Attraktiv bis zum GehtNichtMehr

Wie qualifiziert man sich als Ausrichter eines deutschen Pokalfinales? Nun, früher einmal durch starke Mannschaftsleistung und ein attraktives Ausrichtungsangebot von einem der vier Finalisten (letztmalig war dies bei Oos 2007 der Fall).

Seit den Vereinen allerdings vom DSB die Möglichkeit entzogen wurde, durch eine starke schachliche Leistung ihren heimischen Fans das spannendes Pokalfinalschach zu zeigen, ist das ausschlagebende Kriterium offenbar zweifelhaftes Geschäftsgebaren. Der wohl unrühmlichste Spielort der letztjährigen Ramada-Serie war Halle, wo man durch eine sehr seltsame Preispolitik auffiel.

Offenbar Grund genug  für die Entscheider des Schachbunds, als Belohnung für soviel unternehmerischen Ehrgeiz gleich das Pokalfinale dahin zu vergeben (wobei die Lokalität nunmehr schamhaft unter dem TREFF-Namen segelt, sämtliche geographische Übereinstimmungen sind natürlich rein zufällig). Offenbar hat man jetzt auch soviel gelernt, dass man den passiven Widerstand der Vereine von vornherein abschneidet und lieber gleich das Hotel vom Beitragsgeld mästet (die Pflicht-Gala wird aus den Schachbund-Kassen bezahlt, die Teilnehmer trifft’s nicht mehr so hart, und die betroffenen Mitgliedern wehren sich eh nicht).

Dummerweise hat man sich nicht entblödet, den sportlich Qualifizierten neben den Galagetränkekosten auch wieder die berühmten Verzehrgutscheine aufzudrücken (selber  schuld, wer sich qualifiziert). Auch die werbliche Unterbringungsempfehlung, die in einer rein sportlichen Ausschreibung eines (formal noch) gemeinnützigen Verein nun wirklich nichts zu suchen hat, steht trotz massiver Kritik aus dem letzten Jahr wieder drin.

Neu dagegen sind Eloauswertung (was u.U. mannschaftsdienliches Spielen im Pokal wie das Verzicht auf ein stellungsgemäßes, aber unnützes Remis bestraft, davon abgesehen, dass die Auslosung einigen Spielern pokaltypisch lange Schwarz- oder Weißserien bescheren kann, ebenfalls mit Wertzahlverzerrungseffekten)  und - tataaa! - die Null-Toleranzregelung.

Ja, richtig - zwar wurde die Brachialmethode in einem letzten Aufwallen von Basisdemokratie in den Meisterschaften abgewehrt, beim Pokal aber durfte sich der Bundesturnierdirektor austoben - und zeigt zudem, dass er weder etwas gelernt hat, noch sich seiner allgemein als peinlich empfundenen Winkelzüge schämt (sein Verständnis von Wahrheit in diesem Zusammenhang wird ja öffentlich unwidersprochen als Flunkerei charakterisiert).
[Nota bene: Mit der gleichen Wahrheitsliebe reagierte selbiger baß erstaunt im Juni 2009,  als ihm die Proteste der Mannschaftsfinalisten gegen die trostlosen Zustände beim Kasseler Finale um die Ohren flogen - dass ihm die Kritik an den Pokalbedingungen spätestens seit September 2008 durch den Greifswalder Mannschaftsleiter zugegangen waren, musste er da schon vergessen haben.]

Ausgesprochenes Ziel all dieser Maßnahmen (Verzehrgutschein, Ausrichtungsenteignung, Null-Toleranz etc.) war, “den Wettbewerb attraktiver zu machen” (O-Ton DSB). Da hat man ja nun alle Register gezogen, und die Vereine stürmen den Wettbewerb  (oder stürmen sie doch eher aus dem Wettbewerb?). In der Effizienz, eine funktionierende Traditionsmeisterschaft innerhalb von drei Jahren zu ruinieren, dürfte der Deutsche Schachbund schwer zu übertreffen sein.

Aber, Jungs: Solltet ihr die Absicht haben, weiteren Wettbewerben einen Attraktivitätsschub zu verpassen: Lasst es. Kaputt kriegen wir die schon alleine, etwas weniger schmerzhaft, und zumindest ohne dass sich jemand die Taschen dabei füllt.

23 Responses to “Attraktiv bis zum GehtNichtMehr”

  1. Stefan Says:

    Beeindruckend, mit welch langem Atem du dieses Pokalthema beackerst.

  2. division_by_zero Says:

    Zum Thema Eloauswertung: Die aufgeführten Argumente treffen m.E. allgemein für Mannschaftswettbewerbe zu, auch bei einem Ligawettkampf kann es immer wieder passieren, dass man beim Stand von 3:4 mannschaftsdienlich auf ein stellungsgemäßes Remis verzichtet und verliert; und auch wenn lange Schwarz- oder Weißserien im Pokal eher auftreten können (nicht nur wegen der Auslosung, sondern auch weil die Aufstellung frei gewählt werden kann und daher im Mannschaftssinne manche Spieler eher mit Weiß, andere eher mit Schwarz aufgestellt werden), sind stark unausgewogene Farbverteilungen auch im Ligaspielbetrieb möglich (ich habe z.B. in zwei aufeinanderfolgenden Spielzeiten die Farbverteilungen 1:8 und 2:7 gehabt, und dabei haben wir keine Legionäre aus Polen oder Schweden eingeflogen).

    Der Rest (Zusammenlegung von Pokalendrunde mit Ramadacup) ist hier schon ausgiebig diskutiert worden, daher fasse ich mich kurz:
    Grundsätzlich spricht ja nichts dagegen, alternative Austragungsformen zu testen, aber wenn dies mit Absenkung bestimmter Standards (keine Liveübertragung, Getränke nicht umsonst, sondern zu Mondpreisen) verbunden ist und dies von den beteiligten Vereinen moniert wird, sollte der DSB darauf reagieren und auf die eine oder andere Weise dafür sorgen, dass der alte Standard wieder gewährleistet ist (was auch bei einer Austragung zusammen mit der Ramadacup-Endrunde möglich sein sollte).

  3. OT Says:

    @Stefan: Danke, ich wollte es eigentlich nur mal abgeschlossen haben. Es war halt eine Entwicklung mit Ansage, die von den Beteiligten wider besseres Wissen und entgegen rechtzeitigen Warnungen durchgedrückt wurde. (Es wäre übrigens etwa mal interessant zu wissen, ob der Bundesturnierdirektor die Einsprüche der beteiligten Vereine dem Präsidium zeitnah zur Kenntnis gebracht hat, wie es eigentlich seine Pflicht gewesen wäre.)

    @ division_by_zero: Natürlich hast Du recht, allerdings treten bei 4 Brettern im Pokal die angesprochenen Situationen naturgemäß viel häufiger auf. Das Argument “Der Pokal ist unattraktiv, weil er nicht Elo-ausgewertet wird” lässt sich jedenfalls mit der aktuellen Meldesituation nicht erhärten.

  4. Nordlicht_70 Says:

    Aber Olaf, die ELO-Zahl ist doch eh’ nur Schall und Rauch, wie du schon so oft erklärt hast. ;-)

  5. OT Says:

    Stimmt, aber es kostet Geld. Hier gehen für Schall und Rauch wieder Gelder dem Schach verloren.

  6. division_by_zero Says:

    Inwiefern kostet es Geld? Laut FIDE-Finanzordnung zahlen die Verbände nicht für jedes elo-gewertete Turnier, sondern pauschal einen Euro pro Eloträger und Jahr (aber maximal 1500 Euro jährlich, so dass man dem DSB zumindest nicht vorwerfen kann, er verschwende Geld, wenn er verstorbene Eloträger teilweise jahrelang nicht bei der FIDE abmeldet).
    Für die Saison 2010/11 gibt es übrigens eine Änderung der Turnierordnung; die Bundesligisten sind nicht mehr automatisch qualifiziert, sondern nur noch der Titelverteidiger, die Vertreter der Landesverbände (13*2 + 4*1) sowie der Blindenschachbund.

  7. OT Says:

    Punkt 9 der FIDE-Finanzordnung bezieht sich nur auf die ständigen Beiträge, entbindet aber m.W. nicht von der im Punkt 12 genannten Registration fee:

    Team Tournaments: 1 Euro per player, no maximum

    Beim Pokal natürlich besonders schlechtes Preis/Leistungsverhältnis, weil die meisten Spieler ja nur eine Partie dabei sind.

  8. OT Says:

    Die Änderung der Regel für die Bundesligisten ist sehr bemerkenswert, da man sie schön in den Zusammenhang mit dem wenigstens partiellen Widerstand der SBL gegen die Verbandswillkür stellen kann.

    Ich muss mal in den Mails von vor einem Jahr nachkramen, wo Herr Alt noch (sinngemäß) verlauten lies, man müsse zur Steigerung der Attraktivität des Pokals mehr den Top-Mannschaften entgegenkommen, weil sich ja niemand für das lausige Trampelschach von Dorfvereinen interessieren würde, die sich nicht mal ausländische Großmeister leisten können.

    Jetzt werden die Bundesligisten völlig rausgegrault. Was ist passiert?

    Nun, sie haben in der Zwischenzeit bei ein paar Gelegenheiten (Karenzzeit) wenigstens etwas Rückgrat gegenüber den willkürlichen Ansinnen der Geisterfahrer von der DSB-Spitze bewiesen. Jemand wie der Bundesturnierdirektor kann da vermutlich gar nicht anders als übel nachtreten, völlig unbeeindruckt davon, was er gestern noch als Ziel verkündet hat.

    Das üble Schreiben des Herrn zur Karenzzeit ist eigentlich eine Schande für jedes DSB-Mitglied, nämlich weil so jemand überhaupt zu so einer Position kommen konnte und selbst nach dieser Sudelschrift kein kollektiver Aufschrei gegen seinen Verbleib erfolgt.

  9. division_by_zero Says:

    Punkt 12 habe ich in der Tat übersehen. Allerdings gibt es auch da eine Obergrenze (15000 Euro pro Jahr), und angesichts von 386 ausgewerteten Turnieren im Jahr 2009 halte ich es für sehr wahrscheinlich, dass der DSB diese Grenze bereits erreicht hat (zumal die FIDE sich bei Rundenturnieren und Zweikämpfen nicht mit einem Euro pro Teilnehmer begnügt, sondern abhängig vom Eloschnitt zwischen 50 und 300 Euro kassiert) und damit (eine vergleichbare Zahl an ausgewerteten Turniere für 2010 vorausgesetzt) keine zusätzlichen Ausgaben entstehen (nachgerechnet habe ich das allerdings nicht).

  10. Pulitzer Says:

    Passt nicht ganz zum Thema, aber vor lauter Literatureinträgen fällt es schwer, einen passenderen Beitrag zu finden. (Okay, ich bin zu faul zum Suchen)

    In der Bundesliga sind ja bekanntlich Remisangebote vor dem 20.Zug verboten. Damit sich auch jeder gefälligst dran hält, wird nun durch die TL mit der Keule geschwungen: 300 EUR (!) Strafe für ein Remis vor dem 20. Zug, ab dem 3. Wochenende wird die Partie mit 0:0 gewertet (verlieren eigentlich dann auch beide Spieler Elo-Punkte?!). Mich würde mal interessieren, was die betroffenen BL-Vereine dazu sagen.

    Was kommt als nächstes? Meine Vorschläge:
    Kugelschreiber vergessen = 50 EUR
    Aufs Klo gehen, ohne sich beim Schiedsrichter abzumelden = 100 EUR
    Partieformular unleserlich ausfüllen = 5 EUR pro Zug

    Es ist doch der Wahnsinn, oder?

  11. WernerBerger Says:

    Wenn eine solche Partie für beide Spieler als verloren gewertet wird, zählt sie sowohl hinsichtlich der DWZ-Auswertung als auch in bezug auf die ELO-Auswertung ebenfalls als verloren, denn die Partie hat ja tatsächlich stattgefunden und ist keinesfalls als kampflos (-:-) anzusehen.

  12. OT Says:

    Ich wusste ja nicht, dass es dort finanziell schon so schlecht steht und sie nach den letzten Strohhälmchen greifen müssen…

    Im Ernst, hier versagt das Verständnis für die Maßnahmen. Es ist schließlich nicht zu sehen, inwieweit derlei Willkür zur Durchsetzung der Regel sinnvoll ist - schließlich muss einfach nur der Schiedsrichter den Remisschluss nicht anerkennen. Die Partie ist nicht beendet, es läuft die Uhr dessen weiter, der am Zug ist. Wozu bedarf es einer Geldtrafe oder eines 0:0?

  13. OT Says:

    Es ist noch eine Korrektur nachzutragen: Der entsprechende Punkt war schon lt. Jürgen Kohlstädt in der <a xhref=”http://schachbund.de/intern/ordnung/turnierordnung/turnierordnung_20080429.pdf” mce_href=”http://schachbund.de/intern/ordnung/turnierordnung/turnierordnung_20090726.pdf” rel=”nofollow”>Schachbund-TO</A> (Seite 79 Pkt. 6, Unterpunkt 1.58) von Anfang an vorgesehen. Die <a xhref=”http://schachbundesliga.de/pics/download/1_1254954505/SchachBLeV-Turnierordnung-Stand-110109.pdf” mce_href=”http://schachbundesliga.de/pics/download/1_1254954505/SchachBLeV-Turnierordnung-Stand-110109.pdf” rel=”nofollow”>TO der Schachbundesliga </A> hat nur 12 Seiten, wo es nicht drin steht. (Lustig, dass da jetzt zwei Ordnungen gelten. Es wäre interessant zu wissen, ob das den Vertretern der Schachbundesligavereine bewusst war, was sie da so beschließen. Die Formulierung in der DSB-Ordnung spricht mehr dafür, dass sie eher formal ausgerichtete Leute unabgestimmt hineingeschrieben haben - da gibt es ja auch einige Spezialisten im Schachbund, die sehr gut darin sind, nachträglich und unter Ausschluss der Öffentlichkeit sich die Ordnungen und Protokolle nach Gutdünken und Interessenlage zu verfassen).

    Die Regelung ist in der 1. Runde nicht angewandt worden und war offenbar auch den Schiedsrichtern nicht bewusst (s. Fall <a xhref=”http://schachzoo.twoday.net/20091019/” mce_href=”http://schachzoo.twoday.net/20091019/” rel=”nofollow”>Abel-Skripchenko</A>, auch Ilja S. scheint die Passage bei der Nachbearbeitung nicht aufgefallen zu sein). Jetzt steht sie jedenfalls da.

  14. Nordlicht_70 Says:

    Also Regeln, deren Nichbefolgung nicht sanktioniert werden sind sinnlos. Die Frage ist: WIE wird sanktioniert? Der Vorschlag von OT scheint mir etwas mehr aus dem Leben gegriffen. (Obwohl es hier Diskussionen geben könnte in der Art, beide haben die Figuren wieder in die Grunstellung gebracht - sprich Figuren verschoben. Das korrekte Aufbauen geht aber zu Lasten nur eines Spielers. Doch auch hier findet ein Schiri eine Lösung.)

    Eine andere Frage ist die nach der Regel selbst. Für mich ist unverständlich, dass manche Funktionäre so tun, als ob Spieler mit BL-Niveau nicht in der Lage sind, 20 Züge einer ambitionslosen Remisvariante (auch ohne vorherige Absprache) fehlerfrei auf’s Brett zu bringen. (Das sie das können, hat z.B. seinerzeit das Turnier in Berlin doch eindrucksvoll bewiesen. ;-) )

    Ich würde übrigens gerne mal sehen, was passiert, wenn Spieler ab dem 12 Zug eine Zugwiederholung spielen und diese nicht nach der 3. sondern vielleicht erst nach der 9. Stellungswiederholung und damit jenseits des 20. Zuges reklamieren.

  15. division_by_zero Says:

    Abgesehen davon sehen die FIDE-Regeln durchaus mögliche Strafen für Regelverstöße vor (beginnend bei Verwarnungen über Zeitstrafen bis hin zum Partieverlust), die der Schiedsrichter vor Ort in diesem Fall verhängen kann.

  16. derdave Says:

    >Die TO der Schachbundesliga hat nur 12 Seiten, wo es nicht drin steht.

    Hmm, auf Seite 10 gibt es den neu eingefügten Punkt 19.

  17. OT Says:

    Oh, danke! [Update] Mit “es” meinte ich die konkreten Strafen, nicht das Verbot als solches. Geldstrafe und Partieverlust stehen nur beim Schachbund.

  18. derdave Says:

    Wenn mit “es” die konkreten Strafen gemeint waren, fragt man sich, was der Vergleich im Vorsatz mit der TO in Bezug auf “es” und “Strafen” meint. Auch in der mir vorliegenden ausgedruckten Form, die ich als Schiedsrichter bekam, ist nicht von konkreten Strafen die Rede. Ich sehe die von Herrn Kohlstädt verschickte E-Mail als Hinweis und letztendlich Vorteil für Spieler, Vereine und Schiedsrichter, damit die Strafen einheitlich sind (und damit weniger von Einschätzung des Schiedsrichters abhängig).
    Wie auch schon Nordlich_70 schrieb: “Also Regeln, deren Nichbefolgung nicht sanktioniert werden sind sinnlos.”

    Auszug aus der E-mail von Herrn Kohlstädt:
    “3.) Möchte ich darauf aufmerksam machen: In der 1.Schachbundesliga gibt es einen neuen TO-Punkt (Seite 79 Pkt. 6, Unterpunkt 1.58) Es ist den Spielern verboten, vor Vollendung des 20. Zuges ohne Zustimmung des Schiedsrichters remis zu vereinbaren.

    Einige Spieler haben in der 1.Runde dagegen verstoßen (die Vereine scheinen hier Ihrer Mitteilungspflicht gegenüber Ihren Spielern nicht oder mangelhaft nachgekommen zu sein.

    Ab der 2.Runde werde ich in solchen Fällen Geldbußen in Höhe von 300,- € verhängen (pro Partie) ab der Dezember Runde werden solche Partien zusätzlich durch die Schiedsrichter mit „0 -0“ gewertet.

    Bitte Informieren Sie Ihre Spieler diesbezüglich bevor es hier zum Eklat kommt.”

  19. Pulitzer Says:

    Natürlich muss es Strafen geben, wenn eine Regelung nicht befolgt wird, aber da gibt es doch auch erst mal “sanftere” Möglichkeiten, wie z. B. Ermahnung oder eine Zeitgutschrift für den Gegner.

    Es gibt in letzter Zeit eine beunruhigende Tendenz, jegliches Fehlverhalten mit dem Holzhammer bestrafen zu wollen, sei es Handyklingeln, Zuspätkommen und aktuell zu frühe Remisangebote. Ich halte das für eine weit überzogene Strafandrohung, Einheitlichkeit hin oder her. Es muss doch auch die Verhältnismäßigkeit gewahrt bleiben. Wenn jemand seinen Gegner mit einem Faustschlag niederstreckt oder sich von Shredder auf dem Klo Hinweise geben lässt, gehe ich mit einem Partieverlust sofort konform.

    Wenn GM X ein Remisangebot im 18. Zug rausrutscht,ist das doch wohl eine ganz andere Dimension, oder?

  20. OT Says:

    Gut, noch einmal zurück - tatsächlich gab es bei mir ein Missverständnis der email, nämlich dass der genannte Punkt schon die angedrohten Strafen enthält (naiverweise war ich der Meinung, dass selbst sattsam bekannte Leute nicht ohne wenigstens eine Rückendeckung der Turnierordnung Strafen aus dem blauen heraus erfinden können).

    Dies ist nicht der Fall. Da keine Strafen in der TO vorgesehen sind, hat der Schiedsrichter nuur die Möglichkeit, den Remisschluss für nichtig zu erklären und die Uhr laufen zu lassen.

    Die Kohlstädtsche Ankündigung ist nicht von dem Abschnitt “Spielsperre, Geldstrafen, Strafen während der Wettkämpfe” (Anhang der TO) gedeckt, sondern frei erfunden. Falls die Strafe verhängt wird, ist dies ein klarer Regelbruch.

    Demnächst findet ja vielleicht ein größenwahnsinniger Schiedsrichter, der der Meinung ist, das Remisgebot müsste mit öffentlicher Verbrennung geahndet werden.

  21. derdave Says:

    Schon bemerkenswert, wie die Diskussion hier läuft: Von (angeblich) unterschiedlichen Ordnungen über die Höhe der Strafen zur Relevanz der Strafen. Zum letzten Punkt mal meine Anmerkung:

    >Demnächst findet ja vielleicht ein größenwahnsinniger Schiedsrichter, der der Meinung ist, das Remisgebot müsste mit öffentlicher Verbrennung geahndet werden.

    Nett übertrieben, aber meiner Meinung sachlich falsch. Wenn überhaupt reden (bzw. eher schreiben) wir hier nur über den Anteil der 300 Euro der Ankündigung von Herrn Kohlstädt, die nicht durch den Anhang der TO gedeckt ist. Der für den Schiedsrichter wichtigere Partieverlust selbst ist Bestandteil der FIDE-Regeln in 13.4d und sicherlich sind die FIDE-Regeln eine der Ordnungen, die der Schiedsrichter gemäß $25 Punkt 5 der Satzung anwenden darf. Von öffentlicher Verbrennung lese ich da nichts, auch wenn der Rahmen der Strafen bis 13.4g geht…

  22. TB Says:

    Das Schlimme ist zudem, dass sich diese sinnlose Regel so einfach umgehen lässt. Am Wochenende haben das mindestens die Herren Frübing und Fiebig (Bundesliga, Tegel - Emsdetten) vorgeführt. Durch Stellungswiederholung wird es Remis im 19. Zug.

    Auch die Regellage ist insgesamt absolut konfus. Der Regeltext verbietet ja den Remisschluss nur, wenn dieser “ohne Zustimmung des Schiedsrichters” erfolgt. Was heißt das? Bei Fällen wie Zugwiederholung oder gar Patt ist natürlich keine Zustimmung des Schiedsrichters erforderlich - hier ergibt sich der Remis-Anspruch für mindestens einen Spieler aus den grundlegenden Spielregeln. In Fällen “normaler Remisvereinbarung” soll der Schiedsrichter also das letzte Wort haben - aber wie? Soll er etwa einschätzen, ob die Stellung noch spielenswert ist? In welchem Fall sollte er denn überhaupt dem Remis zustimmen? Wenn ich den neuen/ergänzten Regeltext richtig interpretiere, hat er nur noch die beiden Lösungen “Zustimmung zum Remis” oder “Beiderseitige Verlusterklärung”. Die - wenn die Regel schon steht - sinnvollste Variante “Weiterspielen lassen” geht offenbar gar nicht mehr!?

  23. OT Says:

    Habe jetzt doch einen eigenen Thread dazu aufgemacht: http://rankzero.de/?p=4220

    Wir können uns einigen, dass wir “nur” über € 300 reden - allerdings würde ich das “nur” weglassen, denn erstens ist das für viele Menschen schon eine Menge Geld für ein versehentlich zu früh vereinbartes Unentschieden, und zweitens (und vor allem) bleibt es dabei, dass dies eine einsame Ankündigung ist, die m.E. von der Ordnung nicht gedeckt ist.

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