Magdeburger Pokalzwischenrunde - 2/2 mit Spaß dabei (II)
Wesentlich spannender als die Tegel - Salzgitter war die parallele Samstagsbegegnung Aufbau Elbe Magdeburg - Rotation Pankow:
1. Degtiarev - Dauth
2. Andre - Bötzer
3. Windelband - Steinhagen
4. Brüggemann - Schwekendiek
Im Schnitt war Pankow etwas stärker, was aber vor allem am Einsatz des 1800er- Nachwuchsspielers bei Magdeburg an 4 lag. Der war mit Schwarz auch relativ schnell chancenlos, aber auch an den anderen Brettern zeichnete sich ein ähnliches Bild ab:
Weiß stand überall deutlich besser! Ob es an den vielen Nachwuchsspielern (ok, unter dreißig ist für mich immer noch Nachwuchs, s. Teil 3) lag? Der ausgeuferte Theoriehang dieser Generation ist ja sprichwörtlich. Jedenfalls wurde z.T. ewig Buch heruntergespielt und die Partien praktisch in der Eröffnung entschieden, auch wenn der technische Teil sich dann noch etwas hinzog:
Dauth,B - Degtiarev,E [B22]
Deutscher Mannschaftspokal Zwischenrunde Magdeburg (2.1), 13.01.2007
Weiß hat sich sehr aktiv im 2. c3 Sf6-Antisizilianer aufgestellt und taktisch alles gut berechnet. Schwarz versank hier in langes Grübeln - und zog schließlich doch 17…Lf5? R* und ich hatten uns sowieso gewundert, warum nicht umgehend das naheliegende 17…Txc3 folgt, womit zumindest das weiße Zentrum aufgelöst wird. Zwar steht auch danach Weiß überlegen, aber aus praktischen Gesichtspunkten sind diese Verwicklungen die einzig sinnvolle Option. Nach dem Textzug geht Schwarz einfach an seinen Felderschwächen zugrunde. 18.Txf6 Txd3! Mit dem Qualitätsopfer bleibt man ganz gut dabei. (Leider scheitert das naheliegende 18…Dxd4+ an 19.Tf2 Lf5 (19…Txd3 20.Db8+ Dd8 21.Dxd8+ Txd8 22.Sxe6 Lxa1 23.Sxd8 Ld4) 20.Lb2! mit einer blöden Fesselung. Dxd3 21.Tf3! Dd4+ 22.Kh1 Tc1+ 23.Txc1 Dxb2 24.Db8+ Lf8 25.Tcf1) 19.Dxd3 Lc4 20.De3 Lxf6 21.Sf3 Sc6 22.Se5 Lg5 23.Dc3+/- 18.Lxf5 gxf5 18…Txf5 19.Txf5 gxf5 20.Se6 19.Tae1 Tg6 20.Lxe7 und bald danach 1-0
Andre,G - Bötzer,D
Deutscher Mannschaftspokal Zwischenrunde Magdeburg (2.2), 13.01.2007
Die extremste Theoriepartie. Hier kam dier erste Neuerung erst im 22. Aus meiner Sicht steht aber Schwarz in dieser Französisch-Variante schon vorher kritisch.
19…Txf3? Danebenstehend, war ich natürlich im Gegensatz zu den Spielern längst nicht mehr im Buch und konnte mich nur wundern. Sicher, dieses typische Qualitätsopfer ist von GMs empfohlen, aber nach meinem Gefühl bekommt Schwarz zumindest in diesem Abspiel einfach zuwenig dafür. 19…Sd8; 19…De7 20.Dxf3 Lg6 21.Dh3 Dd7 22.g4 Sa5? Der erste neue Zug. Der Springer wird bald reumütig zurückkehren müssen und droht nichts, daher das ?. 22…a6 23.Lg5 Sa7 24.a4 Lahno-Simonsen - ich möchte aber diese Schwarze Stellung eigentlich sowieso nicht haben. 23.Tc1 Da4 24.f4 Le4 25.f5 Dxa3 26.Dh4 Sc6 27.Dg5 b5 28.f6 Df8 29.Dxg7+ und das Endspiel wurde ziemlich souverän gewonnen.
Windelband,J - Steinhagen
Deutscher Mannschaftspokal Zwischenrunde Magdeburg (2.3), 13.01.2007
Und noch so eine Bandwurmvariante, diesmal im Sc6/Sf6-Sizi. Eine von den Stellungen, die ich auch nicht verstehe. Typisch der weiße Königsmarsch nach f3, wo er halbwegs sicher steht; Schwarz muss sich Sorgen um seine Figurenkoordination und das Feld d6 machen.
14…d5?! M.E. ist dieser neue Zug zu gewaltsam. Die Schwächen c6/e6 sind schlimmer als das kurierte d6-Übel. 14…Lc5 15.Sd3 Ld4 15.exd6 Lxd6 16.c5 Sichert sich das Läuferpaar und damit ein wichtiges Faustpfand. Lxc5 17.Lxa6 Lxf2 18.Lc4 Lh4? Aber erst danach steht Schwarz deutlich schlechter. 18…Dc5 19.De2 e5! muss man aber erst mal finden. Für Leute, die es völlig krank mögen, sei noch die folgende Variante angegeben: 18…Lg1 Mit der Idee der “gegenseitigen Lahmlegung”. Wer kann sich nun zuerst entknoten? 19.Lxe6 Td8 20.g3 Td3+! 21.Kg2 Dd4 22.Lb3! (nicht aber 22.Txg1? De4+) und es scheint doch weißer Vorteil zu sein - der wK steht schlicht sicher. 19.g3 Lf6 20.Lxe6 Und Weiß kann seine Technik unter Beweis stellen. 20….g6 21.Te1 Kf8 22.Le3 Da5 23.Tad1 Kg7 24.Lc5 Thd8 25.b4 Dc7 26.Te3 Txd1 27.Dxd1 Td8 28.Td3 Txd3+ 29.Dxd3 a5 30.Dd7 Dxd7 31.Lxd7 a4? Danach ist das Endspiel total trostlos. 31…axb4 bietet noch einige Schwindelchancen, obwohl es gegen L-Paar und a-Bauer auch trostlos aussieht. Die Sache zog sich noch etwas hin, aber am 1-0 gab es eigentlich keinen Zweifel mehr. So endete der Kampf dann punkt-und wertungsgleich 2:2, und es musste mit vertauschten Farben gestochen=geblitzt werden. Zuerst lag Magdeburg durch Brett 4 wieder schnell hinten, aber dann wendete sich das Blatt: Sieg an 3 und dann (etwas glücklich auch an 2, und Brett 1 konnte mit noch 6 Sekunden auf der Uhr Dauerschach geben - den Zuruf “Remis reicht!” hätte er wohl nicht mehr benötigt…






















