poesie. Das beste ist sein unverbindlicher Charakter. Da bin ich in Gesellschaft und keiner kennt mich [..] Ein großer Teil des Lebens hat Platz im Kaffeehaus, von der Liebe zum Tod, vom Spiel zum Geschäft.

werden Kaffeehausspieler nur  bestätigen können.

Schach statt Pferde

Wednesday, January 27th, 2010

Negativdenken, die eigenen Selbstzweifel oder knappe Finanzen sind immer wieder Stolpersteine, denen man im beruflichen Alltag begegnet. [..] Mit Hilfe von so genannten Fahrleinen wird das Pferd geführt. Durch einen Engpass oder über Latten hinweg bis hin zum Ziel, das durch eine Plane symbolisiert ist. Der Co-Trainer reagiert sehr sensibel auf die Anweisungen, die durch die Haltung der Zügel bestimmt werden, und somit die Richtung weisen.  Als Steigerung geht es anschließend auf dem Rücken des Pferdes weiter. Vor zwölf Jahren saß Heike Käferle das letzte Mal im Sattel. Bereits nach wenigen Stunden im Umgang mit den Pferden bekommt sie jetzt die Aufgabe, gleichzeitig ein zweites Pferd zu lenken. Nur mit viel Mut, Konzentration und Selbstvertrauen ist diese Übung zu meistern. Da vergisst man sicherlich recht schnell, welches Hindernis symbolisch für welches Problem steht.  Doch das Gefühl, alle Schwierigkeiten überwinden zu können, ist eine wichtige Erfahrung, die man auch für das Berufsleben mitnehmen kann.

Was im schönsten Motivationstrainer-Jargon  (”das Gefühl, alle Schwierigkeiten zu überwinden”) im Bericht über “Pferdetrainings für Manager” daherkommt, ist beilebe keine Satire auf das Tschakka!-Business - auch wenn die Schlagworte so daherkommen:

Horsedream - Horse Assisted Education: Führung erleben, Veränderungsprozesse meistern, authentisch sein und bleiben, Charisma entwickeln: es ist experimentelles, selbst bestimmtes Lernen. Es bringt Ergebnisse in ganz kurzer Zeit, und es wirkt nachhaltig.

Nein, die euphorischen Berichte liefen vor einigen Jahren im öffentlich-rechtlichen BR alpha, und müssen ja demzufolge stimmen - schließlich sind im gebührenbezahlten Fernsehen bekanntlich Schleichwerbung oder merkwürdige Nebeneinkünfte praktisch ausgeschlossen. Der Autorin des streng objektiven Jubelbeitrags High Potentials ist schon deshalb nichts vorzuwerfen, weil sie sich in guter Gesellschaft befindet - die Pferde-Manager-Trainer danken etwa explizit

Bärbel Schwertfeger (wirtschaft + weiterbildung, 1999), Harald Hamm (ZDF Hallo Deutschland, 1999), Dagmar Deckstein (Süddeutsche Zeitung, 2000), Madeleine Schulte Langforth (ZDF Mona Lisa, 2001), Peter Theisen (ZDF Drehscheibe, 2001), Katharina Rieger (VOGUE BUSINESS, 2001), Riccardo Mastrocola (Deutschlandfunk, 2001), Elke Hardegger (BR alpha, 2002), Elisabeth Hussendörfer (management & training, 2002),  Gudrun Bergdolt (handwerk magazin, 2003), Christian Sauer (chrismon, 2004), Andrea Bittelmeyer (managerSeminare, 2006), Silke Gronwald (stern, 2009), Martin Pichler (wirtschaft + weiterbildung, 2009) und Bärbel Vollberg (EQUUS 2010).

für ihre ganz vom positiven Pferdedenken inspirierten Berichte. (Dass sich unter den derart Berittenen erstaunlich viel öffentlich-rechtliche Journaille mitgaloppiert, sei ebenso nur am Rande notiert wie die Tatsache, dass praktischerweise Frau Hardegger auch Mitglied der Accrediting Alliance for Training and Development ist - wo sie sogar mit ihrer BR-Adresse auftaucht, was bestimmt schon deshalb nicht zu Interessenskonflikten führt, weil Prof. Peter Hardegger als Regionaldirektor Europa über die Integrität des Vereins wacht; wer sich für dergleichen Netzwerke interessiert, mag die amici-Forschung selbst weitertreiben).

Aktuell gibt es aber ganz schlechte Nachrichten für die Anbieter des Horse Assisted Professional Development: Frau Hardegger hat ein ganz neues großes Ding entdeckt. Natürlich wieder für BR alpha, der damit weiterhin seiner offentlich-rechtlichen Bildungsfunktion gerecht wird.

Wer weiß, wie sein Gehirn funktioniert, kann es auch optimal nutzen. Egal ob Schachgroßmeister, Manager, Schüler oder Rentner: Jeder Mensch kann seine ca. 100 Milliarden Nervenzellen so in Bewegung und in Beziehung setzen, dass sie effizient arbeiten - bewusst und unbewusst. Wie aber bewältigt das Gehirn seine komplexen Aufgaben und wie trainierbar ist es? Diesen Fragen nähert sich der Film “Das Gehirn optimal nutzen - Mit Gedächtnisstrategien zum Erfolg” zum Beispiel anhand des Schachspiels.

So die vollkommen neutrale Presseerklärung des Dokumentar(?)films “Das Gehirn optimal nutzen - Mit Gedächtnisstrategien zum Erfolg” - natürlich eilfertig von den zuständigen Stellen im Schachbund überallhin verbreitet. Kein Wunder, schließlich möchte ja auch der Präsident seinen Namen jetzt anständig versilbern - der, Originalton,

Wirtschaftswissenschaftler und Fernschachgroßmeister Robert K. Frhr. von Weizsäcker

taucht prominent als Mitverdiener (in Tateinheit mit Stefan Kindermann) an den “optimalen Problemlösungsmethoden, nicht nur für Manager” mittels des “Königsplans” auf.

Kleingeister könnten jetzt natürlich wieder kritteln. Etwa bedauern, dass jemand, der u.a. auch gewählt wurde, weil er wenigstens vom Status und gesicherten Einkommen her über den üblichen Schiebereien im Deutschen Schachbund zur Nebenverdienstsicherung zu stehen schien, das Spielchen ungeniert mitmacht. Oder dass der öffentlich-rechtliche BR in Gestalt von Frau Hardegger offenbar seit fast einem Jahrzehnt nicht besseres zu tun hat, als unter dem Label des Bildungsfernsehns in immer gleichen Vokabeln vollmundige Erfolgsversprechen gewisser  Seminaranbieter anzupreisen. Oder sich an nebulösen Schlagwörtern wie “Gedächtnisstrategie” stoßen, die weitgehend frei von jedem Gehalt verwendet werden, wobei auch über den simplen Bereich des Gedächtnisses hinaus beliebig unbewiesene Behauptungen über “Förderung positiver  zwischenmenschlicher Fähigkeiten, Unterstützung der Lesefähigkeit” und “Verbesserung der Leistungen in den naturwissenschaftlichen Fächern” gestreut werden. Oder sich über die Verquickung der “100 Milliardenzellen des Menschen” mit Gehirnleistungen zu ärgern (wo sich weniger als 20% davon befinden). Oder sich einfach über

Die Schachspieler müssen vorwärts und rückwärts denken, ohne den Überblick auf die Gesamtlage zu verlieren

totlachen.

Dabei gibt es doch Anlass genug zur Freude.  Etwa, dass dank des von Weizsäcker-Kindermannschen Königsplans nicht nur das Gehirn, sondern die letzte Nervenzelle unter der linken Arschbacke “”bewusst und unbewusst effizient arbeitet”. Man kann sich angesichts der Statements

Man braucht dazu visuelles Vorstellungsvermögen, man braucht abstrakte Logik und ganz viel Gefühl und Intuition, das muss alles zusammenspielen, um ein guter Schachspieler zu sein, und vor allem lernen die Kinder ganz allgemein Denkstrukturen: Wie gehe ich an ein Problem ran, also wir versuchen den Kindern Denken beizubringen.

wenigstens darüber freuen, dass  Kindermann nur Neuronenschach und nicht Deutsch lehrt (auch wenn leise Zweifel an der “Unterstützung der Lesefähigkeit auftreten). Man kann erfreut konstatieren, dass dank seiner fleißigen Assistenten der Wirtschaftprofessor trotz Bachelor/Master-Chaos Zeit genug hat, um nebenher erfüllenden Tätigkeiten nachzugehen - wenn schon nicht der Allgemeinheit, dann doch persönlich förderlich. Man darf befriedigt feststellen, dass Name und  Beziehungen des Präsidenten zumindest beim BR und den Kollegen vom Istitut für Medizinische Psychologie funktionieren, wenigstens wenn es um eigene Geschäfte geht.

Vor muss man natürlich die Pferde bedauern, die jetzt im knallharten Trainingsbusiness hoffnungslos zurückfallen. Kein Wunder, da doch die rational-logisch-intuitiven Strategiemethodiker total ganzheitlich nicht nur Pferde, sondern auch Bauern, Läufer, Türme und Hochadel zur Stimulation der letzten Nervenzelle zum Einsatz bringen. Wenn auch der Ischiasnerv, mit neurolinguistischer Programmierung durch Kindermann nach von Weizsäckerschen Königsplan fit gemacht, sich  mit höchster Effizienz “in Bewegung und in Beziehung setzt”, schreien 100 Milliarden Zellen im Chor: Schakka!

J. D. Salinger † 27. Januar 2010

Wednesday, January 27th, 2010

Problems and setbacks do not disturb Sakhatova’s feelings of inner harmony and contentment, which stem from or are reinforced by her interest in Buddhism. In her spare time, when she’s not reading Catcher in the Rye to improve her English, she meditates. “I’m a very calm person. I’m happy whatever happens. A Buddhist monk was once asked what he’d like to be reincarnated as, and he replied, ‘a dead dog, because it is in a state of complete tranquility.”

Sarah Hurst  erforscht in Curse of Kirsan: Adventures in the Chess Underworld die (schon ohne neurolinguistische Programmierung merkwürdigen) Zustände in Spielerhirnen.

Verzählt

Tuesday, January 26th, 2010

Perhaps a real version of HAL 9000 would simply announce move 1.e4, with checkmate in, say, 38,484 moves.

Auch wenn es nur als Unterstellung formuliert ist - Garik scheint im Ruhestand die 50-Züge-Regel vergessen zu haben. Irgendwie ja schon auch ein beneidenswerter Zustand, wenn man vom journalistischen Wiederkäuen bequem leben und sich der Ahnungslosigkeit der Leser sicher sein kann.

William Somerset Maugham 136

Monday, January 25th, 2010

Next day, in the afternoon, Philip sat in his room and wondered whether Mildred would come. He had slept badly. He had spent the morning in the club of the Medical School, reading one newspaper after another. It was the vacation and few students he knew were in London, but he found one or two people to talk to, he played a game of chess, and so wore out the tedious hours. After luncheon he felt so tired, his head was aching so, that he went back to his lodgings and lay down; he tried to read a novel. He had not seen Griffiths. He was not in when Philip returned the night before; he heard him come back, but he did not as usual look into Philip’s room to see if he was asleep; and in the morning Philip heard him go out early. It was clear that he wanted to avoid him. Suddenly there was a light tap at his door. Philip sprang to his feet and opened it. Mildred stood on the threshold. She did not move.

(Aus: Of Human Bondage)

Zu viel gewollt

Sunday, January 24th, 2010

Nach zuletzt ziemlich geringer Siegquote hatte ich mir eigentlich vorgenommen, in diesem Jahr wieder etwas mehr zu punkten. Nun ist eine Schwarzpartie gegen den ziemlich souveränen Rosi im staubtrockenen Minoritätsangriff da nicht unbedingt die optimale Gelegenheit - allerdings ließ der Mannschaftstand dank diverser Eröffnungsmisshandlungen bei uns relativ schnell kaum eine andere Wahl. Über lange Zeit konnte ich mit dem Ergebnis auch durchaus zufrieden sein - aber schließlich vergewaltigte ich die Stellung doch. Subjektive Gewinnwünsche sollten halt auch in Tateinheit mit Mannschaftszwängen kein ausreichender Grund sein, die Objektivität ganz aufzugeben…

Rosenthal, D (Oberschöneweide) - Teschke, O (Greifswald)








Eine typische Stellung im Minoritätsangriff. Weiß dürfte leicht besser stehen. 18.Db4?! Verpufft. 18…Le7 19.Db3 Le6!? 19….Lf6 ist wohl fraglos der logische Zug, aber dann hätte erstens Weiß besseres als Db4 und zweitens war das Problem, dass wir hier schon sichtbar im Mannschaftskampf zurücklagen und ein Remis fast sicher 4,5 Gegnerpunkte bedeutet hätte. Daher dieser Zug, der ein langfristiges Bauernopfer einschließt. Computer mögen das zunächst überhaupt nicht (hinter ihrem Horizont) und bevorzugen alternativ 19…Sxb5?! 20.Lxb5 Ta3 21.Db2 cxb5 22.Dxb5 Ta5 23.Db3, was aber in einer perspektivlosen Stellung (wenn auch mit Remischancen) mündet.  20.bxc6 bxc6 21.Se5 De8 22.Se2 Etwas konzeptioneller 22.Db6, was aber zu einer ähnlichen Struktur führt.  22…Lf6! Nur so. Schwarz bleibt in der Remisbreite und hat zumindest die Option, nach vorne zu spielen. 23.Sxc6! Es spricht für das weiße Stellungsgefühl, dass er den Bauern nach nur kurzer Überlegung mitnimmt. Die Varianten sind recht lang. 23….Sc4 24.Lxc4 dxc4 25.Db6








Weiß hat eine kerngesunde Bauernstruktur und blockt im Zentrum die schwarzen Läufer aus. Andererseits setehen Dame und Springer wackelig, und evtl. kann das Läuferpaar den c-Bauern effektiv unterstützen.  25…Tc8 Leider scheitert 25…Ld5 an 26.Sb4 Le6 Leider erzwungen, Königsangriffsträume funktionieren nicht. 27.Sf4 Tb8 28.Sbd5! 26.Se5 Lxe5 Leider muss man das Läuferpaar geben und wenigstens die weiße Bauernstruktur zerstören. Der konzeptionelle Seitenwechsel mit Ld8 (und Vormarsch c-Bauer) scheitert schlicht an Da6, und c4 fällt (wobei es in den taktischen Abfolgen mit Lg5-xe3 noch ganz gute Remischancen gibt). 27.dxe5 Lf5 28.f4 Ld3 29.Tf2








Soweit alles einigermaßen wie im 19. Zug geplant. 29…Tc6? Natürlich auch die knappe Zeit, aber noch schlimmer ist, dass Schwarz im entscheidenden Moment nicht konsequent weiterspielt. Hier wird nunmehr nur noch eine Auffangstellung im Schwerfigurenendspiel angestrebt, die ersichtlich wenig Optionen bietet. Statt dessen musste mit 29…f6! 30.exf6 Tc6 31.Dd4 Tfxf6  konsequent auf die Schwäche e3/e4 gespielt werden:








Schwarz hätte volle Kompensation, auch wenn es vermutlich einfach bald nur in einer Zugwiederholung endet.  30.Dd4 Lxe2 31.Txe2 De6 32.Tc3 Ta8 33.h3 h5 34.Tec2 Tac8 35.Tb2 De7 36.De4








In den letzten Zeitnotzügen - wieder einmal danke an den Schachbund für die geklauten 10 Minuten - ruiniert Schwarz die Stellung. Leider auch, weil inzwischen klar war, dass an den restlichen Brettern nur ein 3:4 zu Stande kommt. So kehrt noch einmal das Anfangsmotiv (Remis vermeiden!) wieder, freilich unter drastisch verschlechterten Bedingungen. Wenn Schwarz hier ruhig De6, Tc5 etc spielt, sollte die Stellung mit einiger Genauigkeit gut haltbar sein. 36…Dh4 37.Tf2 Dg3 38.f5








38…Ta6? Jetzt ist es auch taktisch um. Dass 38…Tc5! 39.e6 Txf5 geht, sehen nur Computer in ein paar Sekunden. 38…gxf5 39.Dxf5 Dg6 wäre menschlicher, aber eben auch ein langer, schwerer Kampf ums Remis.  39.Tc1 Tca8?! 39…Ta5 wäre noch eine Mini-Chance.  40.e6 fxe6 41.f6








Die Zeit ist geschafft, und f6 entscheidet. Schwarz ist hilflos. Entscheidendes taktisches Moment der letzten Züge war die Abfahrtszeit des Berliner Zuges, den sowohl mein Gegner als auch ich bekommen wollten. 41…T8a7 42.Tf3 Dg5 Noch ein taktisches Remisgebot - immerhin stand jetzt das 4:3 auf dem Papier, und es blieben noch 35 Minuten bis zur Zugabfahrt bei knapp 2 Kilometern Bahnhofsentfernung. 43.Dxc4 Natürlich abgelehnt. 43….Kf7 Wenn Schwarz als sehr unfair in die Geschichte eingehen will, kann er hier die von Bardeleben-Taktik anwenden und sich einfach auf den Weg zu Bahnhof machen, während Weiß notgedrungen auf das Ablaufen der Zeit wartet und den Zug verpasst. Wäre immerhin eine Gelegenheit, sich einen besonders schlechten Namen zu machen (tatsächlich habe ich schon einmal erlebt, wie jemand im Niederlagenfrust seinen Gegner derart “bestrafte”). Nicht zur Nachahmung zu empfehlen - lieber kommt eine ganz nette forcierte Variante aufs Brett: 44.Dc8 Ta1 45.Txa1 Txa1+ 46.Kh2 De5+ 47.Tf4 Ta7 48.Dh8 g5 49.Dg7+ Ke8 50.Dxa7 gxf4 51.De7 matt
Was bei immerhin noch 22 Minuten bis zur Abfahrt eine faire Chance im nachschachlichen Dreikampf (Packen, Verabschieden, ab zum Bahnhof) lies.