Archive for February, 2010

Lemony Snicket 40

Sunday, February 28th, 2010

“Well, Mr. Snicket is something of a coward,” Handler confesses, cradling a cup of tea as we talk in a cluttered coffeehouse near the theater. “So he’d probably have been under the seat. Whenever someone was tangled up in killer vines, or threatened by a three-headed dog, he’d have been tempted to run away.

“And I’m certain he’d have objected to how loud the movie was.”

Loud? Try EAR-SHATTERING. Neither of us can recall a film played at such deafening levels. Says Handler, “The climax alone was louder than anything in Apocalypse Now, and in Harry Potter, all they do is play chess.”

L.S. in sportlicher Bewertung der Bestsellerkolleginnenverfilmung.

Genrich Moissejewitsch Kasparjan 100

Saturday, February 27th, 2010

Die berühmten Studien des armenischen Großmeisters stellen einen zum 100. Geburtstag vor zwei Probleme: Einmal das der Auswahl, zum anderen das der Bekanntheit. Beide sind nicht zu lösen. Zum runden Jubiläum sollte es eines der großen Glanzlichter sein - zu einem anderen Jubiläum vielleicht mal eine der versteckteren Perlen. Daher wird es uns mit dieser Aufgabe








(Weiß gewinnt, Nachtrag: Nunmehr korrigiert mit Ka2) wohl gehen wie den Schachblättern, wo eine der anderen ewigen Studien immer noch ungelöst ist - wohl, weil die meisten Leser sie ohnehin schon kennen.

Wem das Stück neu ist (oder wer die Lösung vergessen hat), sollte sich trotzdem per Kommentar versuchen. Auch bei den Schachblättern, bitte.

Rank Zero Endgame Academy: Die Doppelbauernmajorität (II)

Friday, February 26th, 2010

(1202) Topalow,W - Gelfand,B [C42]

Linares ESP (10), 24.02.2010
Nach einer evtl. leichtfertigen Vereinfachung im 16. Zug steht Schwarz hier trotz reduzierten Materials im Angriff.








Den besten schwarzen Russen der Welt spielt ein (ehemaliger) Weißrusse. Daher sehr überraschend, dass Gelfand hier so schnell in eine gefährdete Stellung kommt - obwohl die Stellung nach sehr logischen Zügen eigentlich irgendwann mal in der Vorbereitung aufgetaucht sein müsste. Wenn Schwarz nichts Besseres als das folgende Qualitätsopfer hat, dürfte das Abspiel für Schwarz nicht mehr infrage kommen.  21…De2 22.Dxe2 Txe2 23.Le3








Die Qualität ist weg, und 23…Te8 24. Th3 würde nichts bessern. Daher ist die sofortige Aufgabe der Qualität logisch. 23…Txe3 24.fxe3 Te8 25.Th3 Te6 26.c4 Le7 27.Tf3 Te5 28.Tgf1 Txh5 29.Txf7 Te5 30.T7f3 Lf6 31.c3 Te4








Die Schlüsselstellung aus theoretischer Sicht. Alles spricht dafür, dass die weiße Stellung gewonnen ist - aber warum gibt Toppy die Qualität zurück und geht in ein remises Turmendspiel über? Alternativ könnte es natürlich sein, dass alles zu Hause vorbereitet war und Gelfand hier eine Festung hat. Dann wäre Schach allerdings sehr, sehr schräg. Was passiert etwa nach 32. Td1 Te6 (32….Le5 33. c5 d5 34 Tg1) 33. Kc2 - sollte Weiß wirklich nicht vorwärtskommen? 32.Txf6 gxf6 33.Txf6 Txe3 34.Txd6 Kf7 35.Kc2 Te2+ 36.Kb3 Ke7 37.Td4 c5 38.Td3 b6 39.Ka3 Tc2 40.Td5








Wahrscheinlich hat sich Toppy einfach den jüngsten Triumph der Doppelbauernmajorität zum Vorbild genommen. Objektiv ist es freilich unentschieden, durch die Absperrung des sK hat Weiß aber praktische Chancen. Ich würde hier eher mit 40….a6 den Einmarsch verbauen, die Forcierung ist aber auch nicht kritisch.  40…a5 41.Td3 Th2 42.b3 Tc2 43.Ka4 Anders kommt Weiß nicht weiter. 43….Txa2+ 44.Kb5 Tb2 45.Kxb6 a4 46.Kxc5 Txb3 47.Kc6 a3 48.c5








Wir nähern uns der kritischen Position. Kenntnisse über mögliche 5- und Sechssteiner helfen nicht viel, oder nur soviel, dass sich Schwarz darauf nicht einlassen darf. Könnte er den König nach b8 bekommen, sähe es anders aus, aber so bleibt a2 das Hauptpfand. Die Hauptdrohung von Weiß ist die Aufstellung T a-Linie, Kc7, Bc6, c5 (oder eine Reihe weiter vor). Hier muss Schwarz rechtzeitig durch einen dann aktivierten K gegensteuern. 48…Ke8?! Mindestens überraschend. Tendenziell gehört er eher nach vorne, ran an die c-Bauern. Nicht auszuschließen, dass Schwarz hier dachte, mit Abwarten Remis halten zu können, aber das funktioniert nicht. Konzeptionell  48…a2 49.Td7+ Ke6 50.Ta7 Tb2 51.Ta4 51.Kc7 Kd5 52.c6 Kc4 51…Ke5 52.Kc7 Kd5 53.c6 Kc5 und remis - Analysediagramm:








49.Th3 a2?








Stellt die Partie wirklich ein, der Vormarsch auf Reihe 2 verlockt freilich stark. 49…Ke7! brächte den König rechtzeitig wieder nach vorne:  50.Th7+ Ke6 51.c4 (51.Ta7 Txc3=) 51…Ke5 52.Td7 Tc3 Analysediagramm








Und Weiß kommt nicht weiter. 50.Th8+ Ke7 51.Ta8 Tb2 52.Kc7 Tc2 53.c6 Tb2 54.c4 Tc2 55.Ta6 Tb2 56.c5 Ke6








Jetzt stehen die weißen Bauern weit genug vorn.  57.Ta5! Nur so, aber letztlich auch naheliegend (wenngleich die Seitstelllung hässlich scheint). Ausreichend gesichert laufen die Bauern einfach durch. 57….Tc2 58.Kb7 Tb2+ 59.Kc8 Ke7 60.c7 Ke8 61.Txa2 Txa2 62.Kb7 1-0

Mário Raúl de Morais Andrade † 25. Februar 1945

Thursday, February 25th, 2010

Está claro que meu interesse é fazer um espetaculo musical bonito, movimentado cheio de possibilidades musicals e coloridas, nada mais. Batem afinal entra Malazarte de preto, cheira a janta e - Como eu gosto de voce, puxa! (Malazarte é almofadinha na roupa. Camisa de esporte aberta no peito, roupa prêta, sapato branco, boné xadrez). - Voce de preto! - Meu pai morreu trae ante ontem etc.

(Aus:  Cartas de Mário de Andrade a Manuel Bandeira.)

Back to the roots (II)

Wednesday, February 24th, 2010

An explicit formula for the k-th derivative of a determinant of the n×n matrix M=(mij(t)) is given. The author seems not to be familiar with Viète’s formulae for the coefficients of a polynomial C(x)=(x-λ1)⋯(x-λn).

Witold Więsław merkt im Referat zu B. P. Brooks’ The coefficients of the characteristic polynomial in terms of the eigenvalues and the elements of an n×n matrix. [Appl. Math. Lett. 19, No. 6, 511-515 (2006; Zbl 1173.15303)], dass es manchmal doch ganz hilfreich sein könnte, in der Schule aufzupassen (es handelt sich, man muss es kaum noch hinzufügen, wieder einmal um eine Publikation bei Elsevier von jemandem, der aus der “Nonlinear Dynamics”-Ecke kommt).  Den peer-Reviewern (vermutlich auch dynamisch und nichtlinear) scheint ihr Abitur ebenso abhanden gekommen zu sein.

Manchmal ist das ja zur Generierung von Veröffentlichungen ja auch ganz hilfreich.

Erich Kästner 111

Tuesday, February 23rd, 2010

Hoch oben, auf einem Zweig, saß ein kleines Mädchen, kaute an einer Ananas und jammerte vor sich hin.

»Was ‘n los?«, rief Konrad.

»Ist er weg?«, fragte das kleine Mädchen.

»Wer soll ‘n weg sein?«, erkundigte sich der Junge.

»Der Walfisch!«, schrie sie herunter.

»Bei Dir piept’s ja«, sagte er.

Da kletterte sie wie ein Wiesel von ihrem Gummibaum herab, stellte sich vor Konrad auf und rief empört:

»Was fällt die eigentlich ein, du Lausejunge? Ich bin eine Prinzessin und heiße Petersilie!«

Konrad war nicht fähig, etwas zu erwidern. Denn das Mädchen, das Petersilie hieß, war schwarz und weiß kariert!

»Mensch”, sagte er schließlich. »Auf dir kann man ja Schach spielen!«

(Aus: Der 35. Mai.)

Sean O’Faolain 110

Monday, February 22nd, 2010

They could see it through the window in the landing if they chose to look, a tapering mass, dark against the wet luminous sky, its golden weather-fish. They sat there, almost always in silence, playing chess, or reading, or writing long letters until Norah - their courier and housekeeper - returned with dispatches; and the dispatches almost always taunted them to hurry, to get finished, saying that everything and everybody was ready for the attack but the Bombshop.

Wie wir schon seit Lenin wissen, ist Schach der ideale Zeitvertreib beim Warten auf die Revolution.

Arthur Schopenhauer 222

Monday, February 22nd, 2010

Bei diesen Herren muß in der Jugend die Muskelkraft und die Zeugungskraft herhalten. Aber späterhin bleiben nur die Geisteskräfte: fehlt es dann an diesen oder an ihrer Ausbildung und dem angesammelten Stoffe zu ihrer Tätigkeit, so ist der Jammer groß. Weil nun der Wille die einzige unerschöpfliche Kraft ist, so wird er jetzt angereizt durch Erregung der Leidenschaften, z. B. durch hohe Hasardspiele, dieses wahrhaft degradierende Laster. – Überhaupt aber wird jedes unbeschäftigte Individuum, je nach der Art der in ihm vorwaltenden Kräfte, sich ein Spiel zu ihrer Beschäftigung wählen: etwa Kegel oder Schach, Jagd oder Malerei, Wettrennen oder Musik, Kartenspiel oder Poesie, Heraldik oder Philosophie usw.

(Aus: Aphorismen.)

Alfred Andersch † 21. Februar 1980

Sunday, February 21st, 2010

Der lange, knochige, eisenharte Willi Franz, berühmter Bergsteiger, hatte sich damals noch nicht erhängt, aber er spielte bereits so schlecht Schach, daß ich ihn mit Leichtigkeit schlug. Wir legten das Brett immer auf einen Baumstumpf vor der Baracke. Eines Vormittags hatte man uns die Haare abgeschnitten. Das gab den Pessimisten Auftrieb, die behaupteten, wir würden lange Zeit im Lager zubringen.

(Aus: Die Kirschen der Freiheit: ein Bericht)

Waldemar Bonsels 130

Sunday, February 21st, 2010

Gewiß unterhielt er sich dadurch, daß er spielte, aber er gewann nach der Meinung seines Partners zugleich dadurch, daß er sich unterhielt. Als der Pater ihm vorwarf, daß er ein Gespräch führte, um ihn abzulenken, wurde eine neue Partie ausgemacht, unter der Bedingung, daß während des Spiels kein Wort fallen sollte.

Der Jesuitenordensbruder vermeidet in der Schachpartie des Biene-Maja-Autors  (in: Indienfahrt) nicht nur das Thema Pädophilie, sondern gleich alle.