Zbl 2008

“Im Jahr der Mathematik zu neuen Rekorden” hätte es wohl früher im sozialistischen Wettbewerb geheißen - und tatsächlich trug die Explosion der Veröffentlichungszahlen chinesischer Autoren wesentlich zum quantitativen Wachstum bei.

Insgesamt wurden 112478 neue mathematische Forschungsartikel aufgenommen, für 105180 der Reviewing-Prozess abgeschlossen, in folgender Aufteilung auf Untergebiete (und Anwendungen mit Relevanz für die mathematische Forschung):
00 | Allgemeine Mathematik | 444
01 | Geschichte der Mathematik | 933
03 | Logik | 1757
05 | Kombinatorik | 2496
06 | Ordnungen, Gitter | 371
08 | allg. algebraische Systeme | 111
11 | Zahlentheorie | 2756
12 | Körpertheorie | 160
13 | Kommutative Algebra | 614
14 | Algebraische Geometrie | 1479
15 | Lineare Algebra | 705
16 | Assoziative Algebra | 1057
17 | Nichtassoziative Algebra | 633
18 | Kategorientheorie | 254
19 | K-Theorie | 87
20 | Gruppentheorie | 1642
22 | Topologische/Lie-Gruppen | 378
26 | Reelle Analysis | 774
28 | Maß & Integration | 325
30 | Komplexe 1-dim. Analysis | 1198
31 | Potentialtheorie | 186
32 | Komplexe mehrdim. Analysis | 598
33 | Spezielle Funktionen | 476
34 | Gewöhnliche Diff.gleichungen | 2832
35 | Partielle Diff.gleichungen | 5779
37 | Dynamische Systeme | 2416
39 | Differenz-, Funktionalgleich. | 776
40 | Reihen, Summierbarkeit | 116
41 | Approximationen | 606
42 | Fourieranalysis | 971
43 | Harmonische Analysis | 174
44 | Integraltransformationen | 79
45 | Integralgleichungen | 237
46 | Funktionalanalysis | 1483
47 | Operatortheorie | 1847
49 | Variationsrechnung | 1095
51 | Geometrie | 382
52 | Diskrete& konvexe Geometrie| 503
53 | Differentialgeometrie | 2034
54 | Allg. Topologie | 1155
55 | Algebraische Topologie | 323
57 | Mannigfaltigkeiten | 778
58 | Globale Analysis | 644
60 | Stochastik | 2793
62 | Statistik | 4774
65 | Numerik | 3980
68 | (mathematiknahe) Informatik | 9059
70 | Klassische Mechanik | 1251
74 | Mechanik deformierbarer Körper| 3712
76 | Strömungsmechanik | 6791
78 | Optik, Elektromagnetismus | 1025
80 | Thermodynamik | 784
81 | Quantenmechanik | 3382
82 | Statistische Mechanik | 2180
83 | Relativitätstheorie | 1518
85 | Astronomie | 462
86 | Geophysik | 393
90 | Operations Research, Optimierung| 6042
91 | Wirtschaftswissenschaften | 4982
92 | Biologie, Medizin | 2096
93 | Kontrolltheorie | 4116
94 | Informationstheorie | 2167

Wer also denkt, in der Mathematik wäre schon alles erforscht, weiß ja, wo er nachschauen kann.
Insgesamt sind damit 2.770.029 Artikel und Bücher seit 1868 erfasst (und wenn man die Seiten hintereinanderlegen würde, käme man…).
Die Differenz von 7000 Artikeln ist größtenteils auf die neue chinesische Kooperation zurückzuführen - sie stapeln sich nicht alle in den Räumen. Die meisten offenen liegen bei den Referenten, trotzdem ist es im Zuge des redaktionellen Prozesses unausbleiblich, dass ein gewisser Teil sich jeweils zur Erfassung, Verarbeitung und Verschickung jeweils in der Redaktion befindet (ich schätze mal, so 10.000-15.000 Forschungsarbeiten gleichzeitig, oder - durch die Bücher - mehr als eine Tonne Papier, und samt Laufzetteln mit Platzbedarf von mehreren Kubikmetern).

Immerhin ist man so schon aus physikalischen Gründen gehalten, schnell Dinge abzuarbeiten. Und auch aus dem Blickwinkel der jährlichen Sicherheitsinspektion ist mathematische Forschung vor allem eines: gefährliche Brandlast.

One Response to “Zbl 2008”

  1. OT Says:

    Ich habe übrigens mal mit 2007 verglichen: Den größten Zuwachs konnte ironischerweise das Gebiet 91 - also Spieltheorie, Finanzmathematik etc. vorweisen. Leider konnte trotz der intensiven Forschungstätigkeit der Crash nicht verhindert werden ;-) … genauer gesagt, selbst bei der korrekten Einschätzung der Situation und Voraussage haperte es.

    Dafür kann man freilich eine leichte Erklärung anbieten: In der reifenden Blase ist 91 ein zunehmend attraktives Spezialisierungsgebiet, weil die Leute hoffen, darüber am ehesten an lukrative Jobs bei Banken, Hedgefonds etc. zu kommen. Der Anteil der Forscher steigt deutlich bei gleichzeitig abnehmender Qualität der Publikationen (klarer Indikator: 3812 der 4982 Arbeiten lohnten nicht die Besprechung, sondern wurden nur per Summary erfasst). Da diese Effekte eindeutig auf die Überhitzungsphase passen, könnte man ja einen Zbl-91-Indikator für Börsencrashs definieren - allerdings besteht bei Publikationsdelays von nicht selten 2 Jahren die Gefahr, dass er zu spät Alarm schlägt :D .

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