Beim Abschreiben erwischt
Da wir ja hier auch sporadisch das Verhältnis von Blogs zu “offiziellen” Medien kommentieren, sei der folgende kleine Fall mit aufgenommen, den dankenswerterweise Don Alphonso aufgespießt hat.
Gregor Peter Schmitz, Jahrgang 1975, ist Projektmanager eines Vorstandsprojektes der Bertelsmann-Stiftung. Dabei ist er u.a. zuständig für Politische Kommunikation.
Der Jurist und Politikwissenschaftler hat in München, Paris, Cambridge und Harvard studiert, wo er als McCloy-Stipendiat der Studienstiftung des Deutschen Volkes die John F. Kennedy School of Government absolvierte. Dort u.a. Mitarbeit bei Prof. David Gergen, Kommunikationsberater von vier US-Präsidenten. Promotion zur Gesetzgebung gegen Holocaustleugnung.Berufliche Erfahrung u.a. als Entwicklungshelfer in Lateinamerika, bei Gruner+Jahr, Paris sowie als langjähriger Autor und Kolumnist für SPIEGEL, SPIEGEL Online, Süddeutsche Zeitung, Cicero, ZEIT, Deutschlandfunk.
So eine Selbstvorstellung eines der typischen Überflieger, die ja so die neue Elite bilden sollen, jedenfalls das, was sich die Bertelsmann-Stiftung darunter vorstellt. München, Paris, Cambridge, Harvard, Studienstiftung - lange Jahre im Universitätsbetrieb (und viele Berufungskommissionssitzungen) haben mich gerade solchen Lebensläufen gegenüber sehr skeptisch werden lassen. Allzu oft (wie übrigens auch nicht selten bei typischen Schnellberufungen a la “jüngster Professor/jüngste Professorin Deutschlands”) steckt dahinter vor allem die Kernkompetenz von Lebenslauf- und Karriereoptimierung plus Netzwerkbildung. Mit der konkreten Leistung sieht es dann oft genug trübe aus.
Don Alphonso seziert das einmal exemplarisch anhand eines prominenten Obama-Hype-SPON-Artikels unseres Bertelsmännchens, der sich nahezu als 1:1-Übersetzung eines ( Monate alten!) Artikels der Washington Post erweist - ohne die Quelle sonderlich deutlich zu machen. Mehr noch, selbst auf Nachfrage und Hinweis hat man zwar den Verweis auf die Post etwas deutlicher gemacht, aber immer noch weit weniger, als ein übersetztes Zitat erfordern würde.
Skandal? Nun, es es ist einfach die Frage nach dem Selbstverständnis eines selbsternannten Leitmediums. Natürlich besteht inzwischen eine weitgehende Kopierkultur, die durch die technische Entwicklung befeuert wird. Desto wichtiger ist wäre aber zumindest die strikte Einhaltung der Qualitätsstandards an gewissen Stellen - bei der NYT etwa hat man Leute für so etwas schon vor die Tür gesetzt, beim Spiegel gibt es bislang noch nicht einmal eine Entschuldigung. Und auch den anderen deutschen “Qualitätsmedien”, die so gerne über die Kopiererei der Blogs herziehen, war dies scheinbar bisher noch nicht einmal eine Erwähnung wert.