(1202) Topalow,W - Gelfand,B [C42]
Linares ESP (10), 24.02.2010
Nach einer evtl. leichtfertigen Vereinfachung im 16. Zug steht Schwarz hier trotz reduzierten Materials im Angriff.
Den besten schwarzen Russen der Welt spielt ein (ehemaliger) Weißrusse. Daher sehr überraschend, dass Gelfand hier so schnell in eine gefährdete Stellung kommt - obwohl die Stellung nach sehr logischen Zügen eigentlich irgendwann mal in der Vorbereitung aufgetaucht sein müsste. Wenn Schwarz nichts Besseres als das folgende Qualitätsopfer hat, dürfte das Abspiel für Schwarz nicht mehr infrage kommen. 21…De2 22.Dxe2 Txe2 23.Le3
Die Qualität ist weg, und 23…Te8 24. Th3 würde nichts bessern. Daher ist die sofortige Aufgabe der Qualität logisch. 23…Txe3 24.fxe3 Te8 25.Th3 Te6 26.c4 Le7 27.Tf3 Te5 28.Tgf1 Txh5 29.Txf7 Te5 30.T7f3 Lf6 31.c3 Te4
Die Schlüsselstellung aus theoretischer Sicht. Alles spricht dafür, dass die weiße Stellung gewonnen ist - aber warum gibt Toppy die Qualität zurück und geht in ein remises Turmendspiel über? Alternativ könnte es natürlich sein, dass alles zu Hause vorbereitet war und Gelfand hier eine Festung hat. Dann wäre Schach allerdings sehr, sehr schräg. Was passiert etwa nach 32. Td1 Te6 (32….Le5 33. c5 d5 34 Tg1) 33. Kc2 - sollte Weiß wirklich nicht vorwärtskommen? 32.Txf6 gxf6 33.Txf6 Txe3 34.Txd6 Kf7 35.Kc2 Te2+ 36.Kb3 Ke7 37.Td4 c5 38.Td3 b6 39.Ka3 Tc2 40.Td5
Wahrscheinlich hat sich Toppy einfach den jüngsten Triumph der Doppelbauernmajorität zum Vorbild genommen. Objektiv ist es freilich unentschieden, durch die Absperrung des sK hat Weiß aber praktische Chancen. Ich würde hier eher mit 40….a6 den Einmarsch verbauen, die Forcierung ist aber auch nicht kritisch. 40…a5 41.Td3 Th2 42.b3 Tc2 43.Ka4 Anders kommt Weiß nicht weiter. 43….Txa2+ 44.Kb5 Tb2 45.Kxb6 a4 46.Kxc5 Txb3 47.Kc6 a3 48.c5
Wir nähern uns der kritischen Position. Kenntnisse über mögliche 5- und Sechssteiner helfen nicht viel, oder nur soviel, dass sich Schwarz darauf nicht einlassen darf. Könnte er den König nach b8 bekommen, sähe es anders aus, aber so bleibt a2 das Hauptpfand. Die Hauptdrohung von Weiß ist die Aufstellung T a-Linie, Kc7, Bc6, c5 (oder eine Reihe weiter vor). Hier muss Schwarz rechtzeitig durch einen dann aktivierten K gegensteuern. 48…Ke8?! Mindestens überraschend. Tendenziell gehört er eher nach vorne, ran an die c-Bauern. Nicht auszuschließen, dass Schwarz hier dachte, mit Abwarten Remis halten zu können, aber das funktioniert nicht. Konzeptionell 48…a2 49.Td7+ Ke6 50.Ta7 Tb2 51.Ta4 51.Kc7 Kd5 52.c6 Kc4 51…Ke5 52.Kc7 Kd5 53.c6 Kc5 und remis - Analysediagramm:
49.Th3 a2?
Stellt die Partie wirklich ein, der Vormarsch auf Reihe 2 verlockt freilich stark. 49…Ke7! brächte den König rechtzeitig wieder nach vorne: 50.Th7+ Ke6 51.c4 (51.Ta7 Txc3=) 51…Ke5 52.Td7 Tc3 Analysediagramm
Und Weiß kommt nicht weiter. 50.Th8+ Ke7 51.Ta8 Tb2 52.Kc7 Tc2 53.c6 Tb2 54.c4 Tc2 55.Ta6 Tb2 56.c5 Ke6
Jetzt stehen die weißen Bauern weit genug vorn. 57.Ta5! Nur so, aber letztlich auch naheliegend (wenngleich die Seitstelllung hässlich scheint). Ausreichend gesichert laufen die Bauern einfach durch. 57….Tc2 58.Kb7 Tb2+ 59.Kc8 Ke7 60.c7 Ke8 61.Txa2 Txa2 62.Kb7 1-0