Schuld sind die ganzen anderen
Wenn an Bundesligawochenenden deutschlandweit kein Liga-Betrieb stattfinden würde, hätten wir auch nicht immer am Sonntag noch weniger Zuschauer als am Samstag.
Klaus Bischoff macht die Verhältnisse klar - zehntausende Spieler in Deutschland haben gefälligst den Terminen des Häufleins jettender Osteuropäer auszuweichen, damit sich dann wenigstens 60 statt 40 Leute (Durchschnitt geschätzt) an den Spielorten herumdrücken.
Vielleicht könnte man - so als professionalisierter Verein, bevor man dergleichen Ansprüche stellt - erst einmal seine Hausaufgaben machen und dafür sorgen, dass wenigstens an den Samstagen eine kritische Masse zusammenkommt. Aber dann müsste man ja selbst arbeiten, statt die Schuld woanders zu suchen - und das ist beim Schachbundesliga e.V. offenbar nicht vorgesehen.
Eines hat man jedenfalls wieder klargemacht: Wenn nur ein winziges Fitzelchen eigener Vorteil herausspringt, dann sind der Schachbundesliga die Interessen des ganzen übrigen Amateurschachs in Deutschland egal. Gut, das haben wir schon lange gewusst - schließlich leiden ja seit Jahren gerade die unteren Ligen unter dem Chaos der höchsten Spielklasse, dessen Schockwellen durch die dauernden Rückzüge sich durch alle Spielklassen fortsetzen.
Wenigstens hier könnte man Abhilfe schaffen: Wer aus der Bundesliga zurückzieht, hat überregional nichts mehr zu suchen - damit hätte man dann wenigstens einen Teil der Dominoeffekte abgefangen. Die Landesverbände können dann ja selbständig entscheiden, ob sie die Reste der Trümmervereine dann noch in ihren Spielbetrieb eingliedern wollen.
April 6th, 2009 at 9:39 am
Zumal die obligatorische Internet-Liveübertragung einen Anreiz, die Bundesligakämpfe als Zuschauer mitzuerleben, entfallen lässt. Von Zuhause aus hat man einen viel besseren Überblick über die Partien eines Spielortes als vor Ort.
Mit Aufschubmodus-Bedenkzeit gibt es keinen Höhepunkt im Spannungsbogen (= 1. Zeitkontrolle) mehr wie früher.
Wer auch noch Eintrittsgeld kassiert - wie z. B. Werder Bremen -, kann wahrlich nicht erwarten, von Zuschauermassen überrannt zu werden.
April 6th, 2009 at 11:34 am
Aber es wird doch alles besser - immerhin steigt dieses Jahr doch tatsächlich der Letzte auch ab, das ist doch schon was ganz besonderes….
Das mit dem Rückzug sehe ich allerdings aus “Vereinssicht” nicht so hart. Ich finde es richtig, dass sich ein Verein zurückzieht, wenn die finanziellen Voraussetzungen nicht gegeben sind. Das ist immer noch besser, als sich sinn- und maßlos zu verschulden um zwei Jahre später zwangsabzusteigen und den Vereinsmitgliedern einen Scherbenhaufen, sprich Schuldenberg zu hinterlassen. (Im Profifußball leider fast an der Tagesordnung siehe Dresden.)
Eine andere Frage ist natürlich, ob man das Konzept der Bundesliga so entwickeln muss, dass man in einem reichen Land wie Deutschland Mühe hat, diese voll zu bekommen.
April 6th, 2009 at 11:48 am
Schulden kann ein Schachverein wahrscheinlich kaum machen. Ich glaube kaum, dass es eine Bank gibt, die einem Schachverein Kredit gewähren würde. “Finanzielle Voraussetzungen” bedeutet doch einfach nur das Vorhandensein eines Privaten, der bereit ist, sein Geld in einen Schachverein zu stecken. Anders als beim Fußball kann man ja als Schachbundesligist keine nennenswerten Einnahmen generieren. Keine Fernsehgelder, keine Transfererlöse, keine Werbeeinnahmen, keine Stadionvermarktung, praktisch keine Eintrittsgelder.
April 6th, 2009 at 12:06 pm
Noch ein weiterer Aspekt des vermeintlichen Besuchermangels am Sonntag:
Die Profiperspektive der Liga scheint mir hier die typische familiäre Situation des Amateurs auszublenden. Derzeit ist es doch so, dass an Schachwochenenden - wenn Sonntag Spieltermin ist - die Familie sich noch zähneknirschend bis verständnisvoll mit dem kaputten Wochenende abfindet und dann auch einen Samstagsbesuch gestattet.
Dass aber auch noch Wochenenden außerhalb des Spielbetriebs für Schach draufgehen, dürfte bei den Familien auf weit weniger Akzeptanz stoßen. Am Ende hat dann die geforderte Terminverschiebung womöglich den Effekt, dass auch am Samstag keiner mehr kommt.