Vom Schach lernen heißt siegen lernen (II)

Für unser sozialistisches Vaterland hohe Leistungen! Das ist besonders im 35. Jahr des Bestehens der DDR die grundlegende Orientierung von Partei und Regierung.

Die Erhaltung des Friedens im Spannungsfeld der gegenwärtigen Klassenkampfauseinandersetzungen in der Welt ist untrennbar verbunden mit der weiteren Stärkung der ökonomischen Leistungskraft unserer Republik und der Steigerung der ökonomischen Wirksamkeit von Wissenschaft und Technik.

Die notwendige hohe Dynamik und Effektivität der Produktion erfordert anspruchsvolle Zielstellungen und bedeutende Anstrengungen in den Hauptrichtungen des wissenschaftlich-technischen Fortschritts, wie sie vom X. Parteitag der SED bestimmt wurden. Das betrifft so entscheidende Gebiete wie die Mikroelektronik als eine Schlüsseltechnologie, die flexible Automatisierung, die Einführung der neuen Generation von Industrierobotern, besonders freiprogrammierbare, die bedeutende Produktivitäts- und Qualitätsfortschritte gewährleisten.

Hieraus ergeben sich auch zahlreiche Möglichkeiten der Mitwirkung für die Mitglieder des Deutschen Schachverbandes der DDR. So ungewohnt es klingen mag, aber gerade von unserer intensiven Denksportart aus können Initiativen für die Meisterung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts ausgehen. Das betrifft im besonderen die Erarbeitung einiger theoretisch-methodologischer Grundlagen für die Entwicklung künstlicher Intelligenz. Sie findet bereits in der ansatzweisen Programmierung von mikroelektronisch gesteuerten Schachcomputern durch Spitzensportler und Wissenschaftler unseres Verbandes ihren produktiven Niederschlag. Auch die Ausarbeitung von pädagogisch-psychologischen Lehrprogrammen für die computergestützte Schachausbildung als moderner Beitrag zur Erwachsenenqualifizierung, z.B. im sozialpsychologischen Training von Führungskadern sowie in der Förderung individueller und kollektiver Denkbeweglichkeit in Erfinderschulen von Seiten der Kammer der Technik der DDR, zählt dazu.

Nicht zuletzt sind auch die unterstützenden Bemühungen von Funktionären des Verbandes für die Einführung von Computern in Schulen unseres Landes zu erwähnen. Dazu werden gegenwärtig wissenschaftlich begründete Einsatzrichtlinien in Übereinkunft mit dem Ministerium für Volksbildung und der Akademie der Pädagogischen Wissenschaften der DDR erarbeitet.

Zur ideenreichen Mitwirkung sind alle Sportfreunde unseres Verbandes aufgerufen.

Bevor das Jubiläumsjahr ausläuft, sei  mit diesem Zitat daran erinnert, wie die unersetzlichen pädagogischen Werte des Schachspiels schon einmal einer fortschrittlichen Gesellschaft zum unaufhaltsamen Sieg verholfen haben.

11 Responses to “Vom Schach lernen heißt siegen lernen (II)”

  1. Mynona Zwo Says:

    Ich weiß nicht recht, was diese Zitiererei soll. Das hat doch schon damals niemand gelesen, geschweige denn ernst genommen. Wozu also jetzt diese nachträgliche ‘Aufwertung’? Soll damit die DDR erklärt werden? Das ist ähnlich kontraproduktiv wie sie einzig auf der Grundlage von Geschichts-Lehrbüchern und Parteitagsberichten ‘verstehen’ zu wollen, statt sich der DDR-Literatur, der DDR-Musik etc. zuzuwenden. Die Stoßrichtung hier scheint nun aber gegen das “Schulschach” zu gehen. Das kann ich auch nicht nachvollziehen, wenngleich ich, was den Effekt anbelangt, ebenfalls eher skeptisch eingestellt bin. Dennoch kann ich prinzipiell nichts Schlimmes daran finden. Man muss es natürlich nicht rhetorisch so hoch hängen. Man muss es aber auch nicht als Teufelszeug verdammen.

  2. Elvis Says:

    … aber dass jetzt niemand “Bönsch-Kauke” sagt!

    (NB: Vermisse ich den allfälligen Verriss? Ja, doch, vermisse ich.)

  3. MiBu Says:

    Nicht nötig, Elvis. Das Werk von Frau Dr. M.B.-K. wird schon von einem Schweizer names Walter Eigenmann (Glarean-Verlag) gepusht (DSB-website, Schachfeld, BdF-Forum und vielleicht noch anderswo. [Keine Ahnung, wie der Eidgenosse in die alte Seilschaft, (Pardon, Familienbande natürlich!) gekommen ist.] Weitere Erwähnungen dieses literarischen Juwels sind nicht mehr notwendig.

  4. Krennwurzn Says:

    Auf Schachfeld wird ganz heftig diskutiert:

    http://www.schachfeld.de/f42/marion-boensch-kauke-klueger-schach-10683/

    Die unkritischen Jubelgenossen sind schon ganz euphorisch - ich warte nur noch auf die Killeraussage: SCHACH beseitigt den KLIMAWANDEL!!

  5. tk Says:

    jedenfalls hat sich bönsch-kauke den neuen Zeiten angepaßt: statt “Die Erhaltung des Friedens im Spannungsfeld der gegenwärtigen Klassenkampfauseinandersetzungen” geht es jetzt um den “Kampf der Charaktere in der Kulturgeschichte” und «Orientierungsgrundlagen für erfolgreiche differentielle Entwicklungen von sozialen Beziehungen, Charakteren und kulturellen Werken”.

    Und Eigenmann backt auch keine kleinen Brötchen: “Wie weiland Luther seine «ketzerischen» Thesen an die Kirchenpforten schlug, so ruft also die deutsche Schachpsychologin in ihrem aufregenden «Thesen-Papier» ein Dutzend durchaus irritierende bis provozierende Denkanstöße”
    (Was meint er eigentlich mit irritierend und provozierend?)

  6. Stefan Says:

    Was hat denn der Schachbund für dieses Buch bezahlt? Ist das veröffentlicht?

  7. wilhelm Says:

    Sorry, ich hab’s noch nicht verstanden:
    Von wem und anlässlich welcher Gelegenheit zum Besten gegeben und vielleicht noch wo zu finden ist das Zitat oben (”Für unser sozialistisches Vaterland…”)?
    Danke schon mal für sachdienliche Hinweise!

  8. Permanent_Brain Says:

    Zum Bönsch-Kauke-Buch siehe auch

    http://forum.computerschach.de/cgi-bin/mwf/topic_show.pl?tid=1704

    wo es von den Postern anhand der Rezension - das Buch selbst kennen wohl nur wenige - vorwiegend eher kritisch gesehen wird, zumindest in einigen Punkten. Einer meint beispielsweise daß “fast alle negativen Aspekte ausgeblendet wurden”.

  9. OT Says:

    @all: Ist ja schön, dass mir das Schreiben des dritten Teils erspart bleibt - wird schon durch die Kommentare gut erledigt ;-)

  10. OT Says:

    @wilhelm: Für die genaue Stelle muss ich noch einmal mein Archiv aus Schach/84 durchwühlen, habe die Stelle m.W. 2006 (?p=123 !) provisorisch erfasst.

  11. OT Says:

    @stefan Ich weiß nicht, wieviele Informationen Eigenmann hat - ich zitiere hier mal genüßlich die Hall Of Shame Einleitung des Werkes:

    Zehn Jahre dauert es gewöhnlich, ehe man ein Könner im Schach geworden ist. Für das Verständnis der Psychologie braucht es das Vielfache, und auch das reicht noch nicht. Den Impuls zu dieser Megaexpertise gab Dipl. Jurist Ernst Bedau, Bundesrechtsberater des Deutschen Schachbundes e.V. Er wollte wissen, über welche gesicherten Ergebnisse aus wissenschaftlichen Untersuchungen wir zu Imagewerten des Schachs verfügen. Ihm ist es auch zu verdanken, daß die erfreuliche Zusammenarbeit mit dem Verleger des Leibniz Verlages, St. Goar, und Gründer der Deutschen Schachstiftung, Herrn Matthias Dräger, zustande kam.

    Die Herausgabe eines solch umfangreichen wissenschaftlich fundierten Werkes bedarf kompetenter Mitstreiter, die, der schachlichen Idee verpflichtet, gemeinsam das Beste geben. Ich hatte das Glück, viel-
    leicht auch Geschick, die richtigen Geistesgefährten für mehrere eige-
    ne schachexperimentelle Untersuchungen zu finden in den erfahrenen Schachtrainern Dr. päd. Ernst Bönsch (A-Lizenztrainer des Deutschen
    Schachbundes), GM Yuri Rasuwajew (Vorsitzender FIDE Trainers’
    Committee des Weltschachbundes) und GM Uwe Bönsch (Direktor
    der internationalen FIDE Trainer Academy Berlin). Unterstützung und
    Ideen gaben Horst Metzing (Generalsekretär der Europäischen Schach-
    union), Jörg Schulz (Geschäftsführer der Deutschen Schachjugend), Dr.
    Viktor Medwedjew und Prof. Viktor Zaretsky von der Universität
    Moskau, Prof. Arlene Zimny und Dekan Prof. Alfred Posamentier von
    der New York City University, Studienrat Joachim Gries (Vorsitzender
    der DSB-Ausbildungskommission), Frau Renate Krosch (ehemals
    Schachlehrerin an der Dr. Emanuel Lasker Schule Ströbeck), Dipl.-Ing.
    Frank Baumann, Dipl. Ing. Peter Trappmann (Landeslehrwart Bran-
    denburg) und Mitglieder der Deutschen Nationalmannschaften der
    Damen und Herren.

    Die Jahresabschlüsse des DSB gibt es hier.

    Die Ausgaben sehen mindestens für 2007 eine Kostenstelle 3095 in Höhe von damals € 1200 für ‘Auswertung wissenschaftlicher Untersuchungen zum Thema “SCHACH”‘ vor, allerdings ohne Namensnennung.

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