The Truth Behind Obama (V)
Dann keine weiteren Bilder mehr - ich war hinreichend mit dem Rückzug beschäftigt
. Die Sammlung aus den ersten Beiträgen sollte als kleines Gegengewicht zur offiziellen Ikonenifizierung genügen. Die folgende Rede bot einen ziemlich seltsamen Mix aus grotesken und komischen Momenten - und bot durchaus Anlass zu “Hope” und “Change”, wenn auch nur durch die Showpannen, die selbst der scheinbar perfekten Obama-Inszenierung passierten.
1. Die Ansprache war praktisch nicht zu verstehen, zumindest nicht aus den nicht schalloptimierten Winkeln außerhalb der Straße des 17. Juni. Die langen Reihen der Lautsprecher waren mit einer gewissen Verzögerung untereinander geschaltet, so dass ein absurd langer, auf-und abschwellender Hall entstand, der fast nicht anderes als “umpta-umpta”… ankommen ließ. Alle Zitate aus den “Liveberichten” der anwesenden Starjournalisten dürften aus den vorab verteilten Drucken stammen.
2. Schon fast Fanmeilenstandard war die absurde De-Chronisation zwischen Großleinwand und Lautsprechern. Die Verzögerung betrug wohl zwischendurch eine gefühlte Sekunde - die Diskrepanz zwischen Lippenbewegungen und Ton machte einen wunderbar absurden Effekt, der die Inszenierung konterkarierte. Fehler in der Matrix
.
3. Eine besonders surreale Situation ergab sich dadurch, dass auch der zwischendurch aufbrausende Beifall dieselben Hall-Effekte, Verzögerungen und verschobenen Einsätze aufwies wie die Tonübertragung. Vermutlich kam dies schlicht dadurch zu Stande, dass die im Publikum verteilten Obama-Aktivisten ja schon genau wussten, wann sie klatschen und jubeln mussten, und es eine gewisse Zeit brauchte, bis die Umgebung das aufnahm. Da im inneren Zirkel in der Übertragungsnähe natürlich die meisten Claqueure konzentriert waren, kam ein Teil davon mit der entsprechenden Verzögerung dann über die Lautsprecher.
Für Außenstehende entstand dadurch aber der absurde Eindruck, es würde in schöner amerikanischer Tradition an den richtigen Stellen der Beifall eingespielt. Was man ja angesichts der ganzen Inszenierung auch nicht ausschließen kann.
Fazit: Eine dürftige Show eines Politikers ohne Inhalte, den niemand wahrnimmt, solange er nicht mit technischen Hilfsmitteln aufgespustet wird. Eine Theaterinszenierung für das Homeland mit ein paar zehntausend amerikanischen Komparsen, unter weitgehendem Ausschluss der Berliner Bevölkerung und strikter Ausgrenzung unerwünschter Meinungen.
Und dann sehe man einmal in die heutigen deutschen Zeitungen, wie über diese “historische Ereignis” berichtet wird. Es gibt zumindest einen perfekten Einblick in die von der Realität abgeschottete Welt der Journalisten, die alles dafür tun, um das Gefühl der Zugehörigkeit zum Machtzirkel zu haben. (Und ein kleines Argument dafür, warum Blogs als Gegenöffentlichkeit sinnvoll sein können - zumindest wenn sie nicht stromliniengeformte Bilder und Kommentare geben. Aber vielleicht irre ich mich ja, und wenigstens ein Großmedium bringt ein paar nicht inszenierte Bilder, die mit unseren hier vergleichbar sind?).
July 27th, 2008 at 1:34 am
Soviel zum Thema Vorschußlorbeeren.
Ich habe das Gefühl, selbst wenn die Rede ohne jedwede technische Hilfmittel und ohne Absperrungen (außer zur strikten Fernhaltung sämtlicher anderen Amerikaner in Berlin) stattgefunden hätte, daß Rank Zero trotzdem um nichts weniger kritisch urteilen würde.
July 27th, 2008 at 8:09 pm
Tja, rank zero ist halt von unglaublicher Zuverlässigkeit
.
Aber ich hätte doch mehr Nachsicht walten lassen, wenn man mir nicht einfach meinen lieben Vor(Tier)garten abgesperrt hätte. Ich teile ihn ja gerne und habe auch die Fanmeile geduldet, aber was zuviel ist…
January 3rd, 2009 at 9:43 pm
Heute habe ich übrigens den ersten tiefergehend Obama-kritischen Artikel einer deutschen Zeitung gelesen - und der musste auch aus den Niederlanden importiert werden.
January 4th, 2009 at 7:48 am
Wenn man Leon de Winter für tiefgehend hält, dann ja.
January 4th, 2009 at 11:32 am
Wenn das Folgende als “tiefergehend” durchgehen soll, dann gute Nacht!
“Als sich der Mann, den er als seinen spirituellen Mentor bezeichnet und von dem er den Titel einer seiner Autobiografien entlehnt hatte, der radikale Pastor Jeremiah Wright, als schwarzer Rassist und Antisemit entpuppte, konnte Obama die missliche Situation meisterhaft zu seinen Gunsten wenden. Er hielt eine Rede über Rasse und Rassismus, die zwar, im Nachhinein betrachtet, aus billigen Klischees bestand, aber von vielen als historisch bezeichnet wurde.”
Weiter habe ich dann nicht gelesen …
January 4th, 2009 at 11:40 am
“Tiefergehend kritisch” war die Wortfolge, nicht allein “tiefergehend”. Vielleicht sagen wir besser “radikal kritisch” (ein paar Sticheleien gab es ja).
Objektiver Neutralität fühlt sich Leon de Winter bekanntlich nicht verpflichtet. Leider enthält der Artikel mindestens einen nachweisbaren sachlichen Fehler (”Bevor die derzeitige Finanz- und Wirtschaftskrise ausbrach, lag McCain in den Umfragen weit vor Obama.” - es gab nur zeitweise einen relativ geringen Vorsprung) - es wäre also zu hinterfragen wieviel von seiner Einschätzung der einzigen administrativen Leistung O.s
zu halten ist - aber auch das ist eine Information, die bei allem Berichtsgetöse um den US-Wahlkampf es m.E. nie in die europäischen Medien geschafft hat. Hinsichtlich der Einschätzung des Ausmaßes der Korruption in der Chicagoer Politikszene sind sich alle einig, die ich dazu gefragt habe - hierzulande ist davon nicht soviel angekommen (erst jüngst mit dem Blagojevic-Skandal).
January 5th, 2009 at 11:00 am
Der Artikel hat das Niveau, das ich momentan von dieser Springer-Zeitung nicht anders kenne.
Ich schlage vor, diesen Menschen, wie es gelegentlich sogar manchmal in der Politik vorkommt, an seinen Taten zu messen. Wir werden es erleben und werden noch genügend Material zum Bashen bekommen