JT(4)

Im August 1931 saß Cresspahl in einem schattigen Garten an der Travemündung, mit dem Rücken zur Ostsee, und las in einer englischen Zeitung, die fünf Tage alt war. [..] Er sah an seiner zerknitterten Zeitung vorbei auf einen Tisch in der sonnigen Mitte des Gartens, an dem eine Familie aus Meckenburg saß, jedoch in einer zerstreuten Art, als habe er seine veralteten Nachrichten satt.

Wir kennen das - am Ende des Tages wird Cresspahl mit einem gemieteten Auto dem Lieferwagen Albert Papenbrocks hinterherfahren,

über den Priwall, entlang der Pötenitzer Wiek, entlang der Küste nach Jerichow

- seiner Lisbeth hinterher. Und damit fängt eigentlich die Geschichte an, die natürlich keine glückliche wird, die Zeiten sprechen dagegen, und es gäbe sonst auch weniger zu erzählen.

Deutlich wird jener Augustnachmittag in Travemünde dennoch nicht; wir wissen, es ist zuviel Thomas Mann dabei. Die Forschung wird wohl herausgefunden haben, wo Vater Johnson (in jenen dreißiger Jahren immerhin beschäftigt auf dem landwirtschaftlichen Seminar zu Neukloster, ein sonst wenig namhafter Ort, doch Schachspielern wohlbekannt) die Woliner Bauerntochter traf - vorstellen kann ich sie mir kaum an der fast mondänen Swinemünder Promenade,

eher noch an der seichten Mündung der Dievenow, die dann ja auch der erste Heimatfluss wurde.

Ohnehin mag hier einiges durcheinander gehen -

Meine Mutter war 1931 fünfundzwanzig Jahre alt, die zweitjüngste von den Töchtern Papenbrocks

- denn eigentlich ist sie zwar die zweite, aber eben auch die jüngste. Wenn man es denn am Anfang alles schon genau wüsste (Wiederlesen gehört doch verboten).

Tiefer in Polen ist die Zeit manchmal so stehengeblieben, man findet doch müheloser achtzig Jahre zurück. Wieder in der Gegenwart, ist Gesines Gespräch in New York über die Chinesen, und in Berlin (fast ähnlich) über den stVBSK/VSKDSB:

Was macht der stellvertretende Vorsitzende der Bundesspielkommission und Vorsitzende der Schiedsrichterkommission des Deutschen Schachbundes?  Der stellvertretende Vorsitzende der Bundesspielkommission und Vorsitzende der Schiedsrichterkommission des Deutschen Schachbundes hat kurz vor der Saison noch einmal genau hingeschaut und eine seit langem benutzte Schachuhr zu einer nicht ordnungsgemäßen befördert. Das macht  der stellvertretende Vorsitzende der Bundesspielkommission und Vorsitzende der Schiedsrichterkommission des Deutschen Schachbundes.

2 Responses to “JT(4)”

  1. Nordlicht_70 Says:

    Na Klasse. Nun haben also alle Vereine, die sich auf Empfehlung (bzw. auf Verlangen!) des Herrn K. und Konsorten die DGT 2000 gekauft haben, die A…karte gezogen und dürfen sich erneut nach vielleicht 2-3 Jahren einen neuen Satz Uhren kaufen.
    So nebenbei: Es gab auch damals schon elektronische Uhren, die nur halb so teuer waren wie die DGT2000.

    Ich frage mich – wann kommt die nächste (sinnfreie) Regeländerung, die dann die derzeit empfohlene DGT2010 aus dem Rennen wirft?

    Man stelle sich das beim Fußball vor: Alle 3 Jahre wird von Funktionären per Regeländerung die Größe des Tores geändert, womit neue Kosten auf die Vereine zukommen. Natürlich wird jeder Verein gezwungen ganz bestimmte Tore einer ganz bestimmten Firma zu kaufen und nicht etwa die nur halb so teuren Produkte einer beliebigen Firma.

    Wie lange glauben die “Allmächtigen des DSB”, werden die Vereine diesen Schwachsinn noch mitmachen?

    Einen Gruß von einem STINKSAUREM Schachamateur
    (Entschuldigt bitte die etwas “defige” Ausdrucksweise.)

  2. WernerBerger Says:

    Zumal auch überhaupt keine Not bestand, eine Bedenkzeitregelung mit Inkrement - unter abermaliger Bedenkzeitverkürzung - einzuführen. Das angebliche “Problem” 10.2 betrifft nur einen Bruchteil der Partien, ist zudem “hausgemacht”, wenn man sich erinnert, dass in den oberen Ligen noch vor wenigen Jahren mit acht bzw. sieben Stunden Gesamtbedenkzeit gespielt worden ist.

    Aus dem Saisonheft der Oberliga Nord 2009/2010 geht nicht hevor, welches das für Änderungen der Turnierordnung der Oberliga Nord zuständige Gremium ist.

    Ein interessantes Detail:
    Im Anschriftenverzeichnis ist im “Spielausschuß” - das sind die Landesspielleiter der beteiligten Verbände - unter “Hamburg” immer noch Jürgen Kohlstädt aufgeführt, obwohl dieser vor beinahe 1 Jahr vom Amt des Landesspielleiters in Hamburg zurückgetreten ist und schon lange ein Nachfolger das Amt bekleidet. Auch unter diesem Aspekt darf das ordnungsgemäße Zustandekommen von Turnierordnungsänderungen in Frage gestellt werden.

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