Magdeburger Pokalzwischenrunde - 2/2 mit Spaß dabei (I)

Man sollte sich an freien Wochenenden grundsätzlich etwas vornehmen. Schon allein, um eine Ausrede zu haben, wenn man kurzfristig am Freitagnachmittag aufgrund eines Krankheits-Ausfalls im Mannschaftspokal einspringen muss. Natürlich hatte ich viele kleine Dinge zu erledigen aber aufgestaute Zentralblatt-Arbeit (die gibt es sowieso immer) oder gar private Wünsche (stehen sowieso ganz hinten) zählen ja nicht. Musste ich also mal wieder meinen legendären Einsatzwillen für die Mannschafts unter Beweis stellen, diesmal bei einem Ausflug zur Pokal-Zwischenrunde nach Magdeburg (dabei war nicht mal die Mittelalter-Ausstellung noch da; andererseits, die Zeit hätte sowieso nicht gereicht).

Der Pokal ist ja gerade für Spitzenspieler nicht sehr attraktiv (mit Ausnahme der prestigeträchtigen Endrunde). Man kann schnell auf die Nase fallen, besonders weil bei 4 Leuten das sportliche Element stark ins Gewicht fällt und man oft genug mannschaftstaktisch spielen muss - z.B. eine tot remise Partie gewinnen etc. Außerdem können sich die Profis nicht so wie gewohnt vorbereiten - schließlich wird erst kurz vorher gelost und die Mannschaft dann auch noch beliebig aufgestellt. Man kennt die Farbe vorher nicht und kann den Gegner nur raten, hinzu kommt, dass man mit etwas Pech dauernd Schwarz hat. Dann sitzt man evtl. noch einem Vorstopper gegenüber. Die Spitze hat das oft nicht so gerne.
Kurioserweise trägt wenigstens die Tatsache, dass der Pokal nicht ELO-ausgewertet wird, dazu bei, dass
noch einige Titelträger mitspielen. Wenn auch noch die gepflegte Zahl den obigen Risiken ausgesetzt wäre, würden das vermutlich noch stärker abschrecken.

Unser Spitzenbrett IM R* jedenfalls wäre an diesem Wochenende für seinen aufopfernden Einsatz bestraft worden - zweimal musste er mit Schwarz gegen solide Spieler antreten, die niemals die Remisbreite überzogen. Dazu musste er auch noch immer etwas riskieren, um den Druck am wichtigen Brett 1 aufrechtzuerhalten - z.B. in der Sonntagspartie durch die Wahl des Buidapester Gambits. Das kann auch nach hinten losgehen, aber so eine mannschaftsdienliche Spielweise wird zumindest nicht mit ELO-Abzug bestraft.

Das Tegel-Team war ausgeglichen mit 2 IMs aus der 1. Mannschaft (R*, Ulf von Herman) und zwei Reservisten aus der 2. Mannschaft (Stephan Giemsa, OT) besetzt. In dieser Aufstellung waren wir gegenüber Rotation Pankow und Aufbau Elbe Magdeburg nur leicht favorisiert - nach meinem Gefühl sogar überhaupt nicht, wenn man meine bisherigen Pokalerfahrungen berücksichtigt: Mit Ausnahme eines kampflosen 4:0 gegen Waterkant Saal (damals noch mit RUGIA Bergen: Wir fuhren eines trüben Sonntags in die Saaler Einöde, fanden um 9.00 Uhr noch ein verschlossenes Spiellokal, den Mannschaftsleiter im Bett und lustlose Gegner, die bis 10.00 Uhr keine kampfbereite Aufstellung mehr zusammenbekamen - ein wahrhaft verlorener Tag, in dem wohl mein Fast-Boykott des Wettbewerbs seinen Ursprung hat) hatte meine Mannschaft bei Pokaleinsätzen immer knapp verloren - meist aufgrund sinnlosester Wertungskonstellationen. Da mir nun auch noch komplett die Vorbereitung fehlte, ahnte ich Schreckliches.

Aber manchmal kommt es ja nicht so schlimm, wie man denkt. Magdeburg sah nach 18 Jahren Abstinenz (damals waren sie in der Jugendliga unser größter Konkurrent, und sie machen auch heute noch hervorragende Nachwuchsarbeit) deutlich weniger trist aus.
Der größte Pechvogel war Stephan, der wieder einmal in einen Blitzer tappte; dafür hatten wir Losglück und bekamen Salzgitter für den Samstag, während sich Pankow und der Aufbau Elbe beharken durften.

Unser 3,5:0,5 gegen Salzgitter war recht flüssig, wobei R* an 1 beim Stand von 2:0 sicherheitshalber mit Mehrbauern in etwas unklarer Stelllung remisierte.

König Tegel - Salzgitter
1. Stern - Breuer 1/2
2. von Hermann - Zeltwanger 1:0
3. Giemsa - Abel 1:0
4. Teschke - Krökel
1:0

Nur kurz meine Partie (weil ich die anderen nicht habe):

Krökel,P - Teschke,O
Deutscher Pokal, 13.01.2007

Na, man rate mal die Eröffnung…








Schwarz muss irgendwas tun. Das Manöver Sf6-g4-h6 sieht komisch aus (besonders mit dem Doppelbauern nach Lb2-c1xh6), bringt aber nach f5 die ausreichenden praktischen Chancen. Typisch die Idee der Drohung Lb6-a7-b8 mit c6-d5-e4 und Matt auf h2, die Weiß letzlich zu den entscheidenden Schwächungen überredet. 9….Sg4 10.h3 Sh6 11.Lc1 f5 12.Lxh6 gxh6 13.exf5 Lxf5 14.De2 Dd7 15.Kh2 Tf7 16.Sbd2 Taf8 17.Sc4 La7 18.Se3 Le6 19.Sh4 d5 20.g4 Se7 21.Tad1 c6 22.f3 Dd6 23.Kg1 Lc8 24.Kf2 Df6 25.Shf5 Lxf5 26.gxf5 Sxf5 27.d4 exd4 28.Sxf5 d3+ 0-1 Da ich dankenswerterweise die Partien aus den Magdeburger Begegnungen gerade zugemailt bekommen habe, der Rest vielleicht ausführlicher in Fortsetzungen.

5 Responses to “Magdeburger Pokalzwischenrunde - 2/2 mit Spaß dabei (I)”

  1. alms Says:

    Saaler Einöde? Da muss ich natürlich einschreiten. Ist das Sportlerheim denn nicht eher ein Kleinod? Ist es nicht wunderbar, dort vor der Tür zu stehen, die Pappeln rauschen zu hören, auf den leeren Sportplatz zu schauen und ein wenig über die Dinge der Welt zu palavern?

    Ob es in Bergen so viel besser war? Ich erinnere mich an so manchen zugigen Sonntagmittag auf dem kalten Bergener Marktplatz, auf der Suche nach einer Möglichkeit zu einer kleinen Siegesfeier.

    Manchmal vermisse ich diesen Sportlerheimgeruch, diesen Platz vor der Tür in der Märzsonne und das eiskalte Klo im Winter.

  2. OT Says:

    Aber denke Dir noch einen kalten Wintermorgen hinzu, nach einer Trabbi-Fahrt über dunkle, eisige Landstraßen; die zitternden Pappeln tauchen nur schemenhaft aus dunklem nebligem Morgengrau; wir klappern die dörflichen Plattenbauten ab, um verschlafene Schachspieler an die Tür zu holen…

    Bergen ist natürlich auch trist - da kann ich Dir als Sassnitzer nur zustimmen. Bevor Erich Honecker und Angela Merkel mit ihren russischen Genossen den Mukraner Hafen verbrochen hatten, war die Kreisstadt heißer Kandidat für einen der trostlosesten Inselplätze.

    Die besten, weil bösesten Worte zum diesem Beamtennest voller Katastereulen, Steuerkrähen und Justizgeiern hat der große Sohn der Stadt Grümbke gefunden.

  3. alms Says:

    Du musst dir aber auch noch jemanden hinzudenken, der jahrelang um 06.07 Uhr in Greifswald in den Zug gestiegen ist, um ein Heimspiel in diesem manchmal kalten und klammen Sportlerheim zu haben.

    Warum überhaupt Rugia Bergen? Gab es nicht auch die ruhmreiche SG Jasmund? Überhaupt würde ich gern (Leserwunsch!) mal eine kleine historische Abhandlung zum Schach auf Rügen lesen. Vita Binz ist doch eine Neugründung, oder?

    Zu Mukran: Absolute Zustimmung. Schade, dass die große Fähren nicht mehr in Sassnitz auslaufen. Es geht nichts über einen städtischen Fährhafen. Aber immerhin noch mehr Hafen als in Greifswald.

  4. OT Says:

    Zwischenzeitlich gab es Jasmund nicht mehr - wir reden hier von 1994. Die SGJ wurde erst 1996 neugegründet, wie üblich wegen “unüberbrückbarer Gegensätze.” ;-)

    Aus demselben Grund dann auch Vita Binz.

    Zur Geschichte des Rügener Schachs verweise ich an den Spezialisten Roberto Bösler.
    Der hat immerhin schon eine Liste der Kreismeister und Rügenpokalsieger” ins Netz gestellt.

  5. Queribus Says:

    Schach verbindet mal wieder Generationen… Sieger der Kreismeisterschaft von 1970 ist auch der Sieger von 2000. Auf dass wir unser Spielniveau lange halten und weiter verbessern können.

    Die ersten acht Züge der Partie würden mich tatsächlich interessieren. Ein recht ungewöhnlichen Doppelfianchetto + Teufelshorn(b4 c3 d3 e4) sind mir auf jeden Fall völlig neu.

    Auf diesem Wege nochmal Glückwunsch für die 2/2 und auch an die ganze Mannschaft, falls sie es denn lesen sollte.

    Queribus

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