Archive for April, 2010

Gustav Freytag † 30. April 1895

Friday, April 30th, 2010

Schweigend ritt der Kaiser in das Lager zurück. Aber als er mit wenigen Getreuen in sein Zelt trat, sagte er heiter: »Lange Jahre spiele ich mit dem Alten von den sieben Hügeln das Königsspiel, welches sie Schach nennen, und ich habe manches von ihm gelernt; jetzt hat der hitzige Spieler einen falschen Zug mit seinem Elefanten Gerold getan, er soll mich nicht verleiten, in den gleichen Fehler zu fallen. Du, Humbert, hast von je gute Freundschaft mit Templern und Johannitern gehalten, bewahre die Vertraulichkeit, so sehr du kannst, damit wir zu rechter Zeit erfahren, was sie in ihrem Lager ersinnen.«

(Aus: Die Ahnen)

Egon Erwin Kisch 125

Thursday, April 29th, 2010

Damals im Romanischen Cafe,
wir saßen stundenlang bei einem Glas Tee.
Beiden gings uns damals ziemlich schlecht,
wir lebten vom Pump, Kurt Weil und Bertolt Brecht.
Es schrieb an seinem Marmortisch
aus Prag der Egon Erwin Kisch.
Lasker spielte oben Schach,
die Monheim blieb verzweifelt wach.
Es klingt wie eine Sage
uralt vergangener Tage:
Damals im Romanischen Cafe!

Willi Kollo besingt alte Zeiten.

Paper zero

Wednesday, April 28th, 2010

Als mir vor Jahren beim Aufarbeiten der algebraischen Geometrie-Lücken seinerzeit  A.Işik und C. A. Konyalioǧlus Artikel “A relation between Riemann theta functions and Jacobi theta functions.” [J. Inst. Math. Comput. Sci., Math. Ser. 14, No. 3, 259-264 (2001; Zbl 1081.14520)] in die Hände fiel, war der spontane Eindruck, dass dies ein natürlicher Kandidat für das schlechteste Paper ist, das ich je gesehen habe (inzwischen kenne ich viele Zumutungen in anderen Gebieten, aber für die algebraische Geometrie kann man das noch aufrecht erhalten). Im Guten konnte man es eigentlich keinem Referenten zumuten; die härteste Kritik war ohnehin, teilweise wörtlich zu zitieren:

The reviewer feels that it is best to quote from the paper literally to give an impression:
“Corollary 2: The relation between $R_3$ and $thata_3$ is $R_3/theta3 =1$.

Proof is to celar.”

From a mathematical viewpoint, the reviewer has problems e.g. of understanding the authors’ method of adding theta characteristics (somewhere in the paper even as bivectors of different lenghts).

In diesem Fall bin ich allerdings neidisch auf MR, die mit Andrei B. Bogatyrëv jemanden gefunden haben, der sich nicht durch die Zusendung beleidigt fühlte und seinen Verriss trocken einleitet mit

Not every text containing mathematical formulae or terminology may be considered as a scientific work.

Es folgen zwölf ausgewählte Punkte von besonders auffälligen Unsinnigkeiten. Es hätten auch fast beliebig mehr sein können.

Willem Frederik Hermans † 27. April 1995

Tuesday, April 27th, 2010

„Als u wilt,” zei Arthur, „ik ben niet sterk in schaken.” „Hoe zo? En je hebt een mathematische opleiding genoten?” Arthur trok zijn mond scheef, ging op de andere fauteuil zitten en zei niets. Zijn vader liep naar het buffet, nam er een glas uit en schonk Arthur in uit een fles sherry die onder de tafel stond. „Vóór ik mijn probleem opgelost heb,  drink ik niets anders,” zei hij.

(Aus: De tranen der acacia’s.)

S. A. Ramanujan † 26. April 1920

Monday, April 26th, 2010

Die vorliegende, aus dem Nachlaß des früh Verstorbenen durch G. H. Hardy herausgegebene und mit Bemerkungen versehene Arbeit beschäftigt sich mit Kongruenzeigenschaften der Koeffizienten der Potenzreihe

1+p(1)x+p(2)x 2 +⋯=1 (1-x)(1-x 2 )(1-x 3 )⋯·

Bezeichnet σ a (n) die Summe der α-ten Potenzen sämtlicher Teiler von n, so gilt:

p(n-1)-p(n-26)-p(n-51)+p(n-126)+p(n-176)-p(n-301)-⋯≡nσ 1 (n)(mod.5);p(n-2)-p(n-51)-p(n-100)+p(n-247)+p(n-345)-p(n-590)-⋯≡n 2 σ 1 (n)-nσ 3 (n)(mod.7);p(n-5)-p(n-126)-p(n-247)+p(n-610)+p(n-852)-p(n-1457)-⋯≡-n 4 σ 1 (n)+3n 3 σ 3 (n)++3n 2 σ 5 (n)-5nσ 7 (n)(mod.11)Hierbei ergeben sich die linkerhand (in dem Argument von p) auftretenden Zahlen aus

1 2(5n-1)(15n-2),1 2(5n+1)(15n+2),1 2(7n-1)(21n-4),1 2(7n+1)(21n+4),1 2(11n-2)(33n-5),1 2(11n+2)(33n+5),

für n=0,1,2,⋯. (Für n=0 ist 1, 2, bzw. 5 nur einmal zu behalten.) Man erhält so u. a. die Kongruenzen

p(5m-1)≡0(mod.5),p(7m-2)≡0(mod.7),p(11m-5)≡0(mod.11)·

Für diese letzte Kongruenz wird noch ein direkter Beweis mitgeteilt.

So die ausführliche Besprechung Szegös von Ramanujans letzter Arbeit [Congruence properties of partitions. Lond. Math. Soc. Proc. (2) 18, XIX-XX (1920); Math. Zeitschr. 9, 147-153 (1921; JfM 48.0150.02)]. Einiges mehr über das Schicksal des unvollendeten Manuskripts findet man bei B. C. Berndt und K. Ono [Sémin. Lothar. Comb. 42, B42c, 63 p., electronic only (1999; Zbl 0932.11002)].

(Fast) keine WM hier

Sunday, April 25th, 2010

Die gelegentlichen Leser werden es schon bemerkt haben - eine zeitnahe, insbesondere parallele, WM-Kommentierung wird es diesmal hier nicht geben. Der einfache Grund ist ein voller Terminplan, insbesondere zu viele Sitzungen während der Übertragungen. Überdies sehe ich auch keinen Bedarf, da inzwischen sehr viele Seiten so etwas anbieten.

Zudem bin ich mindestens ein wenig sauer auf die bulgarischen Organisatoren. Nicht so sehr, dass es wegen der höheren Vulkan-Gewalt nur eine eintägige Kulanzverschiebung statt der beantragten 3 Tage gab, sondern eher über die stillose Art, wie sie den Antrag zunächst abfertigten. Es passt gut zu den Beleidigungen des Weltmeisters im Vorfeld (dass er sich nicht um Sponsoren kümmere etc). Bulgarien hat sich mit der Austragung bisher nicht als Platz fairen Wettbewerbs im Schach empfohlen. Daher möchte ich dieser WM nicht mehr als die nötige Aufmerksamkeit zukommen lassen (auch das Zustandekommen der Topalowschen Sonderrechte - falls sich noch jemand erinnert - war ja nicht sehr überzeugend).

Schachlich hatten die Partien einen großen Unterhaltungswert. Die erste hat eindeutig demonstriert, was Charakteristik und Crux des modernen Profischachs ist: Endlos lange auswendig gelernte Abspiele. Topalow hat seine Vorbereitung aus dem Gedächtnis heruntergezogen, Anand wohl die Züge verwechselt. Es ist übrigens genau das Problem bei Grünfeld, dass sich hier Schwarz viel mehr merken muss als Weiß, und selbst Anands Speicher war hier wohl am Überlaufen. Genau deshalb bleibt das Statement, dass die Eröffnung auf diesem Niveau sehr riskant ist und mindestens praktische Nachteile riskiert.

In der zweiten konnte Anand dann seine Stärken bringen: Obwohl er objektiv keinen Vorteil aus der Eröffnung holte, war die aktive Stellung (für den Minusbauern) und  insbesondere das Fehlen schwarzen Gegenspiels die Idealstellung. Topalow brachte sich vorbildlich um: kein Sitzfleisch (dank Schach ja eines der schönen deutschen Worte, die es ins Englische geschafft haben). Ein Zug wie 25….Se3?? ist schon sehr schräg.

Oskar Zariski 111

Saturday, April 24th, 2010

The money also made it possible for him to socialize and he began to go regularly to the Caffe Greco, where other mathematics and physics students (among them Enrico Fermi) gathered to gossip and play chess.

The pleasure that Zariski had taken as a child in his games of chess with Moses had, if anything, intensified over the years. He played countless games at the Caffe Greco with Beniamino Segre, a mathematics student and a nephew of the algebraic geometer, Corrado Segre, and occasionally he went to a chess club to test his skill against the best players in Italy. Once, to his great delight, he managed to beat a Master.

Nicht nur wegen dieser Stelle ist Carol Parikhs “The unreal life of Oscar Zariski” [Springer, Reprint (2009; Zbl 1158.14002)] ungeheuer lesenswert.

Robert Penn Warren 105

Saturday, April 24th, 2010

He is very feeble. Now and then he has the strength to play a game of chess, as he used to play with his friend Montague Irwin long ago in the long room in the white house by the sea. He used to be a very good chess player, but now his attention wanders. Or on good days now he sits in the sunshine. He can read his Bible a little.

(Aus. All the King’s Men.)

Carl Spitteler 165

Saturday, April 24th, 2010

Wir spielten viel Schach miteinander. Diese Partien waren lange, zähe Kämpfe mit wechselndem Gewinner, meist von der Dauer einer Stunde. Er dachte lange nach, ehe er zog, und ließ sich durch nichts ablenken. Dabei machte er ein Gesicht, das ganz anders war, als er sonst je aussah, sein “Schachgesicht”, womit ich ihn neckte.

Carl Spitteler in der Erinnerung von Leonhard Beriger.

Alejo Carpentier † 24. April 1980

Saturday, April 24th, 2010

El gesto entumecido de quien ha pasado toda la tarde moliendo las piezas del ajedrez con cara de jugador de pocker e reflejó (5,5 veces mayor) en la luna ovolada.

(Aus: Cuentos Cubanos).