Silbernes Zeitalter
Bei einem Kampf der 1. Runde in der NRW-Klasse gab es Schwierigkeiten beim Einstellen der vom Gastgeber benutzten Uhren vom Typ SchachTimer „Silver“. Die verwendeten Uhren stammen aus der Zeit vor der FIDE-Zertifizierung des SchachTimers und lassen im Modus 10 keine Programmierung einer dritten Spielphase zu. Der Kampf wurde für die Gastgeber mit 0:8 gewertet.
So berichtet vom Schachschiedsrichter NRW, wo auch vorbildlich die Information vorliegt, dass Modelle des Silberzeiters vor 2007 ungeeignet sind (unklar, ob dies durch Versionsnummer für einen arglosen Käufer erkennbar ist). Wäre mal lustig - wenn auch schwierig im Nachhinein - zu überprüfen, wie lange dies Zeug trotzdem noch vom Schachbund vertrieben und empfohlen wurde.
Auch die meisten derzeitigen Modelle auf dem Markt lassen noch genügend Raum für Neubeschaffungsoptionen - so etwa die Möglichkeit, den Zugbonus in Abhängigkeit von der Spielphase frei zu programmieren. (Mal davon abgesehen, dass ja vielleicht die Organisationen in Absprache mit den Herstellern auch auf die Idee kommen könnten, nun in jedem geraden und Primzahlzug, oder nach einem Zufallsgenerator den Bonus zu vergeben).
Naja, wir wissen ja, dass das Goldene Zeitalter des Schachs vorbei ist - aber wir können uns trösten, wenigstens im Silbernen zu leben, genauer, im Goldenen der Uhrenhersteller.
December 2nd, 2009 at 2:50 pm
Ich denke nicht, dass es sinnvoll erscheinen kann, innerhalb einer Partie unterschiedliche Boni zu gewähren. Es bereitet auch Schwierigkeiten, einen Bonus nicht ab Zug 1, sondern ab einem anderen Zeitpunkt/ einer anderen Zügezahl zu gewähren, da sonst im Extremfall ein Spieler auf eigene Zeit die Notation vervollständigen muss, obwohl ihm dafür nur 30 Sekunden zur Verfügung stehen.
Zum Ausgangsfall:
Mir ist unbegreiflich, dass der Schiedsrichter nicht auf die Idee verfallen ist, die dritte Spielphase nicht schon bei Partiebeginn, sondern erst während der zweiten Spielphase manuell bzw. unter Zuhilfenahme einer Ersatzuhr einzustellen.
December 2nd, 2009 at 6:25 pm
Mmmhh, so sinnfrei erscheint mir das nicht. Es wäre doch auch möglich, die Bedenkzeit folgendermaßen zu regeln: 2h für 40 Züge, 1h für weitere 20 Züge, 15min +30 sec / Zug bis zum Ende der Partie.
)
Vorteil: 1. Man hat die Bedenkzeit nicht verkürzt
2. Man hat seine “Action” während der Zeitnotphase (ok, ist nicht allen willkommen
3. 10.2 entfällt wegen Mitschreibpflicht bis zum Ende
Die 15 min (schon 3 min) reichen locker, um die Partie vom Formular des Gegners abzukritzeln - schreiben beide nicht mit, wird die Uhr sowieso angehalten.
Diese Bedenkzeit kann aber wohl (derzeit) weder die Silver noch die DGT’s. Psst, nix verraten, sonst müssen wir uns nächste Saison wieder neue Uhren kaufen….
Zum Ausgangsfall: Abgesehen vom Für und Wider Inkrement - hätte man diese Bedenkzeit mit Vorlauf von sagen wir 3 Jahren eingeführt, hätte man einige “Kollateralschäden” vermeiden können, weil man ganz sicher auf die Probleme gestoßen wäre, ohne Kosten und sportliches Chaos (Punktverlust) zu verursachen. Was hier angerichtet wurde, wird wohl langsam klar, wenn man sieht, dass die neue Bedenkzeit neben der DGT2000 auch für einige Modelle der Silver - beide Modelle als FIDE-zertifiziert verkauft! - das Aus bedeuten.
December 2nd, 2009 at 7:31 pm
Nein, es geht nicht.
Wenn es Zeitzuschlag ab dem 61. Zug von Weiss geben soll, wird wiederum den Spielern vor dem Blättchenfall signalisiert, dass die erforderliche Zügezahl geschafft ist.
Und wenn es Zeitzuschlag ab dem 1. Zug nach dem Blättchenfall geben soll, bekommt u. U. (systemwidrig) als erster Schwarz den Zeitzuschlag.
December 3rd, 2009 at 12:19 am
Es ist schon erstaunlich, wie kompliziert so eine Bedenkzeitregelung sein kann…
Die derzeitige Bedenkzeit 1h 30 min + 30 min (+30s/Zug), also mit Inkrement ab dem 1. Zug, soll es m.E. auch ermöglichen, dass die Spieler die Partie immer mitschreiben können. Bei einem Mannchaftskampf geht das ja vielleicht noch, aber bei einem großen Turnier mit X Zeitnotschlachten ist so was natürlich für die Schiedsrichter recht anstrengend.
Zum oben genannten Fall: ich finde es auch ein Unding, dass hier nicht eine salomonische Regelung getroffen und die zweite Spielphase manuell eingestellt wurde. Möglicherweise wären die Partien auch gar nicht über den 60. Zug hinaus gegangen? Soll auch schon vorgekommen sein.
December 3rd, 2009 at 3:52 am
Die (nachvollziehbare) Argumentation im Kölner Fall:
Der gastgebende Verein ist für funktionsfähiges Spielmaterial verantwortlich.
Die neue Bedenkzeit war seit mehr als 3 Monaten bekannt; in der Zeit hätte durchaus jemand im Verein auf die Idee kommen können, zu probieren, wie die Uhren sich auf diesen Modus einstellen lassen. Zumal bei der Silver, die eben nicht intuitiv zu bedienen ist.
Schuld ist demnach nicht (oder nicht nur) die falsche Materialbeschaffung, sondern die Schlafmützigkeit des Vereins.
December 3rd, 2009 at 9:24 am
Zufälligerweise ist der SR in dem 0:8 gewerteten WK Vereinskollege von mir. Er hat mit erzählt, dass die Uhren tatsächlich früh genug beschafft, aber dann nur in den Schrank gestellt worden sind, um sie kurz vor dem match wieder rauszuholen. Mit der Bedienung hatte sich niemand beschäftigt. Alle Versuche, den korrekten Modus einzustellen (woran er als SR selber mitprobiert hat - wenn auch ebenfalls erfolglos) scheiterten, so dass regeltechnisch gar keine Alternative zu der 0:8-Wertung blieb.
December 3rd, 2009 at 10:29 am
Rise of the Silver Timer - sind diese programmierbaren Schachuhren eigentlich von Artikel 12 Punkt 3b der FIDE-Regeln ausgenommen ?
December 3rd, 2009 at 10:31 am
Oh ich, seh gerade, es gibt da verschiedenste Numerierungen. Ich bezog mich auf http://www.berlinerschachverband.de/wiki/FIDE_Schachregeln
December 3rd, 2009 at 11:43 am
Nordlicht_70 schrieb:
Bei der DGT 2010 ist das z. B. Programm 13, bei der DGT XL Programm 18, die “Silver” kann problemlos entsprechend programmiert werden.
Ist schon ein echtes Fachgespräch hier, nicht wahr?
December 3rd, 2009 at 12:16 pm
Es gibt keinen vernünftigen Grund für die Verkürzung der Bedenkzeit. Bis einschließlich Oberliga gibt es auch keine Zuschauer oder Sponsoren, denen ein so langes Zugucken nicht zugemutet werden könnte. Es gibt nur die Spieler.
Schach ist nunmal ein Denkspiel, warum soll man dafür nicht ausreichend Zeit bekommen? Der Verfall der Endspieltechnik wird ja allenthalben beklagt, zurzeit gerade beim Weltpokal. Warum gibt man den Spielern dann nicht die Bedenkzeit, um ein Endspiel mal durchzurechnen?
Meinetwegen kann man auch 2h/40+1h/20+30min spielen, dann können die analogen Uhren einfach weiterbenutzt werden.
December 3rd, 2009 at 12:35 pm
bonaventura hat offensichtlich nicht begriffen, von welcher Bedenkzeitregelung gerade die Rede ist.
December 3rd, 2009 at 4:31 pm
Aber bitte - unfreundliche Spitzen möchte ich hier doch für mich reserviert wissen wollen. Die Kommentare sollten dem gewohnt freundlichen Geist sanfter Aufklärung (insbesondere der der Irrtümer des Blogbetreibers) verbunden bleiben.
December 3rd, 2009 at 5:37 pm
Von dieser:
Die ist bei den DGT-Uhren vorprogrammiert, wie ich geschrieben habe.
December 3rd, 2009 at 6:42 pm
Nein!
Vorprogrammiert sind ausschließlich Bedenkzeiten mit Zeitzuschlag pro Zug AB DEM 1. ZUG.
Nordlicht_70 schlug eine Bedenkzeit mit Zeitzuschlag pro Zug ERST NACH DER 2. ZEITKONTROLLE vor. Wer sich seinen Beitrag noch einmal und ganz in Ruhe und im Zusammenhang mit dem unmittelbar vorhergehenden Beitrag durchliest, wird das begreifen (weil nämlich andernfalls die Wendung “15 min reichen locker” usw. keinen Sinn ergibt, da bei Zeitzuschlag AB ZUG 1 durchgehende Notationspflicht besteht).
December 3rd, 2009 at 7:08 pm
Ja, es ist wirklich ein “echtes Fachgespräch”, dem nicht jeder zu folgen vermag.
December 3rd, 2009 at 8:33 pm
Das simmt einfach nicht. Nimm die DGT-Uhr in die Hand und probier es aus. Genau die von Nordlicht_70 vorgeschlagene Zeitkontrolle — so, wie auch Du sie verstehst — ist vorprogrammiert. Ich habe die Uhren hier und mich durch Augenschein davon überzeugt.
Und wenn man keine Ahnung hat, …
December 4th, 2009 at 1:31 pm
Also im Handbuch für die DGT 2000 steht:
6. “FIDE” Tournament-Bedenkzeit (15, 16 und 17)
In dieser Einstellung wird mit zwei Perioden angefangen, bevor die
zusätzliche Zeit für jeden Zug läuft.
siehe: http://www.dgtprojects.com/site/index.php/Manuals/View-category.html
December 4th, 2009 at 1:58 pm
Die Uhren können es, auch wenn ich nicht verstehe, warum man sich darüber nicht auch anders verständigen kann als die beiden kommentierenden Schiris. Problem aus Sicht der zentralen Ligen könnte die Normentauglichkeit der genannten Bedenkzeit sein (vielleicht wegen des genannten Züge-Vorsag-Effekts durch die Uhr). Inwieweit die Normen Oberliga und abwärts tatsächlich relevant sind, steht auf einem anderen Blatt.
http://www.fide.com/fide/handbook?id=58&view=article
December 4th, 2009 at 4:48 pm
Reyk schrieb:
Das liegt bei mir an einer Idiosynkrasie.
December 6th, 2009 at 11:01 pm
So “eindeutig” wie der Fall hier liegt und der gastgebende Verein entsprechend bestraft wurde, frage ich mich, wie das Vorgehen und ein eventuelle Strafe wäre, wenn es kein gastgebenden Verein gibt?
Beispiel: Bei Doppelrunden in der Begegnung, wo der Reisepartner spielt. Der hat mit den Spielbedingungen offenbar nichts tun, also zum Beispiel mit falsch eingestellten oder gar nicht funktionierenden Uhren. Für einen zu kalten Raum kann er auch nichts.
“Neuansetzung und die Kosten den gastgebenden Verein aufbrummen” hört sich ja als Strafe nett an, jedoch auch da wird neben der Frage, was alles Kosten sind (und was nicht) auch die Frage der Verfügbarkeit beider Mannschaften stehen.
January 6th, 2010 at 2:30 pm
Der Vollständigkeit halber sei hier noch der Ausgang des Verfahrens nachgetragen (von http://www.lasker-koeln.de/index.php?top=Neuigkeiten):
January 6th, 2010 at 2:46 pm
Schön, wenn die Leute bei alledem den Humor nicht verlieren!